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Festspiele 2012 – Wozzeck

Juli 22, 2012

Beim gestrigen Wozzeck, eine Produktion des Regisseurs Adreas Kriegenburg, kam mir spontan der Gedanke, daß die Idee des Körpertheaters, das er zumindest teilweise grandios in der Ring-Inszenierung verwirklicht hat, offenbar schon bei der Realisierung des Wozzeck ein paar Jahre zuvor eine Rolle spielte.
Auch nach der Übergabe des Dirigates von Kent Nagano an Lothar Koenigs zählt diese Produktion nach meinem Empfinden zum Besten, was man im Repertoire der Bayerischen Staatsoper erleben kann. Auch nach mehrmaligem Besuch regte mich das Schicksal Wozzecks, die Eskalation seines Geisteszustand, hervorgerufen durch Unterwerfung und durch Armut, die Umgebung, in der so etwas geschehen kann, unendlich auf. Ich hätte den ganzen Abend weinen können.

Ich war sehr gespannt darauf, wie Simon Keenlyside nach Michael Volles faszinierenden Vorstellungen Wozzeck interpretieren würd. Nie hat mir mein frisch erworbenes Opernglas bessere Dienste getan. Obwohl man auch ohne Vergrößerung die Veränderung der Person Wozzecks gut beobachten kann, gab der Blick durchs Glas Aufschluß über Wozzecks erschütternde Mimik, eine schauspielerische Meisterleistung von Simon Keenlyside. Am Ende kauerte er sich sogar mangels der eigentlich vorgesehenen Matraze ins pure Moorwasser. Welch ein grandioser Sänger und Darsteller.

Gleiches kann ich guten Gewissens von der Marie des Abends behaupten. Waltraud Meier – ich habe ihre Kunst schon des öfteren in meinem Blog gepriesen – übertraf meine Erwartungen noch an Intensität des Ausdruckes. Stimmlich scheint sie sich in einem Hoch zu befinden. Ich freue mich schon auf ihre Isolde.

Die wunderbare übrige Besetzung stand den Hauptdarstellern wie schon in den vorigen Serien nicht nach. Mucksmäuschenstilles Publikum in einer Aufführung ohne Pause. Ovationen für Orchester und Sänger.

Bilder vom Schlussapplaus nach einem denkwürdigen Opernabend.

Besetzung
Musikalische Leitung Lothar Koenigs
Inszenierung Andreas Kriegenburg
Bühne Harald B. Thor
Kostüme Andrea Schraad
Licht Stefan Bolliger
Choreographie Zenta Haerter
Chor Sören Eckhoff
Dramaturgie Miron Hakenbeck

Wozzeck Simon Keenlyside
Tambourmajor Roman Sadnik
Andres Kevin Conners
Hauptmann Wolfgang Schmidt
Doktor Clive Bayley
1. Handwerksbursche Christoph Stephinger
2. Handwerksbursche Francesco Petrozzi
Der Narr Kenneth Roberson
Marie Waltraud Meier
Margret Heike Grötzinger

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper
Kinderchor der Bayerischen Staatsoper

2 Kommentare leave one →
  1. baerbl wagner permalink
    Juli 23, 2012 15:24

    Liebe Rossignol,

    die gestrige Wozzeck-Aufführung hat mich – nun schon zum wiederholten Male – wieder tief beeindruckt.Waltraud Meier als Marie – besser kann man diese sperrige Partie nicht singen und gestalten. Simon Keenlyside als Wozzeck: auch ganz fantastisch. Als Opernsänger gefällt er mir besser als im Liedgesang. Er braucht meines Erachtens die Darstellung auf der Bühne; so kommt seine schöne Stimme voll zur Entfaltung. Das Orchester präsentierte sich wieder auf ganz hohem Niveau. Und diese Kriegenburg – Inszenierung geht immer wieder „unter die Haut“. Ein großer Opernabend.
    Liebe Grüsse,
    Bärbl

  2. Puccini_Fan permalink
    Juli 23, 2012 17:31

    In München gibt es dieser Tage wohl ganz herausragende Opernabende. Zuerst die Gheorghiu/Calleja-Boheme und nun den Wozzeck in Spitzenbesetzung.
    Simon Keenlyside ist ein faszinierender Sängerdarsteller, der immer voll in seinen Rollen aufgeht. Sein Wozzeck ist ein erschütterndes Rollenportrait, gesanglich und darstellerisch zum Niederknien. Als Wozzeck ist er derzeit wohl konkurrenzlos. Letzten Monat sang und spielte er einen herausragenden Rodrigo in Verdi’s Don Carlo an der Wiener Staatsoper. Als Liedersänger gehört er auch zweifellos zu den Größten.

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