Ein Weihnachtsmärchen
Ein Monat ist nach meiner Kenia-Reise bereits vergangen. Mancherlei überwiegend berufliche Gründe beschäftigten mich in den letzten Wochen so sehr, daß nicht nur ein paar Blog-Anmerkungen zu meiner Reise nicht möglich waren, sondern auch die musikalische Zerstreuung zwangsweise etwas zu kurz kam.
Musikalische “Zerstreuung” wäre eine falsche Beschreibung dessen, was ich in Konzerten unter der Mitwirkung des Chores des Bayerischen Rundfunks in der Vergangenheit genossen habe. Wer meine Eindrücke nach den Konzerten in meinem Blog gelesen hat, wird verstehen, was ich damit meine. Dieser Chor singt aber nicht nur mit Herz und von Gefühlen sondern die Sänger zeigen persönlich Mitgefühl mit Menschen, denen es nicht gut geht. Durch eine glückliche Fügung wurde mir von den Mitgliedern des Chores des Bayerischen Rundfunks eine Summe anvertraut, die ich in Kenia für mir bekannte dringende Fälle verwenden durfte.
Ich habe zwar neben meinen Schulpatenschaften ein paar eigene Ausbildungsprojekte in Nairobi, wollte das Geld des Chores aber nicht einfach dort verwenden sondern etwas Besonderes damit tun. Der Zufall wollte es, daß meine Rose von einem 21jährigen Mädchen erzählte, das jetzt erst form 1 der Secondary School abschliessen konnte, weil sie laufend vom Unterricht wegen nicht bezahlter Schulgebühren suspendiert wurde. Trotzdem sei sie fest entschlossen, ihre Ausbildung irgendwie zu Ende zu bringen. In Kenia ist es gang und gäbe, dass Kinder und Jugendliche nach Hause geschickt werden, wenn die Schulgebühren nicht bezahlt wurden. Haben Eltern und Verwandte dann wieder ein paar shillingi aufgetrieben, darf man gerade so lange bleiben, bis der Betrag aufgebraucht ist. Das Abschneiden solcher Schüler am Ende des Schuljahres kann man sich leicht vorstellen.
Ich hätte das Mädchen gerne in seinem häuslichen Umfeld aufgesucht, was aus Zeitgründen nicht möglich war.
Ich bestellte M. also in mein Hotel in Nairobi, um einen Eindruck von ihr zu gewinnen.Während unseres Mittagessens (das für sie schon ein nie gekanntes Erlebnis war) erschien sie war zwar zurückhaltend aber dennoch aufgeschlossen. Rose hatte ihr offenbar gesagt, daß das die Chance ihres Lebens sei, an die sie aber noch nicht recht glauben konnte.
M.’s Familienverhältnisse sind schwierig, allerdings kümmert sich der Vater um seine Kinder, soweit es seine Arbeitslosigkeit zulässt. Schulgeld für die Tochter wird er nicht aufbringen können. Ihr läuft die Zeit weg, denn sie hat noch drei Jahre vor sich bis zum Abschlussexamen der Highschool. Es ist zwar in Kenya aus dem genannten Grund keineswegs unüblich, dass auch ältere Jugendliche die Schule mit einem Alter weit über 20 Jahre abschliessen. Die Aussicht auf eine sich anschliessende Ausbildung sinkt damit allerdings auch. So habe ich mit M. vereinbart, daß mit dem Geld der ihr unbekannten Gönner aus Deutschland, die Schulgebühren und Unterbringungskosten für das kommende Schuljahr bezahlt und die rückständigen Gebühren ausgeglichen werden. Natürlich erwarten wir im Gegenzug eine gute Leistung, die ich im Juni 2010 nach dem midterm Examen gerne überprüfen würde, um dann das letzte Drittel der Schulgebühren für das Jahr 2010 einzuzahlen. Ihre Erleichterung war gross. Ihre Freude vermutlich auch. Allerdings äusserte sich diese mehr nicht überschwänglich, sondern sie erschien fast ungläubig. Sie freute sich jedenfalls.
Auf M.s Wunsch machten wir noch einen Spaziergang durch den schönen Hotelpark, fotografierten sie unter allerlei exotischen Blütensträuchern ehe wir sie in der Thika Road in ein Matatu setzten, das sie zuerst in die Innenstadt und von da nach Kawangare, ein Slumgebiet am anderen Ende der Stadt, bringen sollte. Der Gesichtsausdruck des im Matatu sitzenden Mädchens, der eine stille Freude zeigte, wird mir unvergesslich bleiben.
