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Bayerische Staatsoper 15. Januar 2012 – Don Carlo

Januar 16, 2012

Schlußapplaus Don Carlo

Mitgenommen hat mich die gestrige Don Carlo Vorstellung, und ich war auch ganz überdreht danach. Eine spontane Rückschau auf den Abend wäre zu euphorisch ausgefallen. Fällt sie auch jetzt noch. Dazu waren die aufgebotenen Sänger zu professionell, das zentrale Sängertrio Weltklasse. Und so entspann sich die Handlung kammerspielartig innerhalb des Dreiecks Don Carlo, Elisabeth und Philipp, deren Interpreten gleichermaßen mit großen Stimmen wie mit Darstellungstalent gesegnet sind. „Gesegnet“ mag ich gar nicht schreiben angesichts des Schreckens, den die Darstellung der Inquisition verbreitete, in deren Umklammerung Don Carlo spielt. In Jürgen Roses Inszenierung ist sie immer präsent in Gestalt eines übergroßen Christus Kreuzes und der schachtelförmig einengenden Bühne.

Wie schon bei den Festspielen 2010 sang René Pape Philipp II. Seine Wandlungsfähigkeit ist frappierend. Erst kürzlich sah ich ihn kokett an der Met als Méphistofélès ein Tänzchen hinlegen, und jetzt mimt er den verbitterten König und kann kaum gehen. Mit seinem markanten Bass und dramatischem Sinn trifft er die Brutalität des Königs in den Zwängen des Amtes ebenso wie die Verbitterung des Ehemannes und letztlich auch die Einsicht und Reue des Vaters. Für mich keine Frage, seine Personalität dominiert die Szene.

Seltsamer Zufall, daß ich Jonas Kaufmann an der Met ebenfalls an der Seite René Papes erlebte. Don Carlo passt ihm besser als Faust – den er ausgezeichnet sang, siehe meinen früheren Bericht. Carlo hingegen passt ihm wie die Faust aufs Auge, salopp gesagt. In Kaufmanns Darstellung und Gesang spiegelte sich die Gefühlswelt des Infanten; in der Beziehung zu Elisabeth Liebe, Zweifel und Sehnsucht, in der Beziehung zum Vater Sehnsucht nach Liebe Angst und Zorn, zum Freund Rodrigo Respekt, Freundschaft und Schmerz. Leicht sprang die Stimme an, ohne übermäßigen, hörbaren Krafteinsatz füllte sie den Raum des Nationaltheaters und begeisterte nicht nur die weiblichen Kaufmann Fans.

Anja Harteros konnte ich längere Zeit nicht auf der Bühne erleben. Sie ist sehr schmal geworden, aber immer eine alleine schon durch ihre Größe imposante Bühnenerscheinung. Ihre Stimme hat noch an Volumen gewonnen, beinhaltet dennoch eine unendliche Palette von Zwischentönen; als Beispiel sei nur das unvergleichliche Piano im Duett mit Carlo die letzten Akt genannt. Eine Königin auf der Bühne, die uns in München oft und lange erhalten bleiben möge. Mein absoluter Nummer Eins Sopran.

Großes Theater also zwischen diesen drei Stimmgiganten und Sängerdarstellern, mit dem die übrige Besetzung nicht ganz mithalten konnte. Anna Smirnova (Eboli) wie auch Boaz Daniel (Posa) kannte ich schon aus der Berliner Inszenierung des Don Carlo im letzten Herbst. Sie bestätigten beide meine damalige Einschätzung. Anna Smirnova hat einen voluminösen Mezzo, nicht ganz so beweglich wie es wünschenswert wäre. Darstellerisch ist sie etwas muttihaft. Ähnlich hölzern bewegt sich Boaz Daniel, als Posa eingesprungen für Mariusz Kwieczien, der mittlerweile auch die restlichen Vorstellungen dieser Serie krankheitsbedingt abgesagt hat. Stimmlich boten beide gute Leistungen. Noch immer beeindruckt bin ich von Steven Humes’ markantem Mönch und auch gegen Eric Halfvarsons verschlagenem Großinquisitor gibt es keine Einwände. Wunderschön homogene Tongebung zeichnete die flandrischen Deputierten aus, die dafür sofort in Fesseln gelegt wurden. Strafe für zu schönes Singen.

Der Chor, letztens von mir hochgelobt, hatte wieder einige Wackler, die ich dem Chor nicht zuschreiben möchte. Asher Fischs Dirigat war solide, nicht ganz so souverän wie es wünschenswert gewesen wäre: Den üppigen Verdi-Klang des Staatsorchesters beeinträchtigte dies nicht, ließ aber doch einige Koordinationsprobleme hörbar werden. Kleine Schlieren in der Don Carlo Wundertüte.

Vorhang nach Autodafé

Vorfreude

Januar 15, 2012

Heute geht es los.
DON CARLO @ Bayerische Staatsoper

Gespielt wird eine fünfaktige Fassung in italienischer Sprache, basierend auf Verdis Revision der Fassung für Modena 1886. Zubin Mehta eröffnete mit dieser Inszenierung die Münchener Opernfestspiele am 1. Juli 2000.

Besetzung am 15.Januar 2012

Musikalische Leitung Asher Fisch
Inszenierung, Bühne, Kostüme und Lichtkonzept Jürgen Rose
Mitarbeit Inszenierung Franziska Severin
Licht Michael Bauer
Chöre Sören Eckhoff

Philipp II, König von Spanien René Pape
Don Carlos, Infant von Spanien Jonas Kaufmann
Rodrigo, Marquis de Posa Boaz Daniel
Der Großinquistor Eric Halfvarson
Ein Mönch Steven Humes
Elisabeth von Valois Anja Harteros
Die Prinzessin Eboli Anna Smirnova
Tebaldo, Page Elisabeths Laura Tatulescu
Der Graf von Lerma Francesco Petrozzi
Stimme vom Himmel Evgeniya Sotnikova
Flandrische Deputierte Tim Kuypers
Goran Jurić
Levente Molnár
Peter Mazalán
Christoph Stephinger
Rüdiger Trebes

Bayerisches Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

Thomas Quasthoff

Januar 11, 2012

Irgendwie hat es nie geklappt. Nun hätte es klappen können, denn ich bin glückliche Inhaberin einer Eintrittskarte für Thomas Quasthoffs Liederabend im Nationaltheater München Anfang Februar. Leider wird das nun nichts mehr mit uns beiden live in concert. Thomas Quasthoff hat seinen Rückzug von der Konzertbühne heute bekanntgegeben. Sehr schade. Aber wat mut, dat mut. Alles Gute, Thomas Quasthoff!


