Oper Leipzig: La Bohème

Ich war gespannt auf die Wiederaufnahme von La Bohème, Peter Konwitschnys Inszenierung von 1991 für die Oper Leipzig, die ich bisher nicht kannte.

Es beginnt verdächtig poetisch. Die Dachkammer auf dem Montparnasse ist nicht mal eine angedeutete Kammer, sondern ein karger offener Raum über dem Lichtermeer des vorweihnachtlichen Paris. Dort leben die vier Freunde mehr schlecht als recht von ihren Künsten. Marcello, der Maler, zerstört sein Augftragswerk vom Roten Meer; Rodolfo, der Dichter, muss Zeitungsartikel schreiben, und schürt mit den Seiten seiner Dichtung das Feuer. Colline, der Philosoph, kehrt erfolglos vom Leihhaus zurück, wo er seine Bücher verpfänden wollte. Nur weil sich Schaunard als Musiker prostituierte und für einen reichen Engländer einen Papagei zu Tode gegeigt hatte, ist etwas Geld in die gemeinsame Kasse der vier Freunde gekommen, um Weihnachten zu feiern. Während die Freunde zum Café Momus abziehen, bittet die Nachbarin Mimi Rodolfo um Feuer für ihre Kerze und die beiden verlieben sich.

Im zweiten Bild, wieder ein offener Raum, kommt die Drehbühne zum Einsatz. Auf ihr wird das weihnachtliche Treiben vor dem Café Momus beinahe „traditionell“ dargestellt. Als Musetta ihren spektakulären Auftritt hat, wird das Geschehen fast in den Zuschauerraum verlegt. Zwischen Orchestergraben und Zuschauerraum befindet sich eine Art catwalk, auf dem sich Musetta bei ihrem Fehltritt dekorativ in Szene setzen kann; die Bühne rahmt quasi den Orchestergraben ein. Die explosive Beziehungslage zwischen Musetta und Marcello wird deutlich. Mimi und Rodolfo scheinen glücklich. Er führt sie als seine Muse bei den Freunden ein. Immer dann, wenn die diversen Paare agieren, halten Chor und Statisten auf der Drehbühne inne. Auch dieses Bild ist sehr stimmungsvoll.

Es schneit leicht, als Mimi in die triste Gegend bei der Zollschranke kommt, um Rodolfo zu suchen, der sie verlassen hat. Musetta erteilt angeblich Gesangsstunden in einem Wirtshaus, erzählt Marcello und er selbst würde die Fassade des Hauses bemalen. Natürlich ist das Wirtshaus ein Bordell und Musetta verdient sich damit das Geld für ihre Eskapaden. Rodolfo hat Mimi verlassen, weil er ihr Sterben nicht ertragen kann oder nicht ertragen will. Dafür hat er allerhand Ausflüchte: Mimi würde andere Männer anmachen oder er sei ihrer einfach überdrüssig. Als er Mimi vor dem Wirtshaus begegnet, die zufällig die beiden Männer belauschte und von ihrem drohenden Tod erfährt, wirkt der alte Zauber. Sie versöhnen sich für den Moment und wollen zusammen leben. Diese Idylle trügt.

Im letzten Bild ist die Bühne leer. Es schneit. Die Freunde scheinen ihre Wohnung verloren zu haben und leben im Freien, vielleicht in einem Park. Die Situation ist prekär. Als Musetta mit der geschwächten Mimi kommt, die ihren Geliebten nach einer erneuten Trennung wieder sehen möchte, dient ihr Pelzmantel als wärmende Unterlage für die sterbende Mimi. Selbst die Aufgabe des verbliebenen Eigentums der Freunde zur Rettung Mimis blieb vergeblich. Sie stirbt praktisch auf der Strasse. Eine gespenstische Situation.

Ich kann nicht genau erklären, warum ich diese Inszenierung für Konwitschnys konventionellste Arbeit halte, die ich bisher sah. Vielleicht liegt es daran, dass das 19. Jahrhundert noch nicht lange her ist und Beziehungsgeflechte der Art, in die die Figuren der Handlung verstrickt sind, heute nicht anders sind als damals. Es geht um Liebe, um Glück und letztlich geht es um Tod und wie Menschen sich mit Tod auseinandersetzen. Liebe, Menschlichkeit, Utopie – das Motto des Saisonprogrammes der Oper Leipzig. Liebe, Geduld, Rücksicht und Menschlichkeit kommen unserer Gesellschaft mit fortschreitender Globalisierung mehr und mehr abhanden. Nach Konwitschny ist es eine der Aufgaben des Theaters, den Menschen eine schönere bessere Welt vorzuspielen, die Utopie aufrecht zu erhalten.

Ich glaube, dass auch sog. Regietheatergegner mit dieser Inszenierung glücklich werden können, die nichts umdeutet, sondern den Blick auf den Inhalt des Stückes lenkt und weniger auf die vermeintlich romantische Idylle. Durch einen Kunstgriff der Regie erzwang Konwitschny lange Stille nach Ende des Stückes ehe der ungeteilte Beifall ausbrach. Vielleicht hatten tatsächlich viele verstanden, worauf es ankam.

