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Festspiele 2012 – Liederabend Jonas Kaufmann

Juli 19, 2012

Ja, er sang. Nein, die Stimme ist nicht kaputt. Ja, er sang gut. Ja, er sah gut aus.
Jonas Kaufmann Liederabend, in Smoking im Frack und frisch getrimmter Frisur. Damenriege mit Blümchen. Alles wie immer. Und auch wieder nicht.

Ich musste ein bißchen überlegen, ehe ich ein Schlagwort fand, um Jonas Kaufmanns und Helmut Deutschs Vortrag von Schuberts Winterreise zu einzuordnen. „Unprätentiös“ ist der Ausdruck meiner Wahl. Unprätentiös, selbstverständlich, in sich ruhend und konzentriert fand ich Jonas Kaufmanns Gesang. Ich hatte gestern Abend schon getweeted, daß ich mich fühlte als hätte ich einen tollen Sänger zu Besuch bei meinem Hausmusikabend. Noch etwas aufgeregt bei „Gute Nacht“, wunderbaren Momenten mit Lindenbaum und Wirtshaus, endete der Abend mit einem atemraubend schönen Leiermann. Hört sich etwas so selbstverständlich und organisch an, geht meist eine starke Anstrengung und die Auseinandersetzung mit dem Werk voran und nur mit perfekten technischen Mitteln ist eine solche Wirkung zu erzielen. Ich werde mich nun nicht in die Beurteilung der einzelnen Stücke einlassen, sondern möchte gerne den Abend so in Erinnerung behalten wie er gewesen ist, nicht perfekt in jeder Hinsicht, aber so schön und einprägsam.

Ich habe im Nachgang zu dem Konzert ein bißchen recherchiert, um herauszufinden, was Kaufmanns Interpretation denn unterscheidet von bisher gehörten. Wer Dietrich Fischer Diskaus Textbehandlung sucht, wird das vergebens darin tun. Dann fand ich bei youtube eine Aufnahme mit Hermann Prey, der einen ähnlich unverkrampften Zugriff auf die Winterreise hatte. Und siehe da, Hermann Preys Begleiter am Klavier war Helmut Deutsch.

Vielleicht überlegen sich die Veranstalter doch noch, auch Kaufmanns Liederabende zukünftig ins Prinzregententheater zu verlegen. Entweder hört man dort die Husterer nicht so sehr oder sie husten dort nicht. Einziger Wermutstropfen in einem tollen Liederabend.

Und hier ein kleines Video mit ein bißchen Schlussapplaus.

15 Kommentare leave one →
  1. Juli 19, 2012 11:12

    I have read that they moved Kaufmann’s recitals a couple of years ago from the Prinzregententheater to the Nationaltheater because of complaints about not enough tickets. Too bad that he can’t do 2 recitals at Prinzregententheater instead.

    I wonder if size of the venue does have something to do with the coughing? Because I saw his recital at the Met (huge) and the coughing was equally huge!

    Thanks for your impressions. I love your description of the Hausmusik (despite being in the large venue).

    • Juli 19, 2012 16:24

      Hi Ivis,
      Hausmusik in this case means for me a most private/intimate interpretation at highest voice quality. I thought I should point out this. Indeed Prinzregententheater would have been the more appropriate place for this concert genre.

      Thanks for commenting.
      rossignol

  2. baerbl wagner permalink
    Juli 19, 2012 13:54

    Liebe Rossignol,

    ich fand gerade diesen Liederabend sehr beeindruckend. Jonas Kaufmann hat so innig,berührend und für mein Empfinden zu Herzen gehend gesungen! Dazu noch der einfühlsame Begleiter Helmut Deutsch! Ich bin nachhaltig beigeistert!
    Und noch dazu als „Jonas-Fan“ ganz glücklich, dass er wieder gesund ist und stimmlich in bester Verfassung. Ein Abend, der noch lange nachwirkt!

