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Festspiele 2012 – Tosca – Bay. Staatsoper

Juli 24, 2012

Ich kann es nicht verhehlen, auch nach viertägigem Nachdenken hat sich meine Haltung zur Tosca nach Luc Bondy Art nicht geändert. Die neue Inszenierung ist ein Alter Hut, fad, fahl und plüschig, einer Bayerischen Staatsoper unwürdig. Auch Kostüme und Masken tragen nicht dazu bei den tristen Eindruck zu heben. Sie verunstalteten schon die Premierenbesetzung und sie passen auch jetzt nicht. Doch nun zu Erfreulicherem; die triste Bühne kann in der Fotogalerie der Bayerischen Staatsoper besichtigt werden, falls daran Interesse besteht.

Sex sells, war sicher eine der Intentionen hinter den leiblichen Genüssen des Barons Scarpia im Palazzo Farnese. Was an der Met bei der ersten Premiere noch aufregend war, entlockte im barocken München schon niemand mehr eine Regung. Bisher. Denn der neue Scarpia, Bryn Terfel, ließ darstellerisch nichts anbrennen, stimmlich schon gar nicht. Die Madonna verhöhnte er nicht beim Te Deum, im Palazzo allerdings gings es zur Sache. Ein Bad Boy (unpassend ist sein CD Titel jedenfalls nicht). So widerlich Bryn Terfel Scarpias elenden Charakter darstellte, so treffend und grandios war sein Gesang, große Power und das ganze Spektrum an Ausdruck, das ein Teufel nur haben kann. Catherine Naglestad, unsere wunderbare Siegfried-Brünnhilde, hatte zunächst mit ihrer Garderobe zu kämpfen, wodurch die Konzentration auf den Gesang wohl etwas litt, übertrumpfte darstellerisch alle bisher in diesem Bühnenbild gesehenen Toscas und überzeugte schlußendlich mit einem sauber und schön gesungenen „Vissi d’arte“. Massimo Giordano war ein guter Cavaradossi, soweit ich das beurteilen kann, die Rolle dürfte allerdings schon in einem Grenzbereich für seine Stimme liegen. Ich mag aber ohnehin mehr den lyrischen Touch, so daß ich die etwas fehlende Durchschlagskraft und Dramatik beim „Vittoria“ nicht als Mangel empfand. In den getrageneren Szenen war er perfekt, die Höhen saßen ohne übermäßig zu forcieren. Hat mir gut gefallen.

Marco Armiliato dirigierte auswendig, nicht zum Nachteil des inspirierten Orchesters und der Sänger, solide. Chor und Nebenrollen kommen hier leider immer etwas zu kurz, waren aber, wie meistens im Nationaltheater recht gut. Tosca steht und fällt nun mal mit den drei Hauptdarstellern

Riesenapplaus, orkanartig für den Bösen Buben aus Wales, der leider viel zu selten in München zu erleben ist.

Ich besuchte die Aufführung am 21. Juni 2012


Besetzung

Musikalische Leitung Marco Armiliato
Inszenierung Luc Bondy
Bühne Richard Peduzzi
Kostüme Milena Canonero
Licht Michael Bauer
Chor Stellario Fagone

Floria Tosca Catherine Naglestad
Mario Cavaradossi Massimo Giordano
Baron Scarpia Bryn Terfel
Cesare Angelotti Goran Jurić
Der Mesner Christoph Stephinger
Spoletta Francesco Petrozzi
Sciarrone Christian Rieger
Stimme eines Hirten Tölzer Knabenchor
Ein Gefängniswärter Tim Kuypers

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

One Comment leave one →
  1. baerbl wagner permalink
    Juli 26, 2012 08:09

    Liebe Rossignol,

    Die Inszenierung der Tosca finde ich auch nach wie vor „langweilig“. Aber wir haben doch schon „Schlimmeres“ gesehen!!! Bryn Terfel ist für mich der beste Scarpia seit Ruggiero Raimondi. Stimmlich und darstellerisch bringt er den fiesen Charakter der Figur optimal auf die Bühne. Catherine Nagelstad hat mir allerdings als Brünhilde wesentlich besser gefallen. Als Tosca hat mich ihr sehr starkes Vibrato in der Stimme gestört. Massimo Giordano fand ich für eine Festspielaufführung sehr dürftig. Töne mit „Schluchzen“ in die Höhe ziehen und fast nur Forte – das ist doch zu wenig. ( Das klingt jetzt hart). Aber wie schon so oft gesagt, Stimmen sind immer einer subjektiven Bewertung unterworfen.
    Den Liederabend mit Garanca konnte ich leider nicht wahrnehmen.
    Am Freitag gehe ich noch in die Traviata mit Harteros, Vargas und Keenlisyde. Das ist dann für mich der Abschluss der Festspiele.
    Ich hoffe, wir sehen uns dann in der neuen Saison wieder. Bis dahin eine gute Zeit und liebe Grüße
    Bärbl

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