Am nächsten Tag lernte ich das Prozedere der Einzahlung der Schulgebühren bei einer kenianischen Bank kennen. Dort gibt es dafür spezielle Einzahlungsscheine, die von der Bank quittiert werden, und in der Schule gegen eine weitere Quittung abgegeben werden müssen. Nach meiner Abreise hat Rose die Quittung überbracht, und das Mädchen hat inzwischen den ersten Monat in form 2 bereits geschafft.
Daß sie im neuen Schuljahr wieder zur Schule würde gehen können, noch dazu mit gesicherter Unterbringung und Verpflegung, hätte sich M. vor Weihnachten nicht träumen lassen. Und wahrscheinlich wird sie einmal ihren Kindern davon erzählen, was ihr im Dezember 2009 widerfahren ist.
M.s Geschichte begann schon vor Weihnachten, als ich von ihr hörte und den ersten Kontakt aufnahm, fügte sich aber erst am 28. Dezember nach unserem Treffen. Dazwischen lagen für mich turbulente Weihnachtstage direkt unter dem Äquator, nicht im Busch, aber im ländlichen Kenia nördlich des Viktoriasees. Dorthin gelangte der andere Teil der Geldes des Chores des BR. Doch davon demnächst.
Add comment Februar 6, 2010
Ein gutes Neues Jahr
Robert D. Smith mit Rienzis Gebet “Allmächtger Vater”, das er auch als Zugabe beim Silvesterkonzert der Münchner Philharmoniker sang.
Add comment Januar 1, 2010
MPhil: Silvesterkonzert
Ich hatte Zweifel, ob ein Programm mit Werkausschnitten von Richard Wagner und Werken Felix Mendelssohn Bartholdys harmonieren würde und kaufte meine Eintrittskarte alleine wegen des angesetzten Tenors Ben Heppner, der dann krankheitsbedingt absagen musste. Robert Dean Smith übernahm Heppners Programm ohne Änderung, wie Christian Thielemann zu Beginn stolz verkündete.
Das Programm des ersten Teiles:
Vorspiel zum I. Aufzug von “Lohengrin”
Vorspiel zum III. Aufzug von “Lohengrin”
Gralserzählung: “In fernem Land unnahbar euren Schritten”
Walküre: “Winterstürme wichen dem Wonnemond”
Vorspiel zum III. Aufzug von “Die Meistersinger von Nürnberg”
Preislied des Walther von Stolzing: “Morgendlich leuchtend im rosigen Schein”
Vorspiel zum I. Aufzug von “Die Meistersinger von Nürnberg”
Nach dem mystischen Vorspiel meiner derzeitigen Lieblingsoper mit geradezu überirdisch spielenden Streichern hätte das Konzert, wenn es nach mir ginge, schon beendet sein können. Christian Thielemann geleitete anschliessend RDS geradezu auf Geigenbögen durch die Gralserzählung und die Winterstürme, unterstrich damit die eher lyrische Tongebung Smiths und verleitete ihn nicht zu überflüssigen Kraftaktionen. Smith blieb gelassen und liess sich selbst dann nicht zum Geschrei hinreissen, als Thielemann mit dem Orchester im Preislied etwas das Temperament durchging, das den Sänger stellenweise überdeckte. Robert D. Smiths Stimme fehlt vielleicht etwas Charisma, und er ist nicht der ganz grosse Gestalter, wie ich finde; ist vielleicht auch schwer in einem Programm mit Opernausschnitten. Das als Zugabe gesungene Gebet Rienzies fand ich sehr geschmackvoll, grossartig gesungen und am besten gelungen.
Im Mendelssohn-Programm nach der Pause beglückten Christian Thielemann und sein Orchester mit “Die Hebriden”, der gefühlvollen Konzertouvertüre op. 26. Die Symphonie Nr. 4 A-Dur op. 90. die „Italienische“, entliess das Publikum trotz ihres klassisch-kontrollierten Aufbaus heiter und optimistisch in den Silvesterabend. Für einenTeil des nach jedem Satz applaudierenden Publikums war die Symphonie vermutlich Neuland. Ich hoffe nicht, sie wollten ein vorzeitiges Ende herbeiklatschen um zum Silvesterbüffet zu eilen.
