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Macbeth, Verdi

März 17, 2012

Foto: (c) Bay. Staatsoper

Am 14 März 2012 besuchte ich die Aufführung an der Bayerischen Staatsoper. Aus meiner Abneigung gegen die Inszenierung von Martin Kušej habe ich bislang keinen Hehl gemacht und Besuche der von mir sehr geliebten Oper an der Bayerischen Staatsoper vermieden. Verdis Auf- und Ausbruch aus dem Belcanto, die kontrapunktischen Linien der Ouvertüre, die Abkehr von den reinen Arien hin zu durchkomponierten Szenen ohne auf wunderbare Melodien zu verzichten, das liebe ich an Macbeth neben der gruseligen Handlung. Meine Neugier auf die neue Besetzung der Sänger und auch das Dirigat überwog meine Abneigung gegen die Inszenierung und ich wagte es wieder einmal.

Macbeth, Kušej hat im Laufe der Jahre nicht gewonnen. Die Lichtpausen, die den Spielfluss und den musikalischen Abläuf empfindlich beeinträchtigen, stören heute noch mehr als in den Anfangsserien. Bezeichnend, daß das Publikum mehrmals laut während der Tragödie lachte, bei der Luftgeisterszene beispielsweise, und daß der Bancos abgeschlagenen Kopf apportierende Schäferhund tosenden Szenenapplaus erhielt. Abgesehen von den unappetitlichen Hexenszenen des Bewegungschores und der hängenden menschlichen Schlachtopfer wirkte diese Wiederaufnahme bieder und beliebig. Die etwas matronenhafte Darstellung der Lady trug wesentlich dazu bei, weder High Heels noch erotische Drapierung um den Lüster, aber flache Treter und gemütliches Sitzen auf dem Kronleuchter während der Diskussion mit dem Gatten Macbeth. Selbst an ihren Kostümen wurde im Vergleich zur Michael-Serie gespart.

Tatjana Serjan hat mein volles Verständnis dafür. Ich hatte sie in ausgezeichneter Erinnerung als Lady Macbeth in Salzburg, und sie bestätigte meine Erwartungen auch an diesem Abend. Stimmlich fand ich sie ausgezeichnet. Trotz aller dramatischen Ausbrüche klang ihre Lady mehr nach Gesang als nach Geschrei, ein deutlicher Gewinn nach meinem Geschmack. Franco Vasallos etwas trocken klingender Bariton war rollendeckend als Macbeth, schien mir gegen Ende etwas mit Textproblemen zu kämpfen. Christof Fischessers sang einen sehr wohlklingenden Banco. Die typischen, tenoralen Gesten gab Francesco Demuro seinem Macduff mit, gesungen hat er italienisch gut.

Nicht immer einig mit Orchester und Bühne war der Chor der Bayerischen Staatsoper, vor allem nicht zu Beginn, vermutlich wegen der Positionierung im Orchestergraben hinter einer Abdeckung. Da hat wahrscheinlich auch die Physik eine Rolle gespielt. Gespannt war ich auf das Dirigat von Teodor Currentzis, den ich noch die am Pult erlebte. Er dirigierte ohne Stab mit ausladenden Bewegungen, dadurch etwas hektisch wirkend und durchaus gewöhnungsbedürftig. Das Ergebnis allerdings war respektabel und komplettierte eine musikalisch rundum erfreuliche Repertoirevorstellung.

    1. Musikalische Leitung Teodor Currentzis / Regie Martin Kušej / Bühne Martin Zehetgruber /
      Kostüme Werner Fritz / Licht Reinhard Traub / Chor Sören Eckhoff

    1. Macbeth Franco Vassallo / Banco Christof Fischesser / Lady Macbeth Tatiana Serjan / Dama di Lady Macbeth Evgeniya Sotnikova / Macduff Francesco Demuro / Malcolm Fabrizio Mercurio / Arzt Christoph Stephinger / Diener u. Erscheinung 1 Tareq Nazmi / Mörder Christian Rieger / Bayerisches Staatsorchester / Chor der Bayerischen Staatsoper

  • 2 Kommentare leave one →
    1. März 31, 2012 17:37

      Frage: Was meinen Sie mit „Lichtpausen“?

    2. April 1, 2012 11:44

      „Lichtpausen“ haben in diesem Fall nicht unbedingt mit Beleuchtung zu tun. Es sind Unterbrechungen, die für Szenenumbau etc. benötigt werden und bei denen die Zuschauer den Raum nicht verlassen; oft geht dazu auch das Licht im Zuschauerraum an. Bei diesem Macbeth sind sie offenbar Teil der Inszenierung, stören den Musikfluss empfindlich und sind meiner Meinung nach in ihrer Anzahl nicht notwendig.

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