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Berlioz: La Damnation de Faust

März 31, 2015

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La Damnation de Faust muss man nicht szenisch erleben um in den vollen Genuß des Werkes zu kommen. Für mich ist es vor allem ein beeindruckendes symphonisches Chorwerk, wenn auch mit beachtlichen solistischen Einschüben.

Die im Festspielhaus Baden-Baden seit kurzem zu Ostern residierenden Berliner Philharmoniker hatten das Werk auf das Programm der diesjährigen Festspiele gesetzt und ein prominentes Solistenquartett aufgeboten. Ein solches braucht es offensichtlich, um das riesige Festspielhaus auch nur annähernd zu füllen.
Marguerites Part ist eigentlich viel zu klein, wenn eine Sängerin von der Wandlungsfähigkeit und gestalterischen Begabung einer Joyce DiDonato auf der Bühne steht. Sie braucht weder während der Ballade vom König von Thule ihre Haare zu kämmen noch ein einziges Utensil um dem Zuhörer das Herz zu brechen mit ihrer großen Szene „D’amour l’ardente flamme“.

Ich schätze Charles Castronovo , der mit der Rolle des Faust betraut war, sehr. Timbre und Ausdruck seiner Stimme scheinen für das französische Fach wie geschaffen. Ganz besonders zum Ausdruck kam dies in Fausts Bekenntnis zur Natur, „Nature immense“, das wunderbar gelang. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass das Stimmvolumen der Bahnhofshalle des Festspielhauses nicht ganz gewachsen war, ein Eindruck, der sich allerdings auch aus meiner Platzierung im ersten Balkon ergeben haben könnte.

Es fällt schwer, sich Ludovic Tézier als Bösewicht vorzustellen, zu balsamisch schön ist die Stimme. Ich begeistert über seine Interpretation des Méphistophélès, was natürlich auch zusammenhängt mit einer muttersprachlichen Diktion. Mangelnde Bosheit? Geschenkt.

Einen ausgezeichneten Eindruck hinterliess auch Edwin Crossley-Mercer, der mit schlankem, gut geführtem Bariton den Brandner gab.

Der Chor der Stuttgarter Staatsoper präsentierte sich präzise und stilistisch eindrucksvoll in seinen vielfältigen Rollen als Gute, Gemeine und Böse, in unterschiedlichen Gruppierungen auch mal hinter der Bühne und noch dazu auswendig singend. In den ersten beiden Chorsequenzen hatte ich kurz den Eindruck eines Abstimmproblems mit dem Dirigenten. Dieser Eindruck verschwand allerdings vollständig.

Mit einer faszinierenden Interpretation nahmen mich die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle für sich ein. Simon Rattle verstand es, ein facettenreiches Feuerwerk an Stimmungsbildern zu entfachen, bei dem ich mir vor allem bei den längeren orchestralen Einleitungen oder Zwischenspielen wünschte, sie mögen nicht enden. Nicht anders als hinreissend nennen kann man auch Berlioz‘ Instrumentalsoli im Zusammenklang mit den Solisten.

Fazit: Nach einem rundum beglückenden Abend wünschte ich mir eine Veröffentlichung dieser Interpretation von La Damnation de Faust. Ich hoffe, das wird dem begeisterten Publikum nicht vorenthalten.

Osterfestspiele Baden-Baden
Hector Berlioz
La Damnation de Faust
Besetzung am 29.März 2015
Joyce DiDonato Margarethe
Charles Castronovo Faust
Ludovic Tézier Mephisto
Edwin Crossley-Mercer Brandner
Berliner Philharmoniker
Simon Rattle
Staatsopernchor der Oper Stuttgart

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