MeisterSänger


MeisterSchüler


MeisterLehrer

Bayerische Staatsoper: Die Zauberflöte

Januar 8, 2012

Drei Damen (Laura Tatulescu, Angela Brower, Okka von der Damerau), Papageno Christian Gerhaher, Daniel Behle (Tamino)/ Foto c Bay. Staatsoper

Aufführung am 29. Dezember 2011

Erika Miklósa (Königin der Nacht), Daniel Behle (Tamino) Foto c Bay.Staatsoper

Georg Zeppenfeld (Sarastro), Julia Kleiter (Pamina) / Foto c Bay. Staatsoper

Musikalische Leitung Asher Fisch
Inszenierung August Everding
Neueinstudierung Helmut Lehberger
Bühne und Kostüme Jürgen Rose
Licht Michael Bauer
Choreographische Mitarbeit Beate Vollack
Chöre Sören Eckhoff

Sarastro Georg Zeppenfeld
Tamino Daniel Behle
Sprecher Diogenes Randes
Königin der Nacht Erika Miklósa
Pamina Julia Kleiter
Erste Dame Laura Tatulescu
Zweite Dame Angela Brower
Dritte Dame Okka von der Damerau
Drei Knaben Tölzer Knabenchor
Papageno Christian Gerhaher
Papagena Iulia Maria Dan
Monostatos Kevin Conners
Erster Geharnischter / Zweiter Priester Kenneth Roberson
Zweiter Geharnischter / Dritter Priester Christoph Stephinger
Erster Priester Alfred Kuhn
Vierter Priester Rüdiger Trebes
Drei Sklaven Markus Baumeister
Walter von Hauff
Philipp Moschitz
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

Alle Jahre wieder und oftmals sogar schön – Zauberflöte zur Weihnachtszeit in der Bayerischen Staatsoper. August Everdings Inszenierung der Zauberflöte hatte am 30. Oktober 1978 Premiere. Sie ist quasi sein Vermächtnis an die Bayerische Staatsoper. Im Gegensatz zu anderen ebenfalls etwas älteren, „schön“ anzusehenden Inszenierungen, die noch gezeigt werden, ist diese alterslos und hat ihren romantischen Zauber nicht eingebüßt. 2004 wurde sie neu einstudiert, Kulissen und Kostüme unter Mitwirkung von Jürgen Rose erneuert und instandgesetzt. Vielleicht hält sie nochmal 25 Jahre.

Opernbesuche „zwischen den Jahren“ und an den Weihnachtsfeiertagen meide ich in letzter Zeit. Steht die Zauberflöte auf dem Programm stehe ich immer vor der schweren Entscheidung, ob der zu erwartende Genuss das Ärgernis der schwätzenden, maßregelnden, erklärenden Omas/Tanten/Mütter überwiegen wird. Angesichts der fabelhaften Besetzung in diesem Jahr ging ich das Risoko ein, und siehe da, die Kinder benahmen sich tadellos (wie meistens ohne Erwachsene). Dafür wurde mit Hingebung gehustet; offenbar gibt es keine Taschentücher mehr auf dieser Welt. Sonst gab es nicht zu meckern an diesem Opernabend.

Besonders gespannt war ich auf Christian Gerhahers Papageno. Irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, daß er in diese Rolle schlüpfen könnte, so ernsthaft und seriös, wie er immer daherkommt oder wie ich das zumindest empfinde. Natürlich habe ich seinen Salzburger Papageno gesehen … trotzdem. Er kam als eher schüchterner Naturbursche, schaute mit großen Augen in die reale Welt und sang Papageno in seiner Auftrittsarie mit einer Stimme, die wie ein sanfter Wind durch die Blätter der Bäume wehte. Im Verlauf des Abends sah ich keinen vorlauten Draufgänger-Papageno, sondern einen zögernden, geradezu ängstlichen, neugierigen Waldmenschen, der auslotet, was geht draußen in der Welt. Musikalisch gestaltete Gerhaher die Partie liedhaft, manchmal gegensätzlich zur Darstellung. Ich fand ihn hinreissend.

Daniel Behle debütierte in München als Tamino, hochgelobt im Vorfeld. Seine Besetzung war sehr passend; etwas steif wirkte er vielleicht auf der Bühne, aber so ist dieser Tamino wohl auch angelegt. Sein lyrischer Tenor klingt etwas weiß für meinen Geschmack, dafür scheppert die Stimme aber nicht. Mit Julia Kleiter hatte man für Pamina eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Ich glaube, auch sie debütierte in dieser Rolle in München. Warm klingt ihr lyrischer Sopran und ohne Schärfe. Königin der Nacht war in diesem Jahr wieder Erika Miklósa, die sich nicht hervortat unter ihren Sängerkollegen, aber vor allem eine sehr solide 2. Arie sang. Sehr angenehm überrascht war ich von Sarastro und Georg Zeppenfelds sowohl darstellerischer wie stimmlicher Präsenz.

Präzise geprobt hatten nicht nur die drei Damen sondern auch die übrigen Künstler aus dem Hausensemble und die Tölzer Knaben. Asher Fischs Dirigat fand ich solide, wenig spektakulär, das Orchester ausgezeichnet.

Sie lebe noch lange, August Everdings zauberhafte Zauberflöte (mit Text von Schikaneder und Musik von Mozart)!