Musikalisch war mein Glück auszuhalten.
Ausrine Stundyte litt an der Krankheit, mit der manche Mimis geschlagen sind, sie klang zu kräftig für die schwindsüchtige Mimi. Es gelang ihr allerdings, ihre Stimme im vierten Bild dem Ernst der Lage anzupassen. Auch scheinen Sängerinnen aus dem gesangsfreudigen Baltikum zum Forcieren zu neigen. Das tat nämlich auch Viktorija Kaminskaite als Musetta und erinnerte mich sehr an die überdrehte Donna Elvira in München. Vielleicht wollten die Damen aber auch nur dem Rodolfo Giuseppe Varanos Paroli bieten, der seine Arie im ersten Bild etwas zu sehr übertrieb (ja, man hat die Höhe zur Kenntnis genommen). Eigentlich eine sehr gute Gesangsleistung des Italieners, der sich allerdings beim Schlussapplaus unsympathisch in Szene setzte. Morgan Smith als Marcello war rollendeckend, ebenso Viktor Rud (Schaunard) und Roman Astakhov, der eine gute Mantelarie sang.
Sehr angetan war ich von dem Gewandhausorchester unter der aufmerksamen Leitung von Andreas Schüller, das neben der großen Linie durchaus schöne Details hören liess.

Wie Peter Konwitschny in der Einführungsveranstaltung wissen liess, wird er für die Folgeaufführungen mit den Sängern weiter intensiv arbeiten, um die Darstellung zu präzisieren. Erfreulicherweise stand er auch zum Publikumsgespräch nach der Aufführung lange zur Verfügung. Glückliches Leipzig!

In Leipzig ist es wie überall, wo man die eigenen Propheten nicht hört. Der Rang war fast leer. Dabei würde dem Publikum in der Oper wirklich Lohnendes geboten.

Add comment November 14, 2009

Eugen Onegin am 6. Oktober 2009

Ein schneller Besuch bei den Brokeback Cowboys, Lenski und Onegin im Nationaltheater. Ob es Zufall ist oder Absicht, daß die Onegin-Serie mit Michael Volle gleichzeitig mit dem Don Giovanni und Mariusz Kwiecien läuft? Wie dem auch sei. Michael Volle hat Glück gehabt, könnte man sagen, denn er hat derzeit etwas Mühe, mit den Höhen vor allem. Vielleicht war er am Freitag aber auch nicht ganz gesund.

Marius Brenciu war ein zu Beginn etwas scheppernder, aber dann sehr akzeptabler Lenski. Neu als Tatjana und am Nationaltheater ist Irina Mataeva, eine zierliche und sympathische Sängerin, die mir trotz kleiner Höhenschärfen ganz gut gefallen hat. Ausgezeichnet hat sich wiederum Steven Humes in den beiden Rollen als Fürst Gremin und Saretzki. Auch Elena Zilio als Filipjewna hörte sich gut an. Der klägliche Rest sang kläglich.

Die musikalische Leitung lag in den Händen von Dmitri Jurowski, der an Naganos Interpretation nicht ganz herankam, aber einen recht herzhaften Eugen Onegin musizieren liess.

Ein guter Abend mit Schrecksekunde bei Onegins vorletztem Ton.

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Marshall Plan

Nach meiner kürzlichen Reise nach Kenia stolperte ich über einen Forbes-Artikel, der sich mit einer Art modifizierten Marshallplans für Afrika beschäftigte. Ich musste über den Artikel schmunzeln, dessen Ansatz ich für sehr klug halte. Etwas Ähnliches (natürlich im Mikrobereich) hatte ich nämlich während meines letzten Besuches in Kenia in Angriff genommen.

Meine Reise galt natürlich nicht alleine der kleinen Achuchu, sondern auch zwei Jungs meines Boy House, die schon letztes Jahr ihre Reifeprüfung mit guten Leistungen abgeschlossen hatten, allerdings nach fast einem Jahr noch keinen Fuß in die Tür eines College gebracht hatten. Auch hatten die Zwei recht abgehobene Vorstellungen von dem, was an Kosten für eine Ausbildung, Unterbringung und der vielen zusätzlichen Ausgaben von einem Sponsor aufgebracht werden kann. Beide Jungs kenne ich schon mehrere Jahre und für beide war ich die erste weisse Person, der sie jemals die Hand gegeben hatten, wie sie mir jetzt erzählten. Ich glaube, das war im Jahr 2005. Beide sollten mich inzwischen gut genug kennen, um zu wissen, daß ich mich nicht als Wohltäterin verstehe, sondern Kindern oder Jugendlichen eine Ausbildung ermöglichen möchte, die ihnen eine gutes Auskommen verschafft und sie von fremder Hilfe unabhängig macht, sie im Gegenteil in die Lage versetzt, ihre eigene Familie oder andere zu unterstützen. Die Erfahrung hat mich inzwischen gelehrt, vermeintlich überzogenen Ansprüchen keine allzugroße Bedeutung zuzumessen, denn das Spenderverhalten, insbesondere das der Regierungen aber auch privater Wohltäter, erzeugt natürlich eine Nehmermentalität, die erstmal fordert, ohne sich zuerst und stark auf die Hebung der eigenen Ressourcen zu besinnen. >> weiterlesen >>