Die Münchner Philharmoniker spielten auf allen Stimmen in Bestform. Aufgefallen sind mir die vielen jungen Musiker unter ihnen, die phänomenalen Holzbläser, die sensiblen Schlagwerker neben den bereits genannten Streichern mit den unterschiedlichen Instrumenten. Ovationen.
Die kluge Stückwahl bescherte trotz der Absage Ben Heppners ein alternatives Silvesterprogramm, das ich als sehr anregend empfand. Ich hoffe, Ben Heppner doch noch einmal auf der Bühne oder im Konzert erleben zu dürfen und wünsche ihm rasche Genesung.
Das online abrufbare Programmheft mit seinen Aufsätzen zum Programm ist wie immer zu empfehlen.
Add comment Januar 1, 2010
BSO: Die Zauberflöte
Eine wahrlich bezaubernde Zauberflöte versöhnte mich am 6. Dezember nach dem Beinahe-Holländer-Desaster mit der Bayerischen Staatsoper. Ich hoffe die alte Everding-Inszenierung wird noch lange Jahre liebevoll gepflegt und mit guten Sängern angemessen besetzt, wie es auch in der noch laufenden Dezemberserie der Fall ist.
Lediglich die drei Damen gerieten gelegentlich etwas ausser Tritt, aber was macht das schon, wenn sonst alles passt.
Besetzung:
Musikalische Leitung — Asher Fisch
Sarastro — Günther Groissböck
Tamino — Pavol Breslik
Sprecher — Christian Van Horn
Königin der Nacht — Erika Miklósa
Pamina — Maria Bengtsson
Erste Dame — Laura Tatulescu
Zweite Dame — Anaïk Morel
Dritte Dame — Maria Radner
Drei Knaben — Tölzer Knabenchor
Papageno — Nikolay Borchev
Papagena — Lana Kos
Monostatos — Ulrich Reß
Erster Geharnischter / Zweiter Priester — Kenneth Roberson
Zweiter Geharnischter — Christoph Stephinger
Erster Priester — Alfred Kuhn
Dritter Priester — Christian Rieger
Vierter Priester — Rüdiger Trebes
Drei Sklaven –Johannes Klama Walter von Hauff Thomas Weber
Das soll es von meinem Opernjahr erst einmal gewesen sein.
Add comment Dezember 19, 2009
BSO: Der Fliegende Holländer
Geballte skandinavische Sangespracht versprach die Dezember-Serie des Fliegenden Holländers, Juha Uusitalo als Holländer und Matti Salminen als Daland, dazu Nina Stemme, wegen deren Hausdebüt an der Bayerischen Staatsoper als Senta ich wenigstens eine Vorstellung besuchen wollte. Mein Besuch war in der zweiten, und ich versuchte, die Sache unbeeinflusst von den bereits vorher gelesenen Kritiken anzugehen.
Was Nina Stemme als Senta von sich gab war sicherlich eine glänzende Gesangleistung. Ich kann allerdings nicht sagen, dass sie mich ihre Interpretation der Rolle in irgendeiner Weise emotional berührt hätte. Sie fand sich gut zurecht in dem für sie bestimmt ungewohnten Spinning-Studio und machte ihre Sache auch im Vernichtungsakt gut. Anstatt als Senta hätte ich sie allerdings lieber ein einer anderen grossen Rolle gesehen.
Matti Salminen, als Daland am Stock gehend, macht selbst mit Handicap Eindruck, während Juha Uusitalos Holländer gemischte Gefühle hinterliess. Ich hoffe, er findet zu seiner Form zurück. Ohne grössere Patzer habe ich das Dirigat von Cornelius Meister in Erinnerung. Das hätte schlimmer kommen können, wenn ich an die vorherige Serie denke. Der enthusiastische Jubel für ihn machte mich dennoch nachdenklich, ob denn mit meinen Ohren noch alles in Ordnung sei. Einen unzumutbaren Erik gab Endrik Wottrich, dessen Stimme gegen Ende nur noch als Krächzen wahrzunehmen war, wenn überhaupt. Der Verursacher dieser Besetzung gehört des Amtes verwiesen.