Best of 2011 – Voices

Januar 2, 2012

Das Nonplusultra für einen Opernfan ist eine Jahrhundertinszenierung mit Jahrhundertsängern und dem besten aller Maestri. Geht aber nicht immer und vor allem nicht auf Bestellung. Ich habe schon beschrieben, welche Aufführungen mir in diesem Jahr unter musiktheatralischen Aspekten besonders haften geblieben sind. Was aber wäre Oper ohne Stimmen, ohne Sänger mit unverwechselbaren, kultivierten, farbenreichen, technisch versierten, virtuosen, gesunden Stimmen! Sie können eine mittelmässige Produktion mittels ihrer Fähigkeit, Gefühle und Stimmungen zu transportieren, zu bleibenden Erinnerungen machen.

Ich erzähle aus meiner Erinnerung rückwärts.

Alte Bekannte, in aller Munde

René Pape, personifizierte Versuchung als Méfistophélès (Met), ist ein solcher Sänger. Ich erlebte ihn auch bei den Münchener Opernfestspielen mit einem derzeit vermutlich unerreichbaren König Marke.

Jonas Kaufmanns wehmütiger Faust, eigentlich ein männliches Scheusal, das Marguerite mit einem ledigen Kind sitzen lässt, fand ich ausgezeichnet. Spektakulär war sein Siegmund Debüt an der Met, das ich ebenfalls erleben konnte. Als Don José lieferte er im Februar 2011 wieder eine beispielhafte Interpretation an der Bayerischen Staatsoper. Als berührenden Werther erlebte ich ihn Anfang des Jahres an der Wiener Staatsoper.

Anna Netrebko überraschte mich als Donna Anna in Zürich, nicht nur wegen ihrer wandelbaren, großen, weichtimbrierten Stimme, sondern mit der Seriosität und Kollegialität, mit der sie sich sichtbar in das Ensemble einfügte. Ihre in Salzburg konzertant gegebene Iolanta war ein beeindruckendes Erlebnis. Beide Rollen finde ich Paradebeispiele für typgerechtes Repertoire.

Angela Denoke erlebte ich als Kundry (BSO und Hamburg), als Emilia Marty (Salzburg), als Isolde im Konzert beim Symphonieorchester des BR unter Daniele Gatti – überzeugend und professionel in allem, das sie tut.

Evelyn Herlitzius’ Darstellung der Färberin in der Salzburger FroSch war nichts weniger als atemberaubend. Unglaublich, welche schauspielerische Explosivität und welches Stimmvolumen in der zierlichen Person steckt, die in dieser Aufführung ihre Stimme, die gerne auch mal überschäumt vor Temperament, grandios kontrollierte.

Rolando Villazón war ein Bilderbuch-Hoffmann in der Richard Jones Neuinszenierung von Les Contes d‘Hoffmann in München, präsent und hochaktiv wie eh und je, vokal zurück ins Leben. Welche Freude.

Christian Gerhaher, grandios und unvergesslich im Salzburger Konzert „Das Lied von der Erde“ für Klavier, Tenor und Bariton, als melancholischer Wolfram im Tannhäuser und als linkischer Papageno (Dez) an der Bayerischen Staatsoper ist eine Sängerklasse für sich nach meiner Einschätzung.

Piotr Beczala
sang zusammen mit Christian Gerhaher im einzigartigen „Das Lied von der Erde“, veredelte die Rusalka der Münchner Opernfestspiele, sein Sänger im wiederbelebten Alt-Rosenkavalier war Luxus pur. Auch in Zürich konnte ich Beczala in großer Form erleben, als Riccardo (Gustav).

Luxus pur ist Anja Harteros Stimme. Ihre Interpretation und Rollendebüt als Marschallin an der Bayerischen Staatsoper dürfte für längere Zeit stilbildend sein. 2011 habe ich Anja Harteros leider nur in dieser Rolle sehen können.

Nina Stemme konnte ich zweimal erleben, in Zürich als Elisabeth in Harry Kupfers Tannhäuser (Ingo Metzmacher) und als Isolde zu den Festspielen in München, exemplarisch gut in beiden Rollen.

Gleiches kann ich von Peter Seiffert sagen, Tannhäuser in jener Zürcher Inszenierung und in der Rolle derzeit vermutlich unübertrefflich. Gut gefiel er mir übrigens auch als Tristan an der Deutschen Oper Berlin neben seiner Frau, Petra Maria Schnitzer, als Isolde. Aber auch über den im Dezember 2011 in München gegebenen Florestan ist nur positives zu vermelden.

"Meine" ganz persönlichen Entdeckungen 2011

Brandon Jovanovich kam, sah und überzeugte als Don José zur Saisoneröffnung der Bayerischen Staatsoper.

Stuart Skeltons überzeugende Parsifal –Interpretation erwähnt ich bereits im Best-of-Opera-Post, er gehört unbedingt auch hierher. Ich fand (nicht nur) ihn so gut, daß ich mir die Inszenierung in Zürich gleich zweimal gönnte. Beide Male 1. Klasse.

Michael Nagy hinterliess als Marcello (eingesprungen im Dez. 11 im Nationaltheater München) einen blendenden Eindruck. Im Herbst erlebte ich ihn schon mit Mahler-Liedern im Konzert beim Symphonieorchester des BR unter Daniele Gatti.

Nach Lawrence Brownlees kraftvoll-charmantem Tonio in La Fille du Régiment an der Met im Dezember 2011 freue ich mich auf seinen für München geplanten Don Ramiro in La Cenerentola im Sommer, eine Rolle die mir genau richtig zu sein scheint.

Angela Brower, Nicklausse/Muse in Le Contes d’Hofmann (BSO) mit frischem, kräftigen Mezzo, verfügt über gute Technik, schöne Phrasierung und warme Tongebung.

