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Festspiele 2012 – Liedermatinée Christian Gerhaher, Gerold Huber

August 15, 2012

Haus für Mozart

So sieht es im ungeliebten „Haus für Mozart“ aus, wenn sich zwei Weltklasse Künstler anschickt, die populäre „Schöne Müllerin “ zu geben. Anderswo hätte man sich um die Karten gerissen. Nicht so in Salzburg, wo nur lautes Klappern und vorangehender Medienhype den Ticketverkauf fördert. Zu groß und unübersichtlich ist das diesjährige Angebot. Sei’s drum. Die, die da waren, durften sich an Franz Schuberts „Die schöne Müllerin“ D795 erfreuen.

Vor ein paar Monaten gab es ein Video des BR, bei dessen Symphonieorchester Christian Gerhaher diese Saison Artist in Residence ist, über Gerhahers und Hubers Arbeit an der Interpretation der Schönen Müllerin. Ich muss unbedingt recherchieren, ob dieses Video noch verfügbar ist.Im Programmheft zu der Matinée erklärt Christian Gerhaher, warum er und Gerold Huber dem Zyklus drei Gedichte Wilhelm Müllers hinzugefügt haben, die Schubert nicht vertont hat und wie diese sich in die Aufführungspraxis einfügen.

„Das Mühlenleben“, als Rezitation eingefügt zwischen Der Neugierige und Ungeduld, „Erster Schmerz, letzter Scherz“ zwischen Eifersucht und Stolz und Die liebe Farbe und „Blümlein Vergißmein“ zwischen Die böse Farbe und Trockne Blumen erhellen nicht nur die Charaktere der Müllerin und des Müllers und tragen zum tieferen Verständnis der Lyrik bei. Die Gedichte zeigen (vor allem) mit welch wunderbarer Sprechstimme Christian Gerhaher auch gesegnet ist.

Die symbiotische Zusammenarbeit zwischen den beiden Musikern zeigte sich auch oder gerade an der Schönen Müllerin. Hier merkt man die Auseinandersetzung (nicht daß diese sonst nicht spürbar wäre), aber auch die tiefe kulturelle Verwurzelung. Die Empfindung (meine) ist, als ob alles spontan und unmittelbar ausgedrückt würde, so jedenfalls fließen Musik und Text und vermittelt sich die Seelenlage des Müllergesellen. Natürlich ist das nicht spontan sondern Ergebnis vieler Proben.

Ein pausenloser musikalischer Vormittag. Natürlich keine Zugabe. Ovationen.

10. August 2012, Salzburg, Haus für Mozart

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