Add comment Dezember 19, 2009
BSO: L’Elisir d’Amore

Wie angekündigt, ein kurzes Resumée über meinen Eindruck vom Liebestrank in seiner vollständigen Fassung, erster Abend meines Opernmarathons am letzten Wochenende. Mit dem Bühnenbild (Patrick Bannwart), einer etwas öden aber sehr sonnigen Landschaft, in der es länger nicht geregnet hat, die einen Platz mit Lichtmast und öffentlichem Telefon umgibt, will ich mich nicht lange aufhalten. Hauptrequisit ist das monströse Gefährt, mit dem der Wunderdoktor Dulcamara seine Landsleute zuerst anzieht, um sie anschliessend über den Tisch zu ziehen. Die überdimenisonierte Baron-Münchhausen-Kugel mit angebautem Heuwender oder Mähdrescher und einem Kommandostand hat etwas spinnenartiges, ist ein genialer Einfall und beherrscht die Bühne. Den Menschen in dieser Ödnis haftet etwas Träges an; es kann auf die Hitze zurückzuführen sein, oder auch auf einen gerade überstandenen kriegerischen Zwischenfall, denn Soldaten treffen ein an dem Platz an der Strasse nach nirgendwo.
Dem jungen Regisseur David Bösch ist etwas gelungen, was man von einem “Ersttäter” nicht erwarten durfte. Er zeichnete die Hauptfiguren Adina und Nemorino, Belcore und Dulcamara mit sehr viel individuellem Ausdruck und einem überraschend sensiblen Nerv für die Musik und gab der jungen Bäuerin Gianetta als pantomimischer Begleiterin des dörflichen Lebens ein besonderes Gewicht. Alle Charaktere sind auf ihre Art sympathisch, ja sogar liebenswert, vor allem der in seiner verliebten Einfalt clowneske Nemorino. Das trotz bedrohlicher Militärpräsenz entspannte dörfliche Ambiente hat etwas Poetisches, das sich nicht nur an Luftballons und Neonherzen des Dulcamara-Gefährtes entzündet, sondern an den Aktionen der Darsteller, und das empfinde ich als das besonders Gelungene an diesem Abend.
Wie jeder weiss oder nachlesen kann, ist der arme Bauer Nemorino in die reiche Witwe Adina verliebt, die natürlich den strammen Flieger Belcore dem verträumten Bäuerlein vorzieht. Der selbstgekürte Wunderdoktor Dulcamara verkauft dem verliebten Nemorino eine Flasche Rotwein als Liebestrank, der aber erst am nächsten Tag seine volle Wirkung entfalten soll. Adina fühlt sich indessen missachtet und will Belcore am nächsten Tag heiraten. Nemorino misstraut der raschen Wirkung des Liebetrankes, hat aber kein Geld um sich Nachschub zu beschaffen und heuert beim Militär an, um sich Geld für eine weitere Flasche zu besorgen. Und schon wird er zum heissen Liebhaber (glaubt er), der jede Dorfschönheit flachlegen kann. Dabei weiss er nicht, dass er inzwischen einen reichen Onkel beerbt hat, also eine gute Partie geworden ist, was die seine Attraktivität enorm steigert. Adina passt Nemorinos Treiben natürlich nicht. Sie ist eifersüchtig auf all die potentiellen Bräute und kauft ihn aus seinem Regiment frei. Die beiden kriegen sich. Happy end.
Die ausgezeichnete Personenregie, die auch die Bewegungen des Chores glänzend bewältigte, und die Verve, mit der sich die Mitwirkenden in ihre Rollen warfen, liessen kleine musikalische Schwächen des Abends bedeutungslos werden.
Begeistert hat mit Giuseppe Filianoti als Nemorino, den man am liebsten knuddeln würde. Einen stimmlichen Eindruck mag der Mitschnitt seiner Arie aus der Premiere vermitteln. Dort ist auch zu hören, warum ich mit dem Orchester unter der Leitung von Juraj Valcuha nicht ganz glücklich sein konnte. Aber wie gesagt, Filianotis Identifizierung mit der Rolle überstrahlt das alles.
Positiv überrascht hat mich auch Nino Machaidze als Adina darstellerisch und in der zweiten Vorstellung auch stimmlich. Sie scheint mir von Haus aus keine Sängerin zu sein, die sich als Adina aufdrängt, zu bemängeln gibt es allerdings trotz der etwas kühl wirkenden Stimme nichts daran. Umwerfend komisch und stimmgewaltig war Ambrogio Maestri als Dulcamara, ohne allzu klamaukig zu wirken. Belcore, als Militär zwangsweise etwas zurückgenommen, war bei Fabio Maria Capitanucci sehr gut aufgehoben. Sehr drollig fand ich Giannetta, dargestellt von Tara Erraught, als Sympathie- (und Rucksack-)trägerin fast ein Gegenstück zum verträumten Nemorino. Wenn die beiden sich gekriegt hätten! Na das hätte etwas werden können. Und storia sena fine.