Ich hörte noch viel noch mehr gute Stimmen in meinem Opernjahr. Manche meiner bevorzugten Sänger(innen) finden sich noch nicht einmal in dieser meiner Aufstellung, in der ich nur mich entweder gleich wegfegende oder zumindest sehr haften gebliebene Erlebnisse wiedergegeben habe.

Best of 2011 – Opera

Januar 1, 2012

Angeregt durch die Rückschauen einiger „blogging“ Kollegen auf das Opernjahr 2011 machte ich mich daran, mein ganz persönliches Opernjahr Revue passieren zu lassen. Mein Grundgefühl war dabei, daß ich überwiegend Durchschnittliches konsumiert hatte mit wenigen guten bis herausragenden Aufführungen. Bei genauerer Betrachtung kam ich allerdings zu der überraschenden Erkenntnis, daß der Anteil der bemerkenswert guten Aufführungen so gering gar nicht gewesen war.

Einiges wird mir unvergesslich bleiben, aus durchaus unterschiedlichen Gründen. Ausschlaggebend kann eine besonders gut gelungene Produktion gewesen sein, ein besonderes musikalisches Erlebnis, vielleicht sogar beides und manchmal lehrt einen so ein Abend auch etwas, erweitert den Horizont, läßt es klicken im Kopf oder sonst wo.

Wiener Philharmoniker von meinem Platz vor "Die Frau ohne Schatten"

„Die Frau ohne Schatten“ (Salzburger Festspiele August 2011) war so ein „Klick“ Erlebnis für mich. Mit Richard Strauss als Opernkomponist tat (und tue) ich mich schwer. Ganz vorne im Parkett des Großen Festspielhauses sitzend, schlug mich die von Christian Thielemann geleitete Aufführung vom ersten Ton an in Bann. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, Strauss‘ Musik zu verstehen, sie ohne viel zu denken in Übereinklang bringen zu können mit der Handlung auf der Bühne. Ich denke, daß ich diesen „Klick“ Christian Thielemann und den Wiener Philharmoniker zu danken habe. Wunderbare Sänger kamen zum Einsatz ( Eva-Maria Westbroek, Evelyn Herlitzius, Michaela Schuster, Stephen Gould, Wolfgang Koch). Christof Loys Regiekonzept, die Oper als Plattenaufnahme in dem als Tonstudio dienenden Wiener Sophiensaal spielen zu lassen (Bühne Johannes Leiacker), ist zwar nicht revolutionär, aber gut. Ohne Zögern nenne ich „Die Frau ohne Schatten“ als mein beeindruckendstes Opernerlebnis 2011.

Salzburg 2011

Eine Erfahrung, die sich vielleicht nicht mehr wiederholen wird, brachte mir der Festspielsommer 2011 in Salzburg. Die Kombination herausragender Opernproduktionen unterschiedlichsten Stils (Die Sache Makropulos (Marthaler), Die Frau ohne Schatten (Loy), Macbeth (Stein)) mit Konzerten (Das Lied von der Erde (Gerhaher/Beczala), Stabat Mater (Pappano), Verdi-Requiem (Muti)) und konzertanten Opern (Le Rossignol/Iolanta (Bolton/Netrebko/Beczala) war ein genialer Streich des Interimsintendanten Markus Hinterhäuser, an dem sich zukünftige Programme der Festspiele kaum messen lassen können. Und was ich vorher beschrieb, war nur ein Teil dessen, was ich erlebte und ein Bruchteil dessen, was 2011 angeboten wurde.

Von „Parsifal“ erlebte ich in 2011 gleich mehrere Inszenierungen, mehr zufällig eigentlich.
Im April 2011 liess ich mir Peter Konwitschnys Parsifal Deutung an der Bayerischen Staatsoper natürlich nicht entgehen, in der die wunderbare Angela Denoke Kundry verkörperte, ein besonderes Erlebnis ebenso wie Kwangchul Youn als Gurnemanz, Michael Volle als Amfortas und Nikolai Schukoff in der Titelrolle. Kent Nagano stand am Pult des Bayerischen Staatsorchesters.

Gleich zweimal war ich wegen Parsifal in Zürich, wohin Claus Guths Inszenierung übernommen wurde und wo ich Daniele Gattis eher langsame Tempi schätzen lernte, die so spannungslos nämlich nicht sind. Neben der in sich schlüssigen Interpretation des Regisseurs beeindruckten vor allem die eindringlichen Rollenporträts der Sänger in stimmlicher wie darstellerischer Hinsicht gleichermassen. Besetzung: Egils Silin (Titurel), Matti Salminen (Gurnemanz), Pavel Daniluk (Klingsor), Stuart Skelton (Parsifal), Thomas Hampson (Amfortas), Yvonne Naef (Kundry). Eine ganz persönliche Entdeckung war Stuart Skelton, dessen junger, strahlend kräftiger Tenor einiges für die Zukunft erwarten läßt.

Aller guten Dinge sind drei und so sah ich also im August 2011 in Bayreuth Stefan Herheims Parsifal ein weiteres Mal. Besonders auffallend erschien mir in diesem Jahr die perfekte Übereinstimmung der überwältigenden Bilderflut und mehrfachen Deutungsebenen der Bühne mit der geruhsamen musikalischen Umsetzung Daniele Gattis. Daß in Bayreuth nicht auf allen Positionen die Sänger auftreten, die Bayreuth eigentlich verdient, möchte ich erwähnen, tut aber der Bedeutung dieser Produktion keinen Abbruch. Der Sänger des Gurnemanz gehört natürlich ausdrücklich nicht zu dieser Kategorie. Kwangchul Youn ist ein Glücksfall für Bayreuth, ein Ausnahme-Gurnemanz.

Im Januar 2011 erlebte ich gleich zweimal Ben Heppner in der Titelrolle als Lohengrin und Elza von den Heever als Elsa in der umstrittenen Richard Jones Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper, die so umstritten bei mir gar nicht ist. Gelegentlich vermisse ich sogar in anderen Inszenierungen anderer Häuser die rennenden Trümmerfrauen mit ihren Schubkarren. Auch hier stand Kent Nagano am Pult, ein Maestro, dem ich für den Fortschrit meiner Annäherung an Richard Wagner einiges danke. Mir blieb neben Konwitschnys musikalischer Inszenierung die Erinnerung an Elza van den Heevers leuchtende Elsa und an Heppners bewegende Darstellung Lohengrins und seiner noch immer beeindruckenden vokalen Umsetzung.