Add comment November 8, 2009

Don’t applaude when you are not supposed to

Beispielhafte Aktion des amerikanischen Präsidenten: Klassische Musik im Weißen Haus. Barack Obama nimmt sich Zeit für so etwas, obwohl er angeblich nichts von klassischer Musik versteht. Frau Merkel verstünde etwas davon.

Michelle Obama eröffnet einen workshop für klassische Musik im Weißen Haus und spornt die jungen Musiker an. Ein schönes Video, allerdings eher Konzert denn workshop. Mehr Videos von den Tagen der klassischen Musik auf der Seite des Weißen Hauses.

Add comment November 7, 2009

Zum zweiten: Don Giovanni an der Bayerischen Staatsoper

Beim heutigen zweiten Versuch kann der Einfluss des Gewöhnungsfaktors auf mein Rezeptionsverhalten noch keine grosse Rolle gespielt haben. Ich hatte mir auch vorgenommen, mich durch die Bühne nicht von der Musik ablenken zu lassen. Dass man mit dem Herzen gut sieht, hat sich herumgesprochen, aber das man auch mit den Augen hört, war mir bisher neu. Ich habe diese Behauptung im Zusammenhang mit dem neuen Don Giovanni gelesen, und auf mich trifft sie tatsächlich zu. Die mit Containern vollgestellte Bühne hatte sich in der Premiere für meine hörenden Augen einmal zu viel gedreht und mir das Ohr für die Musik verstellt.

In der neuen Produktion wird Don Giovanni als Getriebener dargestellt, der die Höhen und Tiefen des Lebens genossen hat, der in Extremen lebt und der zum Weiterexistieren immer neue, andere Kicks braucht. Don Giovanni hat keine Identität mehr. Nicht nur ändert sich seine äussere Erscheinung ständig: mal ist er ein vergammelter Aussenseiter, mal businessman, mal Partylöwe, mal Hobbykoch; auch sein Wohnsitz ist ein Zeichen seiner Unstetigkeit. Seine Wohnungen im Containerbahnhof sind Event Locations. Er wechselt Container wie Liebschaften, Überdruss überkommt ihn sicher und er überkommt ihn bald. Sein alter Ego, die trostlose Gestalt eines alten Mannes ist allgegenwärtig. Er ignoriert zwar seine Gegenwart, hat ihn aber stets vor Augen. Don Giovanni treibt unaufhaltsam auf eine Katastrophe zu. Einmal hätte er es fast geschafft, sich elegant aus der Affäre zu ziehen, als er nämlich im Augenblick des Glückes Zerlina fast dazu gebracht hätte, mit ihm über den Containerrand in die Tiefe zu springen (Là ci darem la mano). Insofern verstand ich ihn auch als Suchenden.

Während Leporello als Diener seines Herrn originell gezeichnet wird und Don Ottavio mehr konventionelle Züge aufweist, bleiben die beiden Frauen blass. Donna Elvira ist als Backpackerin auf der Jagd nach Don Giovanni, von dem sie sitzengelassen wurde, und Donna Anna passt irgendwie nicht in die Szene. Sie bewegt sich, als habe sie schlecht geprobt, als sei sie in ihrem Leben weder auf einem Containerplatz gewesen noch auf einem Untergrund aus Europaletten und zwischen Schienen gelaufen.

Hektisch wird die Szene durch allerhand aufgeregte Aktionen und Klettereien und vor allem durch eine völlig überflüssige Videoprojektion, die nicht nur alberne Bilder liefert sondern den oberen linken Rängen auch die Sicht auf die Bühne versperrt. Da hat ein Videokünstler wohl gerade einen Auftrag gebraucht.

Der Aktionismus auf der Bühne verpufft allerdings wirkungslos, denn die Aktionsfläche der Sänger ist auf einen schmalen Streifen zwischen Drehbühne und einem Palettensteg reduziert; so camoufliert man Rampensingen.

Die männlichen Hauptdarsteller Mariusz Kwiecien (Don Giovanni), Pavol Breslik (Don Ottavio) und Alex Esposito (Leporello) hatten bereits am Premierenabend ausgezeichnet gesungen und agiert und wiederholten heute ihre hochklassigen Auftritte. Ellie Dehn (Donna Anna) und auch Maija Kovalevska (Donna Elvira) liessen heute ihre Nervosität in der Garderobe. Ellie Dehn steigerte sich deutlich, die Stimme klang runder und hatte weniger Schärfe, und die fehlende Übernervosität liess Maija Kovalevska nicht so überdreht wirken.
Laura Tatulescu (Zerlina) sollte ihre Primadonnenposen beim Schlussapplaus ablegen. Sowas kommt nur gut, wenn man wie eine Primadonna singt. Sie bot zusammen mit Levente Molnár (Masetto) eine solide Leistung als Bauernpaar.
Warum aber liess man Phillip Ens den Komtur singen?

