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Festspiele 2013 – Tannhäuser

Juli 1, 2013

Mit Richard Wagners Tannhäuser griff nun auch der Generalmusikdirektor in das Münchener Festspielgeschehen ein. Kent Naganos Tannhäuser Interpretation, auch ein Werk, das er erstmals in München und zwar ziemlich spät dirigierte, entwickelte sich mit jeder Wiederaufnahme. Nicht immer gelangen die drei Akte musikalisch gleich stark und vor allem die aktübergreifende musikalische Spannung konnte nicht immer durchgehalten werden. Die Vorstellung am 29. Juni hingegen schien nicht nur Naganos Klangvorstellungen zu verwirklichen, sondern der Orchesterklang war auch für das Publikum, für mich jedenfalls, ein faszinierendes Erlebnis. Hier war vieles zu geniessen, vom transparenten Sound der Instrumentengruppen bis zu wellenhaft sich auftürmenden Klanggebilden im letzten Akt, zwischen rauschhafter Lautstärke und sorgfältigster Sängerbegleitung.

Daniela Sindram, als Venus eingesprungen für die erkrankte Petra Lang, war mehr als nur ein Notbehelf. Das war eine starke Demonstration ihres farbenreichen Mezzosoprans und ihrer glänzenden Gesangstechnik. Etwas mehr Sexappeal ließ vermutlich die Korsage der ursprünglichen „Amtsinhaberin“ nicht zu, die bisher noch jede Nachfolge-Venus nicht so gut aussehen gelassen hatte und wahrscheinlich auch nicht allzu üppige Proben. Besonders freute ich mich auf Anne Schwanewilms‘ Elisabeth. Während die Hallenarie etwas zu zurückhaltend angelegt war, mochte ich sehr ihre innige Interpretation im letzten Akt mit lyrischer Tongebung und klarer Artikulation. Wolfram von Eschenbach wurde von Matthias Goerne verkörpert, der den Abendstern betörend schön sang. Da es sich bei der Tannhäuser Produktion ohnehin nur noch um ein Werk „NACH einer Inszenierung von David Alden“ handelt, kann man über seine offenbare Regieresistenz getrost hinwegsehen. Einen sonoren Eindruck hinterliess Christof Fischesser als Landgraf. Robert Dean Smith gehört zu den von mir meistgeschätzten Wagnersängern. Ich bewundere, wie er trotz einer bereits langen Karriere in diesem Fach, noch immer „singt“ und nicht deklamiert. Er teilt sich die Riesenrolle auch nicht hörbar ein, um am Ende noch Kraft für die Romerzählung zu haben. Seine frappierende Diktion habe ich hier schon oft erwähnt. Gesangstechnik, Diktion, Zuverlässigkeit, Ausdruck – Eigenschaften, die mich am Ende eines Abends mit RDS nicht enttäuscht nach Hause gehen lassen.

Wolframs Mitstreiter im Sängerwettbewerb waren zuverlässig und kompetent aus dem Münchner Ensemble besetzt. Ein nicht namentlich genannter Tölzer Sängerknabe sang einen bezaubernden Hirt, völlig makellos. Ein echtes Talent. Auch im Tannhäuser war wieder der ausgezeichnet vorbereitete Chor der Bayerischen Staatsoper im Einsatz.

Ein sehr gelungener Festspielabend.

Münchner Opernfestspiele 2013
Samstag, 29. Juni 2013

Nationaltheater

Besetzung
Musikalische Leitung Kent Nagano
Nach einer Inszenierung von David Alden
Bühne Roni Toren
Kostüme Buki Shiff
Choreographie Vivienne Newport
Licht Pat Collins
Chor Sören Eckhoff

Hermann Christof Fischesser
Tannhäuser Robert Dean Smith
Wolfram von Eschenbach Matthias Goerne
Walther von der Vogelweide Ulrich Reß
Biterolf Goran Jurić
Heinrich der Schreiber Kenneth Roberson
Reinmar von Zweter Levente Páll
Elisabeth Anne Schwanewilms
Venus Daniela Sindram
Ein junger Hirt / Vier Edelknaben Tölzer Knabenchor

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

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