Tristan und Isolde sah ich 2011 in Bayreuth, ein Erlebnis, an das ich mich wegen der öden Inszenierung und einer unterirdischen Isolde nicht gerne erinnere. Umso lieber erinnere ich mich an Tristan und Isolde (wieder mal eine Konwitschny Inszenierung), die den Abschluß der Münchener Opernfestspiele im Juli krönten. Mit René Pape (Marke), Ben Heppner (Tristan), Nina Stemme (Isolde), Ekaterina Gubanova (Brangäne), Alan Held (Kurwenal) waren ein großartiges Ensemble aufgeboten, die mit dem Bayerischen Staatsorchester unter Kent Nagano das Haus in Bann schlugen. Natürlich war René Pape imposanter Marke ein wahrer Stimmkönig, König der Herzen jedoch war Ben Heppners Tristan.

Im April 2011 zog es mich nach New York. Als ich meine Karte für Die Walküre bestellte, wußte ich natürlich nicht, was produktionsmäßig erwarten würde. Zwar hatte die Met für „The machine“ kräftig die PR-Trommel gerührt, das Ergebnis – mir vorher bekannt – hätte mich von einem Besuch vermutlich abgehalten. Dann allerdings wäre ich nicht in den Genuss von Bryn Terfels herausragendem Wotan gekommen, der mich zu Tränen rührte, hätte Jonas Kaufmanns Sigmund Debüt versäumt, Eva-Maria Westbroek exzellenter Sieglinde, hätte weder Stephanie Blythe noch Deborah Voigt an der deutschen Sprache scheitern hören (gesungen haben sie allerdings ordentlich). Und ich hätte Maestro James Levine nicht erlebt, der zum letzten Mal vor seiner längeren Erkrankung am Pult des Orchesters der Metropolitan Opera stand.

Eine weitere kurze Reise verschlug mich im Juni 2011 nach Amsterdam, wo ich einen von Mariss Jansons seltenen Ausflüge in eine szenische Opernproduktion erlebte. Mit dem Concertgebouw Orkest gestaltete er an De Nederlandse Opera Eugen Onegin, eine aufregende Produktion von Stefan Herheim. Die Titelrolle sang Bo Skovhus; Tatjana war Krassimira Stoyanova. Mariss Jansons führte zuvor Eugen Onegin mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks konzertant im Herkulessaal auf mit fast identischer Besetzung, so daß ich in etwa wußte, was musikalisch zu erwarten war. Die Umsetzung im Zusammenspiel mit der Bühne in Amsterdam war dann doch eines meiner Ausnahmeerlebnisse im Jahr 2011.

Zunächst hatte ich den kürzlich an der Met erlebten Faust nicht auf dem Plan meiner „Best of“ for 2011. Zu sinnentleert fand ich die nicht zu Ende gedachte Inszenierung. Allerdings kann ich meinen überwiegend positiven Eindruck nicht nur auf künstlerische Einzelleistungen zurückführen. Unter der inspirierten Leitung von Yannick Nézet-Séguin erblühte ein musikalisches Juwel, und vor allem René Pape gelang mit Méphistophélès umwerfende darstellerische und gesangliche Meisterleistung, die zumindest darstellerisch nicht nur auf des Sängers Mist gewachsen sein kann. Gleiches gilt für Jonas Kaufmann in der Titelrolle und die Behandlung des Chores. Hinsichtlich der Personenregie gelten also meine Vorbehalte gegen diese Inszenierung nicht.

Beim Zusammenfassen meiner denkwürdigen und bemerkenswerten Opernerlebnisse 2011 fällt mir auf, wie sehr mein musikalischer Geschmack im Wandel begriffen ist, etwas das ich bei Gelegenheit gerne näher untersuchen würde. Ich würde gerne herausfinden, ob meine derzeitige Wagnerlastigkeit Zufall ist.

Leipzig und Peter Konwitschny

Dezember 28, 2011

„Aus“ überschrieb die Süddeutsche Zeitung die kurze Meldung über Peter Konwitschnys Demission zum Jahresende als Chefregisseur der Oper Leipzig schon vor drei Tagen, während der Blätterwald das veröffentlichte Bedauern des Intendanten Ulf Schirmer nachdruckt. Heute hat Konwitschny im MDR nun klargestellt, daß sein Rückzug unter anderem aus Gründen der künstlerischen Unvereinbarkeit in Sachen Regieführung mit dem Intendanten erfolgt.

Auch unter seinen Anhängern ist Konwitschnys Position in Leipzig nicht unumstritten. Öfter wurde die Vermutung laut, dort würde zu Lebzeiten ein Museum seiner Inszenierungen eingerichtet und zuwenig Neues geschaffen. Ich selbst habe häufig wie manch andere(r) die Gelegenheit benutzt, mir in Leipzig Konwitschny Inszenierungen anzuschauen, die ich anderswo nicht sehen konnte, z.B. in Graz oder in Hamburg und fand es immer besonders anregend, daß Herr Konwitschny, so er in Leipzig anwesend war, selbst Stückeinführungen und Publikumsgespräche übernommen hatte. So etwas gibt es eben nur bei der Bindung an ein Haus. Bei aller Wertschätzung der musikalischen Kompetenz des Herrn Ulf Schirmer nehme ich an, waches Theater wird demnächst anderswo stattfinden, wenn überhaupt, und für die Oper Leipzig geht es wieder ab in die Provinz, zumindest ein, zwei Schritte.

Eine Rückschau auf Peter Konwitschnys bisheriges Regieschaffen veröffentlichte Musik in Dresden anläßlich der Rücktrittsmeldung.