Den musikalischen Rahmen zu Don Giovanni bildet das Staatsorchester in Kammerorchestergrösse. Ich zählte 10 erste Violinen, 8 zweite Violinen, 6 Bratschen, 5 Celli, 3 Bässe, jeweils 2 Holzbläser. Da sollte man sich schon auf einen etwas zurückhaltenderen Klang von vorneherein einstellen. Das heisst, der Abend wird den bisherigen Hörgewohnheiten nicht entsprechen. Das war es auch, was mich letzten Samstag irritierte: Das Containergeschiebe mit seinem Personengewurl auf der Bühne lenkte von dem ohnehin zurückgenommenen instrumentalen Part ab und liess ihn fast in der Versenkung des Orchestergrabens verschwinden, beinahe zerfallen, vor allem zu Beginn. Heute hörte ich einige so nie gehörte Orchestersequenzen (wie schon oft, wenn Nagano am Pult steht), aber auch eine Interpretation, die so gar nicht zu dem plumpen Spiel auf der Bühne passt. Ich kann also nicht sagen, dass mich persönlich der Abend musikalisch glücklich gemacht hat. Etwas mehr Saft und Zupacken hätte mir besser gepasst.

Vollends lächerlich gemacht hat sich ein Buher der Galerie, der sofort nach Don Giovannis Höllenfahrt (=Herzinfarkt vorm Küchenherd in der Container-Kochshow) losblökte, als die Oper noch nicht mal zu Ende war. Er hatte sich dadurch so sehr blamiert, dass er vermutlich schnellstens das Weite suchte. So geriet der Abend, der für Nagano nach der Pause mit Buhs begonnen hatte, zu einer Demonstration für Nagano, obwohl viele wie ich nicht ganz einverstanden sind mit seiner Sicht auf Don Giovanni, was kein Grund sein kann für unflätige Missfallensäusserungen. Diese plötzlichen Buhs für den GMD sind ein bisschen seltsam, wirken wie bestellt, sind vielleicht auch erste Auswirkungen der üblen Meinungsmache in Teilen der Münchner süddeutschen Presse.

Die Sängerinnen erhielten freundlichen Applaus, die Herren wurden verdientermassen gefeiert.

Add comment November 4, 2009

BSO: Premiere Don Giovanni

Ein bisschen fassungslos bin ich noch immer. Nicht etwa, weil der Abend so schön gewesen wäre, sondern so langweilig. Das Beste war noch der Anfang: Ein nackter Alter schlotterte im Takt zur Ouvertüre.

Ich weiss tatsächlich im Moment nicht, was ich über diesen Abend schreiben soll, der mit heftigen Buhs für das Regieteam, aber auch (weniger heftig) für einige Sänger und Sängerinnen sowie für Kent Nagano endete. So hatten sich wohl die meisten die Premiere des Don Giovanni nicht vorgestellt. Sinnfreier Aktionismus beherrschte die mit Containern vollgestellte Bühne, die mich nicht nur wegen der Drehbühne mehrfach an den Aida-Schrott erinnerte.

Bester Mann auf dem Container-Verschiebe-Bahnhof war Pavol Breslik als Don Ottavio, der allerdings auch unter seinen Möglichkeiten blieb, ebenso wie Mariusz Kwiecien in der Titelrolle. Die übrige Sängerbesetzung hatte Provinztheaterniveau.

Ehe ich mich weiter äussere, sollte ich vielleicht doch noch in eine der Folgevorstellungen gehen, für die ich schon Karten gekauft habe in der Erwartung, die Inszenierung mehr als einmal sehen zu müssen.

1 comment Oktober 31, 2009

Plácido Domingo: Simon Boccanegra

Placidone als Simone? Ist dieser Mann unersättlich, unermüdlich, unverfroren, unerschrocken, unverlierbar oder unverbesserlich?

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Als Domingo-Bewunderin muss man natürlich seinen Eintritt in ein weiteres Karrierestadium erleben. Ich begab mich also nach Berlin; zum Premierenbesuch reichte es nicht, zur zweiten Vorstellung aber wohl. Die Reise hat sich gelohnt. Durch die Medienberichte vorgewarnt, waren meine ohnehin niedrigen Erwartungen an die Inszenierung gleich Null, allerdings sage ich voraus, dass die prunkvollen Gewänder den Geschmack des Mailänder und des Met Publikums sicher treffen werden. Und peitschende Meeresgischt kommt immer gut, wenn’s um Leben oder Tod geht. So viel der Worte für diesen Bilderkrampf.

