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Händel-Festspiele 2009: Serse in Bad Lauchstädt – Premiere am 6. Juni

Juni 9, 2009

Als unerwarteter Knaller entpuppte sich „Serse“ im Goethe-Theater in Bad Lauchstädt. Die Inszenierung des Regisseur Andrè Bücker für die Händel-Festpiele unter der musikalischen Verantwortung von Wolfgang Katschner und der Lautten Compagney bereitete ein Opernerlebnis, dem man begegnet wie dem Blitz aus heiterem Himmel.

Die coole Jet Set Clique um Serse (vielleicht ein Ölprinz) verbringt ihre „arbeitsreichen“ Tage innerhalb eines mit orientalischen Sitzkissen ausgestatteten Palastes. Mit dieser Ausstattung waren vermutlich die begrenzten bühnentechnischen Möglichkeiten des kleinen Theaters bereits ausgeschöpft. Auf einer über der Bühne hängenden Scheibe werden die äusseren Geschehnisse jenseits der Beziehungen der Personen per Videoprojektion erläutert und kommentiert.

Serse (Susanne Kreusch), ein offensichtlicher Macho mit viel Pomade im Haar, die er immer wieder aufreizend zurecht kämmt, immer dann, wenn’s kritisch wird und er nicht mehr weiter weiss, ist der Mittelpunkt des Geschehens. Um ihn drapieren sich als weibliche Groupies Romilda und Atalante, beide höchst glamourös zurechtgemacht und exquisit gekleidet und rein äusserlich austauschbar erscheinend. Die dekadente Hofgesellschaft um den zwar feinsinnig Bäume ansingenden, aber offenbar unter Verfolgungswahn leidenden persischen König Serse bilden sein Bruder Arsamene und dessen Diener Elviro und Ariodate, Feldherr des Königs. Serses misstrauische Braut Amastre hat sich undercover in die Gruppe eingeschlichen.
Das auf der Bühne sich entfaltende Feuerwerk geistreicher und witziger Aktionen wurde getragen von der präzisen, satirisch überzeichneten Darstellung der Charaktere der Personen.

Gesungen wurde einfach grossartig. Die Hauptdarstellerin Susanne Kreusch überzeugte nach dem mir persönlich etwas blass klingenden Arioso an den Baum mit einem klaren, gut geführten Mezzo und sang die „Crude furie“ mit Bravour. Paula Turcas eher kleine Stimme stand den quirlig-klangschönen Koloraturen der Romilda nicht entgegen. Heidi Maria Taubert erfreute mit bemerkenswertem timbriertem Sopran als schnippische Atalanta, während Luciana Mancinis markanter Mezzo der Amastre tragikomischen Charakter verlieh. Auch die Männer enttäuschten nicht: Matthias Viehweg, als General Marionette des Herrschers, sang Ariodate mit klangschönem, sonoren Bass. Florian Götz überraschte mit überschäumender Spiellaune , guter Stimme und der Fähigkeit, auf der Bühne auch noch selbst Trompete zu spielen. Jean-Michel Fumas‘ Arsamene bestach nicht nur durch seine vokale Sicherheit, sondern auch durch die berührende Darstellung.
Ohne Musik wär‘ alles nichts. Wolfgang Katschner und der Lautten Compagney gelang es, das Bühnengeschehen durch einen dramatischen musikalischen Bogen zu umspannen, der über die gesamte Aufführungsdauer anhielt. Obwohl an allen Punkten fabelhaft musiziert wurde, möchte ich den jungen Mann an der Blockflöte hervorheben, der mir mit seinem Spiel besondere Freude machte.
Die wirklich festspielwürdige Aufführung entliess ein begeistertes Publikum.
Bei der Aufführung handelt es sich um eine gemeinsame Produktion des Goethe-Theaters Bad Lauchstädt, der Händel-Festspiele Halle, der Festwochen Hannover und des Bayreuther Barock Festivals. Für den Bayreuther Herbst wollte ich mir nach meiner Rückkehr eine Karte sichern. Vergeblich. Ausverkauft.

Halle 2009 018
v.l.n.r. Matthias Vieweg, Heidi Maria Taubert, Paula Turcas, Susanne Kreusch, Luciana Mancini, Florian Götz, Jean-Michel Fumas
Halle 2009 026
Das Ensemble mit dem musikalischen Leiter Wolfgang Katschner

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