Happy Holiday

Dezember 27, 2011

Now that I’ve finally found the wonderful christmas tree of the Met with it’s working little train on my camera, I want to dedicate the foto to all friends of opera and other music out there in the world and send them my best wishes for now and 2012.

Met christmas tree at day light

Pasta alla Casa Rossignol

Dezember 27, 2011

Tagliatelle mittel


Zutaten für 450 gr Pasta-Teig
300 gr Pastamehl (Durumweizen)
1 Prise Meersalz
3 Eier
1 EL Olivenöl

Kleine Teiglaibe vor dem ersten Walzendurchgang

Nach dem dritten Durchgang

Mehl, Salz und Eier mit einer Gabel in einer Schüssel verrühren, die Eier mit der Gabel einarbeiten, Olivenöl zugeben. Jetzt mit der Hand kneten, dabei jedesmal um 90 Grad drehen. Solange kneten, bis der Teig sehr glatt ist. Den Teig 20 Minuten in Klarsichtfolie ruhen lassen. Dann in kleine längliche Stücke ausrollen für die Formung in der Nudelmaschine.

Vierter Durchgang

Bei Bedarf die Teigstreifen mit etwas Mehl bestreuen. Bei mir was das jedoch nicht erforderlich, was an mehreren Faktoren liegen kann wie Eiergröße und Mehlqualität. Ist der Teig zu fest, etwas kaltes Wasser zufügen.

Sollten die geschnittenen Nudeln nicht sofort verwendet werden, müssen sie ausgebreitet werden, damit die angetrockneten Pastanester beim Kochen nicht zusammenklumpen. Mit einem Küchentuch bis zur Verwendung abdecken. Wenn die langen Teigstreifen zu unhandlich werden, einmal durchschneiden und dann weiterverarbeiten.

Sechster Durchgang - fertig

Tagliatelle fein

Doch wozu dieser Aufwand?
Für ein feines Sahnesößchen und dieses noch feinere Knöllchen.

Metropolitan Opera – La Fille du Régiment

Dezember 25, 2011

Mein zweiter Opernabend an der Met in diesem Dezember erwies sich als besonderer Spass, was ich von vorneherein nicht unbedingt vermutete, gehören doch „komische“ Opern nicht unbedingt zu dem von mir bevorzugten Repertoire. Gaetano Donizettis „La Fille du Régiment“ war mir mit Ausnahme der Prunkarie für Tenöre bisher unbekannt.

Soldaten des 21. französischen Regimentes unter ihrem Kommandaten Sergeat Sulpice ziehen durch die Tiroler Alpen. Mit ihnen reist Marie, die „Tochter“ des Regimentes, von den Soldaten als Kind gefunden und seither aufgezogen. Marie ist allerdings mehr Maskottchen und Wirtschafterin des Regimentes. Marie hat sich in einen Tiroler Burschen verliebt, Tonio, der ihr das Leben gerettet hat. Heiraten darf sie den Feind allerdings nicht, sondern nur ein Mitglied des Regimentes, weswegen Tonio in das Regiment eintritt. Die Marquise von Berkenfield stößt auf dem Weg nach Österreich zu dem Regiment und lernt Marie kennen. Dabei stellt sich heraus, daß sie Maries Tante und Marie die auf einem Schlachtfeld verlorene Tochter ihrer Schwester ist. Die Marquise ist über Maries Manieren entsetzt und nimmt sie mit sich auf ihr Schloss, um ihr eine angemessene Erziehung zu verpassen.

Die Marquise von Berkenfield will Marie an den Neffen der Duchesse von Krackentorp verkuppeln. Beim Absingen artiger Lieder während ihre Gesangsunterrichtes verfällt Marie immer wieder in den Jargon und die Hymne ihrer Soldatenväter. Die lassen Marie nicht kampflos verkuppeln und rücken mit Tonio im Schloss ein. Dabei kommt heraus, daß die Marquise nicht Maries Tante sondern ihre Mutter ist, die ihr uneheliches Kind aus Angst vor Schande ausgesetzt hatte. Marie will den ungeliebten Neffen der Duchesse dennoch heiraten, was die Soldaten des Regimentes aber nicht zulassen. Voller Dankbarkeit beschreibt Marie ihre Kindheit bei den „Vätern“ des Regimentes. Die Hochzeitsgesellschaft ist mehr als pikiert über die Vergangenheit der Braut, die Marquise jedoch stimmt Maries Heirat mit Tonio zu. Mit “Salut à la France” endet das Drama.

Laurent Pellys Produktion hat ja nun wirklich schon die Welt gesehen, ehe ich endlich dran kam; London, Wien, San Francisco und auf DVD ist sie auch zu haben. Sie verlangt den Sängern während des Singens präzisestes Spiel und geradezu akrobatische Arbeit ab. Wie alles, was ich bisher an der Met sah, war auch diese Produktion perfekt geprobt. Sehenswert das genial einfache Bühnenbild, das durch eine Gebirgslandschaft aus Landkarten gebildet wird.

Diese Oper beinhaltet Rollen für zwei schrullige adlige Damen, die man genial besetzt hatte. Ann Murray gab die scheinheilige Marquise von Berkenfield. Ihre Stimme ist in bemerkenswert guter Verfassung;ihre äußere Erscheinung und ihr komisches Talent sind ideal für die Darstellung der Marquise. Ann Murray war übrigens in den achtziger Jahren (des vorigen Jahrhunderts) mein allererster Cherubino in München, wohin sie als Giulio Cesare, Xerxes und Ariodante zurückkehrte. Als Duchesse von Krackentorp agierte Kiri Te Kanawa, die ich nie vorher auf der Bühne erleben konnte, umwerfend komisch, vor allem im Zusammenspiel mit der Melodie der 2. Violine zu Anfang des zweiten Aktes.