Domingo2
Schon bei seinem Auftritt als junger Simone im Prolog liess Plácido Domingo keinen Zweifel daran aufkommen, dass er diesen Ausflug ins Baritonfach ernst nimmt. Das war alles perfekt studiert und stimmlich fundiert, und das unverkennbare Timbre blieb trotzdem erhalten. Ich war wirklich verblüfft. Grosse Vergleichmöglichkeiten habe ich nicht, weil ich nicht viele Simone Boccanegra in meinem Leben auf der Bühne gesehen habe, (einer mit Cappuccilli war allerdings darunter), es hat mich keiner so berührt wie Domingo, darstellerisch wie stimmlich.

Die grosse Szene „Plebe, patrizi, popolo“, Simones (Verdis) Bekenntnis zu einem einigen Italien, mit dem sich anschliessenden herrlichen Sextett ist für mich die schönste Szene, die Verdi geschrieben hat. Sie hat mich in Berlin hingerissen, nicht nur weil Plácido Domingo die Botschaft des Dogen fundiert und stimmgewaltig und so wenig aufgesetzt gebracht hat, sondern weil sich darin die ausgewogene Klasse aller am gestrigen Abend beteiligten Sänger ausdrückte.

Über Anja Harteros als Sängerdarstellerin muss ich nicht viel erzählen. Selbst wenn ihr an einem Abend kein ganz so makelloser oder strahlender Einstieg gelingt, verbreitet sie Sopranglück. Um die Riege der tiefen Berliner Männerstimmen, bestehend aus dem samtig singenden Kwangchul Youn (Fiesco), Hanno Müller-Brachmann (Paolo) und Alexander Vinogradov (Pietro) ist die Staatsoper zu beneiden. Das Schöne an dem Abend war, dass jeder mitwirkende Sänger optimal zur Geltung kam. In Hochform und mit nicht unangenehmem italienischen Duktus sang Fabio Sartori den Gabriele Adorno, und erhielt den einzigen donnernden Szenenapplaus des Abends. Weitere Unterbrechungen wusste Daniel Barenboim geschickt zu unterbinden; sie wären der tragischen Musik auch nicht angemessen gewesen.

Daniele Barenboim dirigiert Verdi – auch so etwas, das nicht ins Klischee passt. Er kann auch das, und die Staatskapelle konnte es auch. Mir war es weder zu laut noch zu langsam, mit dem für mich gerade richtigen Mass an Emotion.

Domingo1

Am Ende lange Ovationen des überwältigten Publikums. Nicht auszudenken, was hätte sein können, wenn das Budget auch noch für einen richtigen Regisseur gereicht hätte!

Bilder von der Seite der Staatsoper Berlin

5 comments Oktober 28, 2009

MPhil: Fidelio-Konzert 25. Oktober

Eigentlich wollte ich fortan das Orchester der Münchner Philharmoniker mit Verachtung strafen. Die Neugier behielt dann doch die Oberhand. Ein merkwürdiges Abendprogramm hat Christian Thielemann für das 2. Abonnementkonzert ausgewählt.

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zur Oper „Fidelio“ op. 72
Ludwig van Beethoven
„Ah perfido!“, Szene und Arie für Sopran und Orchester op. 65
Ludwig van Beethoven
Rezitativ und Arie der Leonore (I. Akt, Nr. 9): „Abscheulicher! Wo eilst Du hin?“ aus der Oper Fidelio op. 72
Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zur Oper „Leonore“ Nr. 2
Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zur Oper „Leonore“ Nr. 1
Ludwig van Beethoven
Introduktion und Arie des Florestan (II. Akt, Nr. 11): „Gott! Welch´Dunkel hier!“ aus der Oper „Fidelio“ op. 72
Ludwig van Beethoven
Duett Leonore/Florestan (II. Akt, Nr. 15): „O namenlose Freude“ aus der Oper „Fidelio“ op. 72
Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zur Oper „Leonore“ Nr. 3

Da mir die Münchner Philharmonie wegen ihrer grausamen Akustik in schlechter Erinnerung bei Gesangssolistenkonzerten war, hatte ich etwas tiefer in die Tasche gegriffen, um an einen annehmbaren Platz zu kommen.