    Liebe Grüße
    Bärbl

    • Juli 19, 2012 16:18

      Liebe Bärbl,
      gerade das auch für mich Besondere an dem Abend wollte ich oben herausstellen, trotz meiner gelegentlichen Kritik. Ich hoffe, das ist mir gelungen. Es war auch für mich wegen der vermeintlichen Schlichtheit ein ganz besonders schöner Liederabend.
      Viele Grüße
      rossignol

  3. Christel Mangold permalink
    Juli 19, 2012 18:48

    ich war gestern Abend auch im Liederabend und fand ihn atemberaubend und ausdrucksstark
    gesungen

  4. Juli 19, 2012 19:23

    Es war ein ganz besonderer Abend; ich kann mich nicht erinnern, eine so innige Winterreise gehört zu haben.
    Übrigens trugen beide Frack ;-))

  5. Juli 20, 2012 01:55

    Soweit ich mich erinnern kann hat Jonas einmal erwähnt dass seine Liederabende auf seinen Wunsch hin in das Nationaltheater verlegt wurden (wie vorher schon einmal der von Quasthoff). Jonas erster Münchner Liederabend, im Prinzregententheater, war auch schon ausverkauft. Die Verlegung in das Nationaltheater sollte es mehr Leuten ermöglichen ein Ticket zu bekommen. Dummerweise reicht es immer noch nicht🙂, ich glaube sie hätten diesen Liederabend gut zweimal ausverkaufen können.

  6. operanuts permalink
    Juli 20, 2012 15:57

    Haben Sie Mauró s Kritik in der SZ gelesen, rossignol?

  7. operanuts permalink
    Juli 20, 2012 16:20

    Das Publikum ist einem „Herz aus Plastik“ begegnet.
    (einfach nach dem Begriff suchen, ist online, will den link hier nicht posten)

    • Juli 20, 2012 17:04

      Danke, gefunden. Ist wohl in der heutigen Printausgabe. Mauró entblößt sich auf ganz eigene Art.

  8. Juli 20, 2012 17:25

    Wer da jetzt ein Herz aus Plastik hat, muss wohl nicht näher erläutert werden …
    Mauró deklassiert sich selbst.

  9. Hildegard Elias-Nieland permalink
    Juli 20, 2012 19:43

    Danke Rossignol,
    ich war auch in dem Liederabend.Meine Begeisterung kann man in Deinem Video sehen. Ich hatte von der Prioszeniumsloge die weißen Rosen hinabgeworfen, eine für Helmut Deutsch und eine für Jonas Kaufmann.Ich liebe diese beiden wunderbaren Menschen und die Winterrreise war so hervorragend dargeboten, dass es sehr zu Herzen ging-. Vor allem sind wir so froh, dass er wieder da ist. Danke für das Video, damit hast u mich verewigt..

  10. michaela permalink
    Juli 28, 2012 20:50

    Die Kritik von Helmut Mauro war für mich wiederum eine Bestätigung, die SZ hinsichtlich Musikkritiken nicht ernstzunehmen. Die Frage, die ich mir unweigerlich gestellt habe, ist die, warum man überhaupt so eine Musikkritik liest: Wenn man im Publikum dabei war, möchte man sich in mancher Hinsicht doch in seinem Eindruck wiederfinden, andererseits aber auch vom „Fachmann“ Anregungen für eine erweiterte Sichtweise mitnehmen. Und wenn man nicht das Glück hatte, dabei sein zu können, so möchte man doch einen authentischen Eindruck der Vorstellung bekommen.
    So habe ich das in Amerika auch meist erfahren und habe morgens schon voller Erwartung die Zeitung verschlungen. Und da habe ich NIEMALS von Plastikherzen oder heißen Kartoffeln gelesen. Das ist Boulevardzeitungsniveau!
    Danke Rossignol, für Deine Kritik!
    Der Liederabend war bezaubernd und leider allzu schnell vorbei!

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