Lawrence Brownlee entledigte sich mit Bravour der Herausforderung des „Ah mes amis …Pour mon âme“, beschränkte sich allerdings keineswegs auf das Herausschmettern der hohen Cs. Seine Stimme ist kräftig, sehr schön timbriert, eher dunkel als metallisch hell, mit sich durchaus mühelos anhörenden Höhen. Seine Diktion fand ich gut und spielfreudig ist er auch. Ich freue mich auf weitere Begegnungen. Noch schöner als den Tenorschlager im ersten Akt fand ich „Pour me rapprocher“, innig gesungen und mit einem D gekrönt. Ohr, was willst du mehr?!

Nino Machaidze gefiel mir als Marie am besten von den Rollen, in denen ich sie bisher erlebte (Adina und Giullietta). Ihre darstellerischen Qualitäten sind unbestritten. In der Rolle der Marie verlieren sich die gelegentlichen Höhenschärfen in der Rasanz des Ablaufes. Was sie hier ablieferte, war absolut erfreulich, auch für meine gelegentlich überkritischen Ohren.

Gewohnt spielfreudig war Maurizio Muraro als Sulpice, eine Idealbesetzung für derartige Donizetti Rollen, für die seine Stimme unvergleichlich gut passt. Präzise, witzig und gut aufgelegt sang der Chor der Metropolitan Opera.

Yves Abel ließ dem fabelhaften Orchester mehr Freilauf als daß er es zügelte. Was herauskam, war hörenswert und trug maßgeblich zu dem beschwingten Gefühl bei, mit dem ich den kurzen Fußweg zu meinem Hotel antrat.

Die Besetzung am 12. Dezember 2012
Conductor: Yves Abel
Marie: Nino Machaidze
Marquise of Berkenfield: Ann Murray
Duchess of Krakenthorp: Kiri Te Kanawa
Tonio: Lawrence Brownlee
Sulpice: Maurizio Muraro

Leading Team
Production: Laurent Pelly
Set Designer: Chantal Thomas
Costume Designer: Laurent Pelly
Lighting Designer: Joël Adam
Choreographer: Laura Scozzi

Frohe Weihnachten

Dezember 24, 2011

Allen regelmäßigen und zufälligen Besuchern meines Weblogs ein Schönes Fest. „The blessings will come once you are ready“ oder so ähnlich (sinngemäß geguttenbergt).

Staten Island Ferry – 2 x Hin und Zurück bitte

Dezember 24, 2011

Der aussergewöhnlich sonnige Dezember-Tag verleidete mich dazu, die Rundfahrt mit der Fähre nach Staten Island gleich zwei Mal (hintereinander) zu machen, zumal nur sehr wenige Fahrgäste an Bord gingen. Wer fährt schon Fähre, wenn die Stadt im Kaufrausch liegt. Meine Kollegen bestätigten mir Sonnenbräune im Gesicht nach meiner Rückkehr nach Deutschland.

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Bay. Staatsoper – La Bohème

Dezember 22, 2011

Szenenfoto (Café Momus) (c) Bay. Staatsoper


Nach längerem Zögern (irgendwann waren es einfach zu viele Bohèmes) gönnte ich mir eine vorweihnachtliche Vorstellung, deren Besetzung nach meiner nicht sehr sicheren Erinnerung ursprünglich ganz anders vorgesehen sein könnte, mit wem weiß ich allerdings nicht mehr.
Angetreten sind letztlich am 21. Dezember 2012:

Mimi Maria Agresta
Musetta Anna Virovlansky
Rodolfo Arturo Chacón-Cruz
Marcello Michael Nagy
Schaunard Simone Del Savio
Colline Goran Jurić
Parpignol Dean Power
Benoît Alfred Kuhn
Alcindoro Rüdiger Trebes
Ein Zöllner Tareq Nazmi
Sergeant der Zollwache Peter Mazalán

Keiner der mir weitgehend unbekannten Sänger der Hauptrollen enttäuschte. Ganz im Gegenteil. Maria Agrestas hat einen gut geführten, kräftigen Sopran, modulationsfähig genug, Mimis Verfall stimmlich darzustellen. Ihr Stimmtimbre harmonierte außerdem gut mit Arturo Chacón-Cruzs leicht baritonal gefärbtem Tenor, der sich im Lauf des Abends in eine Art Rausch sang und dessen Spiel mir auch sehr gut gefiel. Michael Nagy gab eine stimmliche Luxusversion von Marcello, fügte sich aber gut in das Ensemble ein. Seine Stimme hörte sich unglaublich groß an. Simone Del Savio als Schaunard und Goran Jurić Colline komplettierten das homogen auftretende Quartett der Freunde.
Besondere Erwähnung verdient Anna Virovlansky, mit der man endlich mal eine Musetta besetzt hatte, die spielen UND singen kann und keine Soubrette ist. Sie gefiel mir außerordentlich.

Gewohnt professionell präsentierten sich die Ensemblemitglieder der Bayerischen Staatsoper in den Neben- und Charakterrollen. Uneinheitlich der Chor. LB ist eben doch Mainstream-Repertoire.

Die musikalische Leitung oblag einmal wieder dem feschen Dan Ettinger mit dem gelben Haar, der den Abend zuerst etwas zu flott anging nach meinem Dafürhalten, dann aber zu einem sehr moderaten Tempo fand.

Für mich war das ein musikalisch und szenisch ein überaus gelungener Abend.

Kleine Bemerkung am Rande, vielleicht wird das jetzt ja eine neue Mode: Beim Öffnen des Vorhanges zum vierten Bild (An der Zollschranke), in dem es in Otto Schenks Inszenierung von 1969 so schön schneit und die Bäume so schön kahl sind, ging ein Raunen durch das animierte Publikum, das nur mit Mühe den Szenenbeifall unterdrückte.