Ich fand die Gegenüberstellung der Fidelio- und Leonoren-Ouvertüren sehr interessant, kann auch das (downloadbare) Programmheft der Philharmoniker dazu empfehlen. Man konnte gut erleben, welche Absichten Beethoven verfolgte und wie er darum rang, den besten Auftakt zu seiner einzigen Oper zu finden. Dabei sind Werke entstanden, die für sich schon Welten bilden bzw. in ihrer Qualität für einen ganzen Opernzyklus gereicht hätten. An der heutzutage gespielten Fidelio-Ouvertüre, die das Konzert einleitete, könnte man den Nachteil des riesigen Philharmonieraumes spüren. Was in der Oper fokussiert, fast intim wirkt, jedenfalls als Auftakt zu etwas Folgendem von mir begriffen wird, verklingt im grossen Konzertsaal. Auf der anderen Seite hat die Alleinstellung den Vorteil, dass der symphonische Charakter unterstrichen wird. Der symphonische Charakter der folgenden Leonoren-Ouvertüren 1-3, deren Numerierung nicht der Reihenfolge ihrer Entstehung folgt (2 vor 1), scheint mir viel stärker zu sein, obwohl Beethovens Absicht, die Verknüpfung mit der Oper herzustellen durch Motivzitate (mein Engel Leonore) und die Übernahme des Trompetenmotives hergestellt wird.
Den vokalen Teil bestritten die Sopranistin Edith Haller, von der ich viel Gutes gehört und gelesen hatte, und der Tenor Klaus Florian Vogt, auf dessen Florestan ich gespannt war.

Zunächst sang Edith Haller die Konzertarie „Ah perfido“, schönstimmig und mit gelenkigen Koloraturen. Sie wusste wohl um die Tücken des Saales und den Umfang ihrer Stimme und „bediente“ durch langsame Kopfwendungen mal die eine, mal die andere Seite. Eine akustische Gratwanderung, wie ich meine. Ich hörte in ihrem Vortrag zu viel Mozart und zu wenig Beethoven, was gleichermassen für das nachfolgende „Abscheulicher! Wo gehst du hin?“ gilt. Als Leonore war Edith Haller in dem grossen Raum verloren, obwohl Thielemann das Orchester zurückhielt.

Dieser Zurückhaltung hätte es nicht bedurft bei Klaus Florian Vogt, dessen Stimme gerne mal boshaft als Kindertrompete bezeichnet wird. Da kommt einer, stellt sich hin, konzentriert sich zu der Orchester-Einleitung und singt die berüchtigte Florestan-Szene mit einer Leichtigkeit und Durchschlagskraft, dass ich mich nur wundern konnte. Er sang mit wundervoller Phrasierung, textverständlich, die Stimme hat auch Fülle in der Mittellage, Höhentöne erblühen geradezu von selbst. Und doch war ich nicht ganz d’accord. Das war zu schön, vor allem der Anfang, als Florestan seine desolate Lage im Kerker reflektiert. Ich würde das gerne mal im Gesamtzusammenhang erleben wollen, weiss aber gar nicht, ob er Florestan schon mal gesungen hat.
Ebenso problematisch fand ich dann „O namenlose Freude“. Das war schön gesungen, aber für meinen Geschmack doch Beethoven light. Interessant war der Abend allerdings ohne Einschränkung.

Die abschliessende 3. Leonoren Ouvertüre rückte Beethoven dann wieder ins richtige Licht. Ovationen für Christian Thielemann und grosser Beifall für alle Beteiligten.

3 comments Oktober 27, 2009

BSO: Lohengrin Publikumsgespräch

Weniger interessant als das Geschehen auf der Bühne war das sich an die Aufführung vom 25. Oktober anschliessende Publikumsgespräch unter der Leitung des Dramaturgen und eines akademischen gebildeten geistlichen Herren, nach eigener Aussage zweifach Besucher dieser Inszenierung. Die beiden Herren hatten es schwer, denn die Versammlung bestand aus einer grossen Anzahl bekennender „Regie“theater-Gegner. Deren Argumente: oberflächlich; es wird noch nicht mal versucht, den Metaphern der Inszenierung auf die Spur zu kommen. Der Ritter habe eine Rüstung zu tragen, so stünde es im Libretto, fertig. Und von Wüstenrot habe Wagner auch nichts geschrieben. Punkt.

So erfreulich es ist, dass sich die Bayerische Staatsoper dem Pulikum in Gesprächsrunden öffnet, bei einer verbesserten Diskussionsführung wäre die Zeit im Auditorium vor der Königsloge nicht nutzlos versessen.

Nun steht es ja jedem frei, ein Stück gut oder schlecht zu finden. Was mich ärgert ist nur immer der Alleinvertretungsanspruch dieser Kunstaufbewahrer. Ich finde den Jones Lohengrin ja auch nicht den grossen Wurf, aber es gibt für mich ärgerlichere Inszenierungen der Bayerischen Staatsoper und eines kann man Jones meines Erachtens nicht vorwerfen, nämlich dass er gegen die Musik inszeniert hat.

Add comment Oktober 26, 2009

BSO: Lohengrin am 25. Oktober 2009

Mit dem gestrigen Lohengrin in der Bayerischen Staatsoper sind meine diesjährigen Besuche dieser Oper erst einma l beendet. Ich bleibe allerdings dran und werde mir im Februar die Berliner Inszenierung (wegen des Hauptdarstellers) und im März die der Leipziger Oper (wegen des Regisseurs) gönnen.

