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Der Fall Rusalka

November 14, 2012

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich mit Martin Kušejs Rusalka Produktion wenig anfangen kann, mochte sie hinsichtlich der Führung des Bühnenpersonals auch noch so brilliant umgesetzt worden sein. Im Zusammenhang mit den derzeit auf Münchner Bühnen präsentierten Werken, spürten AZ-Redakteure der Frage nach, was es bringt, nah am Puls der Zeit zu sein, am Beispiel Rusalka den Fall Natascha Kampusch quasi neu zu verhandeln. Meine Abneigung gegenüber der Produktion geht allerdings nicht so weit, daß ich mich bei interessanten Besetzungen der szenischen Tortur verweigern würde. Von der gegenwärtigen Serie habe ich bereits eineinhalb Vorstellungen hinter mir. Eine weitere steht am kommenden Wochenende an, auf die ich mich besonders freue. Was ich nach dem erneuten Besuch vermelden kann, bestätigt meine anfängliche Abneigung gegen die krasse Aktualisierung des Stoffes, deren Stringenz sich deutlich abgeschliffen hat, was mehrere Gründe haben wird, die ich hier nicht weiter erörtern will. Ausschlaggebend wird sicher der Wechsel in der Besetzung sein sowie manches Bühnendetail, das nun nicht mehr zwingend umgesetzt wird und natürlich der zeitliche Abstand zu der Katastrophe.

Ohne Piotr Beczala, der bereits zu den letztjährigen Festspielen den Prinz sang, hätte ich mich wohl kaum zu einem Besuch durchgerungen. Seine Stimme ist für mich nach wie vor ideal für diese Rolle, sitzt souverän in der Kehle, überstrahlt die Höhenklippen der ersten Akte und bewegt zutiefst im letzten Akt. Beczala gibt jeder seiner vokalen Herausforderungen die passende Farbe, das Quantum Emotion, das es braucht, um zu berühren. Auffällig war wiederum die starke Verbesserung der szenischen Präsenz, die vielleicht mit der sicheren Abrufbarkeit der sängerischen Klasse einhergeht, vielleicht nimmt er ja auch Schauspielunterricht. Ist ja auch nicht wirklich wichtig. Höchst wichtig wäre allerdings mal wieder eine Rasur, denn der Moustache ist nicht wirklich chic, wenn Sie mich fragen. Allerdings fragt mich keiner.

Die neue Rusalka ist Ana Maria Martinez, die ich zum ersten Mal auf der Bühne erlebte. Zunächst erschien ihre Stimme etwas gewöhnungsbedürftig für meine Ohren, die durch ein schnelles leichtes Vibrato gekennzeichnet ist. Am zweiten Abend hat sie mir dann ausgezeichnet gefallen, auch darstellerisch schlug sie sich gut. Ob sie sich allerdings zu den Fischen ins Bassin begab, kann ich aufgrund meiner Sitzposition im rechten Rang nicht sagen.

Günther Groissböcks Kotzbrocken Vodnik war stimmlich gewohnt präsent. Mit der Ježibaba wusste Martin Kušej nicht viel anzufangen, auch die neue Hexe, Birgit Remmert, wirkte irgendwie fehl am Platz. Fehlbesetzt fand ich die fremde Fürstin, Siegerzicke und Opfer gleichzeitig. Nichts davon bei der schrillen Heike Grötzinger. Auffallend gut präsentierten sich die drei Nymphen Laura Tatulescu, Angela Brower und Okka von der Damerau.

Leider kann ich in meine allgemeine Begeisterung über die Sänger das Orchester dieses Mal nicht einbeziehen. Es klang unter dem neuen Dirigenten Mikhail Tatarnikov dumpf, wenig abgestimmt, uninspiriert, laut und die Sänger häufig überdeckend. Rusalka hat man in diesem Haus schon wesentlich besser gehört. Kann es sein, daß sich im Orchester gerade größere personelle Umschichtungen vollziehen? Ich sehe so manchen guten Kopf nicht mehr.

Ich besuchte die Vorstellungen am 5. und am 9. November 2012. Eine weitere Rusalka präsentiert die Bayerische Staatsoper am 16. November 2012.

Besetzung

Musikalische Leitung Mikhail Tatarnikov

Der Prinz Piotr Beczala
Die fremde Fürstin Heike Grötzinger
Rusalka Ana Maria Martinez
Der Wassermann Günther Groissböck
Die Hexe Birgit Remmert
Der Förster Ulrich Reß
Der Küchenjunge Tara Erraught / am 9.11.Iulia Maria Dan
1. Waldnymphe Laura Tatulescu
2. Waldnymphe Angela Brower
3. Waldnymphe Okka von der Damerau
Ein Jäger Tim Kuypers

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

One Comment leave one →
  1. November 14, 2012 20:26

    Danke!
    Very interesting.
    As far as I understood you had to sacrifice yourself for the art:) It is such a pity they torture this wonderful opera… Luckily singers can safe the evening.
    „Allerdings fragt mich keiner“ – hmmm:)))

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