Metropolitan Opera – Faust

Dezember 20, 2011

Mein New York Besuch im Frühjahr war zu kurz, und wollte gerne nochmal hin und damit auch nicht lange warten. Mit Met-Besuch(en) sollte der Trip möglichst auch verbunden werden. Was lag näher als den Dezember zu wählen, wo ich innerhalb weniger Tage ein Programm wählen könnte, daß mir auch hinsichtlich der Besetzung papiermäßig extrem zusagte. Der erste und der letzte von vier geplanten Opernbesuchen galt der Neuinszenierung von Gounods Faust. Ich meine gelesen zu haben, daß es sich dabei um eine Koproduktion mit der ENO handelte. Die Progamme der Met werden zwar kostenlos verteilt und sind damit diebstahlsicher, allerdings auch nicht übermässig aussagefähig.

Die an der Met gezeigte Version sieht Dr. Faust als Erfinder der Atombombe. Angesichts der Auswirkungen seines Lebenswerkes beschließt er, seinem Leben ein Ende zu setzen. Zynisch sind seine letzten Worte, die denn auch den Teufel auf den Plan rufen. Das Publikum lacht.

Faust jedoch verkauft nicht seine Seele an den Satan. Er hält im Moment des Todes Rückschau. Eine gute Idee eigentlich. Zuerst dachte ich, die Durchführung ist ganz schwach, denn der zeitliche Rahmen der Rückschau passt nicht (festgemacht an Kostümen und Ausstattung), und die Atombombenstory hat nach meinem Empfinden keinen Wert für den Ablauf. Im Nachhinein und beim zweiten Hinsehen bin ich etwas milder und interpretiere die Inkonsistenz des zeitlichen Ablaufes mit der Zeitlosigkeit der Faust-Geschichte. Die Atombombe hat allerdings noch immer keinen Mehrwert für mich.

Die Bühne ist karg. Laboratmosphäre mit Metallaufbauten, Einheitsbühnenbild mit Variationen. Vermutlich hat ohnehin jedermann die Kinoübertragung gesehen.

Interessanter für mich war eher der musikalische Teil, der szenische hat mich allerdings neben der genannten Bedenken weiter nicht gestört. Es gab übrigens kein Ballett in der Walpurgisnacht. Vollkommen fasziniert war ich vom Beginn an von der Umsetzung durch das Orchester der Metropolitan Opera unter Yannick Nézet-Séguin. Ich erlebte diesen jungen Maestro vor zwei Jahren zum ersten Mal bei einem Don Giovanni in Salzburg. Welch eine Entwicklung! Bitte mich nicht falsch zu verstehen; damals war er schon gut. Es gibt meines Wissens auch eine Aufzeichnung dieser Salzburger Inszenierung (Guth). Was er an der Met mit Faust ablieferte, ließ mich in der felsenfesten Überzeugung, er habe diese Partitur mit der Muttermilch aufgesogen, müsse also Franzose sein. Er ist Kanadier. Macht aber nichts, läßt im Gegenteil auf eine große Dirigentenzukunft hoffen. Denken Sie bei Gelegenheit an mich. Das Orchester folgte seinen Intentionen sensationell und entsprechend sinnlich war das Ergebnis. Ein großes, spannendes Erlebnis.

In einer ähnlichen Kategorie möchte ich den fabelhaften Chor der Met einreihen, Profis mit Gespür für den Moment und spürbarer Leidenschaft für ihre Arbeit. Auch nicht alltäglich.

Bei den Stimmen fange ich mal mit meiner Rezeption des Hauptdarstellers an. Meine Sitznachbarn hätten sich etwas mehr Power von Jonas Kaufmann gewünscht. Ich fand seine Darstellung angenehm zurückhaltend und in Übereinstimmung mit der Sicht der Produktion und vielleicht auch Kaufmanns eigener auf die Rolle des alten Faust rückblickend auf sein Leben, wohl wissend, daß die Zeit gestohlen/gekauft/geborgt ist. Dieser melancholische Aspekt zog sich durch den Abend, unterbrochen – natürlich – von den obligatorischen Spitzentönen, die ein Herr Tenor zu präsentieren hat. Ich hätte gerne auch Alagna gehört, der in dieser Aufführungsserie noch auftreten wird, war allerdings mit Kaufmanns zweiter Vorstellung ebenfalls hoch zufrieden.

Weniger angetan war ich von Marguerite, die von Marina Poplovskaya ansprechend dargestellt wurde. Ich finde, daß weder ihr Stimmtyp noch Erscheinungbild Marguerite gerecht wird. Sie machte keinen Fehler, traf alle Töne, Marguerite war sie nicht. Nicht für mich. Zu seelenlos die beiden Arien. Zu spröde. Keine Jungfrau. Kein erkennbares Opfer der Gesellschaft und Fausts.

Alles andere als eine Jungfrau war Satan René Pape. Daß er singen kann, durfte angenommen werden. Als Bewegungstalent sah ich ihn allerdings bisher eher nicht. Sein Méphistophélès ist eine auf den Punkt choreografierte Charaktisierung des teuflischen Strippenziehers, der keinen Moment daran zweifeln lässt, wer den Ablauf bestimmt. Dazu singt René Pape mit elegant-dämonischer Hinterlist, böse und verführerisch, hinreissend. Schwer, diesem Satan nicht zu verfallen. Eigentlich biste sofort fällig.

Ich hörte einen sehr klangschönen Valentin (Russell Braun), der auf meinem Platz (balcony) nicht ganz gut zu vernehmen war. Rollendeckend agierte auch Siebel (Michele Losier).

Fazit: Ein herausragendes Opernerlebnis wegen der mitreissenden orchestralen Umsetzung vor allem, aber auch wegen René Papes singulärer Leistung.

Produktionsteam
Production: Des McAnuff
Set Designer: Robert Brill
Costume Designer: Paul Tazewell
Lighting Designer: Peter Mumford
Choreographer: Kelly Devine
Video Designer: Sean Nieuwenhuis


Besetzung

Conductor: Yannick Nézet-Séguin
Marguerite: Marina Poplavskaya
Siébel: Michele Losier
Faust: Jonas Kaufmann
Valentin: Russell Braun
Méphistophélès: René Pape

Bilder (copyright me)

NYC East Harbour

Dezember 19, 2011
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