Ich habe ja nun den Münchner Häuslbauer-Lohengrin schon mehrmals besucht, dessen musikalischer insbesondere der orchestrale Teil immer ein besonderes Erlebnis war. Gestern hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass das „böse Paar“, Ortrud und Telramund, einen starken Gegenpol zum Paar Elsa/Lohengrin bildete, zumindest gesanglich, denn die Bedeutung der beiden tritt bei der Inszenierung etwas in den Hintergrund. Gestern nun „sang“ Michaela Schuster die Ortrud, ausdruckvoll, dynamisch, dennoch ohne Schärfe. Obwohl die ihr vom Regisseur zugewiesene Rolle sie auf das Umherschleichen auf der Bühne reduziert, empfand ich sie als echte Gegenspielerin Elsas und teuflische Verführerin ihres Gatten Telramund. Eike Wim Schulte bot einen ähnlichen guten Telramund wie in der letzten Aufführung, diesmal ohne Hänger bei seiner grossen Szene im zweiten Aufzug (sah so aus, als habe er sich seinen Text auf das Gottlieb-Plakat geschrieben, das er in der Hand hielt?). Jonas Kaufmann überzeugt mich immer mehr mit seiner sehr menschlichen Darstellung Lohengrins, bei der sich Bühnenaktion und stimmlicher Ausdruck decken. Faszinierend schön sein Legato, die spannungsvoll gesungenen Piani mit dem sich anschliessenden dramatischen Anschwellen der Stimme. Emily Magees Stimme klang für meine Ohren nicht ganz so edel wie letzte Woche, dennoch gelangen ihr sehr berührende Momente wie beispielsweise in der letzten Szene mit Ortrud im zweiten Aufzug.

Diese Szene mit ihrem „es gibt ein Glück“ war für mich einer der berührendsten musikalischen Momente des Abends. Kent Naganod, der dem Staatsorchester bereits beim Vorspiel (wie schon gewohnt) flirrend zarte, verheissungsvolle Töne entlockte, es aber auch gewaltig auftrumpfen liess (grandiose Bläser), zauberte in den leisen Szenen eine Stimmung, in der man sich wie auf Flügeln des Orchesters tragen lassen konnte, das ruhig atmend durch die Partitur schwebte. Ein tolles Erlebnis.

Add comment Oktober 26, 2009

Achuchu is back

Achuchu Rose hatte während meines Kenia-Besuches vor ein paar Wochen das Fotografieren übernommen und leider ausschliesslich vermurkste Bilder produziert. Das Fotografieren werden wir im Dezember üben müssen.

Achuchu, kleine Schwester meiner Margaret, hatte ja im Frühjahr die Kwa Watoto Primary School verlassen müssen, da die beiden älteren Geschwister sie nicht mehr versorgen konnten. Achuchu wurde upcountry zu einer Tante geschickt, wo sie aufwachsen und zur Schule gehen sollte. Margaret und ihr Bruder hatten das möglicherweise so entschieden, weil ihre eigenen familiären Umstände zu der Zeit schwierig waren. Zwar hatte mich eines meiner älteren Patenmädchen mehrmals darauf hingewiesen, dass Achuchu unbedingt ins Boarding der Schule müsse, was ich allerdings nicht ernst genug nahm bzw. darauf wartete (eigentlich warten musste), bis ich darauf angesprochen würde. Achuchu war also weg. Vor etwa zwei Monaten erfuhr ich, dass das Kind wieder in Nairobi sei, mehrmals krank war und auch in stationärer Behandlung und dass meine Hilfe erforderlich sei. Nach einigem Hin und Her flog ich flog nach Nairobi. >> weiterlesen >>

Add comment Oktober 20, 2009

Endlich Regenzeit

Nach langem Warten hat es in Kenia endlich zu regnen begonnen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass mit dem Regen auch häufig Flut einhergeht, weil die Wassermassen in den ausgemergelten Boden nicht eindringen können. Noch kann man nicht sagen, wie ergiebig die Regenfälle sein werden, die Nahrungsmittelknappheit im Land wird dadurch sicher nicht beseitigt, und die immens gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel werden auch nicht sofort wieder fallen, da sie sich gerade so schön etabliert haben. Durch die lange Trockenheit sind nicht nur Nutztiere verendet, die ausbleibende oder zu kleine Ernte hat die armen Teile der Bevölkerung gezwungen, einen Grossteil ihres Einkommens für Nahrung auszugeben. Für Saatgut und Dünger blieb da in der Regel nichts übrig.

Die Nation, eine Tageszeit in Nairobi, berichtete am Wochenende über eine Umfrage über die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der gegenwärtigen Regierung.
Sunday Daily Nation18_10_2009_004_002_008
Trotz des buchstäblichen Überlebenskampfes, den viele Familien derzeit zu bestehen haben, sehen Kenianer nach dieser Umfrage die Versäumnisse ihrer Regierung auch bei Umweltschutz und Klimawandel und die Korruption im öffentlichen Dienst, Ursache der meisten Übel und des schlechten Zustandes des Landes, steht an zweiter Stelle der Negativliste.