Add comment Dezember 11, 2009
Il Corsaro d’Amore
Letzten Samstag zwang mich meine Grippe, in der Pause die glänzende Vorstellung von Il Corsaro in Zürich verlassen (zauberhaftes Bühnenbild, sehr gute Sänger). Heute war der Stau in der Tiefgarage schuld, dass ich nicht rechtzeitig ins Nationaltheater kam, natürlich nicht mehr eingelassen wurde und wie viele andere den ersten Teil der Premiere von L’elisir d’amore am Fernseher im Garderobenfoyer ansehen musste (zauberhaftes Bühnenbild, sehr gute Sänger). Warum also nicht aus zwei kurzen Opern eine lange machen?
Bayerische Staatsoper: Neuproduktion L’elisir d’amore

Ich zwang mich dazu, das Missgeschick gelassen zu nehmen, zeigten doch schon die lächelnden Gesichter der Besucher, die zur Pause das Parkett verliessen, dass der Abend ihnen Freude machte. Mir machte der live erlebte zweite Teil auch Freude, detailliert darauf eingehen werde ich, nachdem ich den Spass am Stück gesehen habe.
Das Regieteam um David Böschhatte viele zündende Ideen und offenbar die professionellen skills, sie punktgenau zwischen Spass und Klamauk umzusetzen. Ein Glücksfall auch die Sänger, die dazu bereit und in der Lage sind, solche Ideen zur verkörpern.
Bis auf Ambrogio Maestri (Dulcamara), hörte ich alle Sänger zum ersten Mal. Sehr überrascht war ich von Giuseppe Filianotis darstellerischem Vermögen; mein gepflegtes Vorurteil hätte ihm nie und nimmer zugetraut, dass er sich so in eine Rolle werfen würde. Respekt! und sehr gut gesungen hat er noch dazu. Nino Machaidze möchte ich gerne ein zweites Mal als Adina hören; darstellerisch ging sie ebenfalls voll in ihrer Rolle auf. Ein hinreissender Dulcamara war der Erzkomödiant Ambrogio Maestri, der mit seiner Basspracht wohl alle in Grund und Boden hätte singen können, was er aber nicht tat, sonst hätte er niemand mehr zum Spielen gehabt. Tara Erraught war eine drollige Giannetta. Belcore sang der mir ebenfalls unbekannte Fabio Maria Capitanucci.
Endlich mal wieder eine rundum gelungene Neuinszenierung im Nationaltheater, etwas das länger gefehlt hat, und die für die Zuschauer und das Haus selbst zu diesem Zeitpunkt mindestens ebenso wichtig ist wie für die ausführenden Künstler. Ich freue mich schon auf meinen zweiten Besuch am Freitag, an dem ich hoffentlich in den Genuss der vollständigen Vorstellung kommen werde. Dann werde ich auch den Dirigenten Juraj Valcuha und das Bayerische Staatsorchester gebührend würdigen.
Add comment Dezember 1, 2009
Opernhaus Zürich: Orlando
Alexander Pereira besorgte selbst die Einführung vor der Wiederaufnahme-Vorstellung von Händels “Orlando” am Opernhaus Zürich, sehr informativ und sachkundig und selbstverständlich kostenlos für die Interessierten. Ich hatte tatsächlich die Illusion, mich später “wissend zu vergnügen”, obwohl mir das Stück aus München natürlich nicht unbekannt war.
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Add comment November 30, 2009
Philharmonie am Gasteig: Elias
Dass ich bisher über den Konzertabend am 26. November nichts geschrieben habe, hat zeitliche und gesundheitliche Gründe. Ich habe nicht nur das Konzert am Donnerstag genossen, sondern mir auch die Übertragung am Folgetag im Radio angehört. Dabei bestätigte sich einmal mehr, dass in der Philharmonie nur beste, d.h. teuerste Plätze vollen Hörgenuss bescheren. Die Radioübertragung war sensationell gut.
Wenn Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks ein Programm gestalten, kann man als Kunde mit dem Kauf einer Karte nicht viel falsch machen.
