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Festspiele 2012 – Ouverture spirituelle

August 17, 2012

(c) Silvia Lelli, Salzburger Festspiele 2012

Junge Orchester werden zu den Salzburger Festspielen erfreulicherweise häufig eingeladen, vor allem wenn bedeutende Dirigenten sie begründeten oder mit ihnen arbeiten. Claudio Abbado, Gründer und Musikdirektor des Gustav Mahler Jugendorchesters, das ich später im August im Konzert unter Daniele Gatti hören werde, leitete das Orchestra Mozart Bologna, dessen künstlerischer Direktor er ebenfalls ist. Auch Daniel Barenboim war mit seinem West-Eastern Divan Orchestra Anfang in August in Salzburg; neben den anderen Programmen mit jugendlichen Künstlern eine beispielhafte und vor allem kontinuierliche Initiative der Salzburger Festspiele.

In diesem Jahr wurde dem bisherigen Beginn der Salzburger Festspiele eine sog. „Ouverture spirituelle“ vorangestellt, ein Konzertreihe mit geistlicher Musik, aus der ich unter anderem Claudio Abbados Konzert wählte. Zum einen habe ich in den letzten Jahren fast schon ein Faible zu geistlicher Musik entwickelt, andererseits spielte das Konzertprogramm nur eine untergeordnete Rolle; Claudio Abbado macht sich in unserer Region derart rar, daß ich jede Gelegenheit nutzen würde, den Maestro am Pult zu erleben.

Im ersten Teil des Konzertes erklang Wolfgang Amadeus Mozarts Messe c-Moll KV 139 – die Waisenhausmesse von 1786, deren ausgereifte Struktur nicht darauf schließen läßt, daß sie von einem 13-jährigen Kind komponiert wurde. Für die Mozartmesse kamen Roberta Invernizzi, Sara Mingardo, Javier Camarena und Alex Esposito als Solisten zum Einsatz, die mit Orchester und dem Schoenberg Chor ein elegantes, festlich-frohes Klangbild entstehen ließen.

Weniger lebensfroh aber nicht minder feierlich dann das Hauptwerk, Franz Schuberts Messe Es-Dur D 950, letztes geistliches Werk Schuberts, im Jahr seines Todes 1828 entstanden. Die Messe hat einen ruhigen Grundcharakter, ist mehr kontemplativ als katholisch barock. Trotz großer Besetzung war auch hier das Klangbild transparent, die Einzelstimmen gut identifizierbar Der präzise und textverständlich intonierende Arnold Schoenberg Chor unterstützte diesen Eindruck.

Rachel Harnisch war als Sopran in der Schubertmesse eingesetzt, den zweiten Tenor sang Paolo Fanale; Sara Mingardo, Javier Camarena und Alex Esposito bestachen mit ausdrucksvollem Gesang wie bei schon bei Mozart. Als Wohltat empfand ich Sara Mingardos echten Alt; eine veritable Altstimme zu hören passiert viel zu selten und ist einfach schön.

Der Applaus war überschäumend, sicher auch wegen der Freude, Claudio Abbado so vital in Salzburg wieder erleben zu können. Mit Ausnahme eines verwackelten Fotos, das ich machen konnte, als er sich auf Dirigentenpodest unmittelbar nach Ende der Messe verneigte, bekam ich den Maestro nicht mehr vor die Linse. Bescheiden und zurückhaltend hielt sich Claudio Abbado, der als Dirigent vor dem Orchester stehend ausgesprochen hoch gewachsen wirkt, beim Applaus im Hintergrund, versteckte sich fast hinter den Bratschern, als ob er eine Treppenstufe unterhalb stehengeblieben wäre und ließ den Solisten, dem Chor und deren Direktor sowie seinem famosen Orchester die Meriten.

Die Interpreten am 28. Juli 2012 im Haus für Mozart
Claudio Abbado, Dirigent
Rachel Harnisch, Sopran
Roberta Invernizzi, Sopran (nur Mozart)
Sara Mingardo, Alt
Javier Camarena, Tenor
Paolo Fanale, Tenor (nur Schubert)
Alex Esposito, Bass
Arnold Schoenberg Chor
Erwin Ortner, Choreinstudierung
Orchestra Mozart Bologna

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