Kürzlich las ich einen Artikel über die Idee eines Marshallplanes für Afrika, keine neue Idee und doch etwas anders. Ende der Wohltaten für korrupte Regierungen, hin zu Geschäftsentwicklungsplänen, Kreditvergabe für privatwirtschaftliche Investitionen und Reinvestitierung des Kapitalrückflusses in die Stärkung der Infrastruktur des jeweiligen Landes – aber lesen Sie selbst. Ich bin mal gespannt, wie viele Jahre es dauern wird, bis die USA endlich ihre unanständig hohen, vielleicht gerade deshalb wirkungslosen, Mittelzuflüsse beenden, die nichts anderem als der Finanzierung des Wasserkopfes des kenianischen Kabinettes dienen. Irgendwoher muss das Geld ja kommen, um alleine die Anschaffungen für den ministerialen Fuhrpark in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro im Jahr 2009 zu finanzieren (via mars Group Kenya). Auftritte wie dieser des Prime Ministers Raila Odinga verpufften bisher regelmässig wie heisse Luft, messbare Auswirkung Null.

In einem Land, das einst zu den fortschrittlichsten Afrikas gehörte und das bei sachkundigem Anbau und Nutzung der agrartechnischen Möglichkeiten drei Ernten pro Jahr erzielen könnte, füttern World Food Program und die Charityindustrie inzwischen die Hungernden, die immer abhängiger werden von äusserer Hilfe, und es ändert sich nichts. Oder doch. Es wächst die Charityindustrie, die gerade in Kenia ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, mit dem nicht nur die Regierung rechnet. Für die leitenden Positionen bringt man seine Leute aus den Geberländern mit, die übrigen Mitarbeiter werden vor Ort rekrutiert – begehrte Jobs, wie ich kürzlich in Nairobi beobachten konnte.

Happy Kenyatta Day, Kenya!

Add comment Oktober 19, 2009

BSO: Lohengrin am 18. Oktober

Einen märchenhaften Lohengrin durfte ich heute im Münchner Nationaltheater erleben. Ich bezeichne den Abend absichtlich als märchenhaft, weil ich ihn so empfunden habe; wer in Lohengrin etwas anderes sucht oder findet, möge es mir bitte nachsehen. Mal abgesehen von der Inszenierung, über die man geteilter Meinung sein kann, traf der heutige Abend den Nerv des Publikums. Ich hörte keine negativen Meinungen über die musikalische Darbietung, die ich selbst als beglückend empfand.

Von der Festspiel-Anspannung befreit, zeigte Jonas Kaufmann nicht nur, dass er Lohengrin singen kann, sondern dass ihm auch Gestaltungsmöglichkeien gegeben sind. Sein Piano, das während der Festspiele auf mich etwas manieriert und gefistelt wirkte, war heute perfekt und passte in die grosse Gesangslinie. Grandios, wie er immer übers Orchester kam (Nagano hat allerdings auch geholfen), und bemerkenswert gut war die Phrasierung.
Ich war überrascht, wie gut sich Emily Magee in die Inszenierung einfügte. Sie hat sich im Lauf des Abends gesteigert, nachdem sie im ersten Aufzug an ihre Grenzen gestossen zu sein schien. Eine schöne Leistung und ein Erfolg für Emily Magee.
Neu war auch Eike Wim Schulte als Friedrich von Telramund, der fabelhaft gesungen hat, sich zwar einmal im zweiten Aufzug ziemlich verfranzte, jedoch wieder zurückfand. Einziger Einwand ist die etwas zu brave Erscheinung, den bösen Telramund vermutet man in ihm nicht.
Ebenfalls neu war Hans-Peter König als König Heinrich der Vogler, der mit prächtigem, durchschlagenden Bass beeindruckte. Michaela Schuster als Ortrud gefiel mir heute ebenfalls besser als zur Festspielzeit, den Grund kann ich nicht nennen. Es könnte die damals überragende Anja Harteros gewesen sein, deren übermächtiger Schatten meine Beurteilung Michaela Schusters verzerrte. Mit einem wiederum ausgezeichneten Heerrufer liess sich Evgeny Nikitin hören.

Garanten des heutigen Erfolges allerdings sind für mich das Bayerische Staatsorchester, das sich heute selbst übertroffen hat und Kent Nagano mit seiner sensitiv-kraftvollen Interpretation. Mir fiele heute keine Orchesterstimme ein, die ich besonders hervorheben möchte, weíl sie alle so blendend aufspielten. Vielleicht den Mann an der Pauke, dessen fahle Schläge beim Gottesgericht mich fast erstarren liessen.

Add comment Oktober 18, 2009

Quick hit

Klare Aussage des Abonnement-Publikums zum Verhalten der Münchner Philharmoniker im Fall Christian Thielemann.

Add comment Oktober 16, 2009

„Das machte meinen Tag“

Heute gehört:
„Wir sollten es lieber nicht machen, sonst müssen wir noch ein zusätzliches spreadsheet maintainen.“

Add comment Oktober 15, 2009

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