Zu dem Programminhalt, Felix Medelssohn Bartoldys “Elias”, Oratorium, op. 70, allerdings traue ich mich fast nichts zu schreiben, weil ich Felix Mendelssohn Bartholdy so wenig kenne und sich meine Erinnerung so ziemlich auf “Meeresstille und Glückliche Fahrt” beschränkt. Zu schreiben, es war schön, wäre doch zu wenig.
Ich hörte “Elias” ein bisschen wie eine “biblische Oper aus protestantischer Sicht”; durchaus dramatisch, aber sehr streng. Die szenische Darstellung habe ich jedoch nicht vermisst. In der Musik ist das alles mit drin.
Wie immer begeisterte mich der Chor mit seiner Präzision und seiner facetten- und farbenreichen Gesangskunst. Vermutlich könnte jedes Chormitglied solistisch eingesetzt werden, so wie die je vier Chorsolistinnen und -Solisten, die vor allem bei den Frauenstimmen für den himmlischen Teil des Abends zuständig waren. Die beiden Gast-Solistinnen Camilla Tilling und Gerhild Romberger konnten da kaum mithalten. Umso bewundernswerter, dass sich trotz der solistischen Einzel-Qualitäten das unübertreffliche Klangbild des Chores formt, vielleicht tut es das aber gerade deswegen.
Zweiter Fixstern des Abend war Christian Gerhaher, dessen Gesangsstil ganz unspektakulär und mit natürlichem Ausdruck den Kern der Rolle des Elias trifft: Hart und fordernd, warm und gütig – die Palette der Stimmfarben und Artikulationsmöglichkeiten scheint unbegrenzt.
Ausgezeichnet fand ich auch Steve Davislim, den ich aus der Matthäuspassion schon in sehr positiver Erinnerung hatte. Am zweiten Abend schien er gegen Ende etwas Höhenprobleme zu haben. weiterlesen >>
Add comment November 30, 2009
De Nederlandse Opera: Salome
Endzeitstimmung am Hofe des Tetrarchen. Das Mahl an der improvisierten Tafel im unterirdischen Bunker ist beendet. Der Hofstaat säuft, Herodes erhält seine Dröhnung per Kopfhörer und in regelmässigen Abständen per Ampulle in die Venen. Unter der Tafel hurt Herodias. Sie nimmt sich, was zu kriegen ist. Zwischen den Teilnehmern der Orgie sitzt unbeteiligt Jochanaan am Tisch, ein verschwitzter Mann im offenen Hemd; über den Kopf hat man ihm eine Tüte gestülpt; er sieht also nicht, welche Obszönitäten sich um ihn ereignen: kollektive Vergewaltigung des durch Herodes erschossenen Narraboth oder Ausweidung des durch den Pagen fiktiv erstochenen Körper Salomes mit Messer und Gabel. Jochanaans Ermahnungen klingen fast unbeteiligt, als habe er mit allem bereits abgeschlossen, als sei alles Rufen umsonst. Salome , deren Aussehen und Verhalten als eine jüngere Ausgabe der Herodias ihre mögliche Entwicklung schon erahnen lässt, falls nicht etwas Entscheidendes in ihrem Leben geschehen würde, umgarnt Johanaan, der anders ist als die Gefährten am Tisch. Sie glaubt in ihm etwas zu finden, von dem ihr nicht bewusst ist, dass sie es vermisst.
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Add comment November 23, 2009
Oper Leipzig: La Bohème
Ich war gespannt auf die Wiederaufnahme von La Bohème, Peter Konwitschnys Inszenierung von 1991 für die Oper Leipzig, die ich bisher nicht kannte.
Es beginnt verdächtig poetisch. Die Dachkammer auf dem Montparnasse ist nicht mal eine angedeutete Kammer, sondern ein karger offener Raum über dem Lichtermeer des vorweihnachtlichen Paris. Dort leben die vier Freunde mehr schlecht als recht von ihren Künsten. Marcello, der Maler, zerstört sein Augftragswerk vom Roten Meer; Rodolfo, der Dichter, muss Zeitungsartikel schreiben, und schürt mit den Seiten seiner Dichtung das Feuer. Colline, der Philosoph, kehrt erfolglos vom Leihhaus zurück, wo er seine Bücher verpfänden wollte. Nur weil sich Schaunard als Musiker prostituierte und für einen reichen Engländer einen Papagei zu Tode gegeigt hatte, ist etwas Geld in die gemeinsame Kasse der vier Freunde gekommen, um Weihnachten zu feiern. Während die Freunde zum Café Momus abziehen, bittet die Nachbarin Mimi Rodolfo um Feuer für ihre Kerze und die beiden verlieben sich. weiterlesen >>
Add comment November 14, 2009
Eugen Onegin am 6. Oktober 2009
Ein schneller Besuch bei den Brokeback Cowboys, Lenski und Onegin im Nationaltheater. Ob es Zufall ist oder Absicht, daß die Onegin-Serie mit Michael Volle gleichzeitig mit dem Don Giovanni und Mariusz Kwiecien läuft? Wie dem auch sei. Michael Volle hat Glück gehabt, könnte man sagen, denn er hat derzeit etwas Mühe, mit den Höhen vor allem. Vielleicht war er am Freitag aber auch nicht ganz gesund.
Marius Brenciu war ein zu Beginn etwas scheppernder, aber dann sehr akzeptabler Lenski. Neu als Tatjana und am Nationaltheater ist Irina Mataeva, eine zierliche und sympathische Sängerin, die mir trotz kleiner Höhenschärfen ganz gut gefallen hat. Ausgezeichnet hat sich wiederum Steven Humes in den beiden Rollen als Fürst Gremin und Saretzki. Auch Elena Zilio als Filipjewna hörte sich gut an. Der klägliche Rest sang kläglich.
Die musikalische Leitung lag in den Händen von Dmitri Jurowski, der an Naganos Interpretation nicht ganz herankam, aber einen recht herzhaften Eugen Onegin musizieren liess.
Ein guter Abend mit Schrecksekunde bei Onegins vorletztem Ton.
Add comment November 8, 2009
Marshall Plan
Nach meiner kürzlichen Reise nach Kenia stolperte ich über einen Forbes-Artikel, der sich mit einer Art modifizierten Marshallplans für Afrika beschäftigte. Ich musste über den Artikel schmunzeln, dessen Ansatz ich für sehr klug halte. Etwas Ähnliches (natürlich im Mikrobereich) hatte ich nämlich während meines letzten Besuches in Kenia in Angriff genommen.
Meine Reise galt natürlich nicht alleine der kleinen Achuchu, sondern auch zwei Jungs meines Boy House, die schon letztes Jahr ihre Reifeprüfung mit guten Leistungen abgeschlossen hatten, allerdings nach fast einem Jahr noch keinen Fuß in die Tür eines College gebracht hatten. Auch hatten die Zwei recht abgehobene Vorstellungen von dem, was an Kosten für eine Ausbildung, Unterbringung und der vielen zusätzlichen Ausgaben von einem Sponsor aufgebracht werden kann. Beide Jungs kenne ich schon mehrere Jahre und für beide war ich die erste weisse Person, der sie jemals die Hand gegeben hatten, wie sie mir jetzt erzählten. Ich glaube, das war im Jahr 2005. Beide sollten mich inzwischen gut genug kennen, um zu wissen, daß ich mich nicht als Wohltäterin verstehe, sondern Kindern oder Jugendlichen eine Ausbildung ermöglichen möchte, die ihnen eine gutes Auskommen verschafft und sie von fremder Hilfe unabhängig macht, sie im Gegenteil in die Lage versetzt, ihre eigene Familie oder andere zu unterstützen. Die Erfahrung hat mich inzwischen gelehrt, vermeintlich überzogenen Ansprüchen keine allzugroße Bedeutung zuzumessen, denn das Spenderverhalten, insbesondere das der Regierungen aber auch privater Wohltäter, erzeugt natürlich eine Nehmermentalität, die erstmal fordert, ohne sich zuerst und stark auf die Hebung der eigenen Ressourcen zu besinnen. >> weiterlesen >>
Add comment November 8, 2009
Don’t applaude when you are not supposed to
Beispielhafte Aktion des amerikanischen Präsidenten: Klassische Musik im Weißen Haus. Barack Obama nimmt sich Zeit für so etwas, obwohl er angeblich nichts von klassischer Musik versteht. Frau Merkel verstünde etwas davon.
Michelle Obama eröffnet einen workshop für klassische Musik im Weißen Haus und spornt die jungen Musiker an. Ein schönes Video, allerdings eher Konzert denn workshop. Mehr Videos von den Tagen der klassischen Musik auf der Seite des Weißen Hauses.
Add comment November 7, 2009





