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Staatstheater Nürnberg „Die Sache Makropulos“

Juni 7, 2012

Letzte Woche hatte hatte ich endlich Gelegenheit, die letztes Jahr in Straßburg verpasste hochgelobte Inszenierung von Robert Carsen von Leoš Janáceks „Vec Makropulos“ zu erleben, eine Koproduktion mit der Opéra National du Rhin und dem Gran Teatro La Fenice.

Zum einen ist da die Geschichte um einen in Prag in den dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts stattfindenden, nicht enden wollenden Prozess über ein Testament, an dem die Sängerin Emilia Marty sich sehr interessiert zeigt und erstaunlich viele Details zu Vorgängen beitragen kann, die hunderte Jahre zurückliegen. Von ihrem Vater war sie als Versuchsobjekt für ein Serum benutzt worden, das dem Kaiser Rudolf II 300 Jahre Jugend verheißen sollte. Diese Frist war nun um. Emilia Martys ganzes Streben geht danach, in den Besitz der Rezeptur zu gelangen, die ihr Leben um weitere 300 Jahre verlängern könnte. Sie hatte sie einem früheren Liebhaber übergeben hatee, der sie seinem Urenkel vererbt hatte. Darum ging der Prozess.

Im Kern des Stückes steht aber natürlich das Streben des Menschen nach ewiger Jugend, nach Unsterblichkeit und die mögliche Erkenntnis, daß ein Leben in der Wiederholungsschleife vielleicht doch nicht das Maß aller Dinge sein kann und der Sinn des Lebens eigentlich seine Endlichkeit ist. Eine schmerzhafte Erkenntnis nicht nur für Emilia Marty.

Szenisch beginnt die Oper wie sie endet. Schon während des Vorspiels schlüpft die berühmte Opernsängerin Emilia Marty in das Kostüm der Rolle, die sie jeweils zu verkörpern hat und tritt ins gleissende Bühnenlicht, um nach ihrem glanzvollen Auftritt erschöpft zurückzukehren, die Blumen zu entsorgen und einen Schluck zu nehmen. Bei ihrer letzten Vorstellung ist das nicht anders, zum Griff zum Glas kommt es allerdings nicht mehr. Der Tod kommt ihr zuvor. Die rasch aufeinander folgenden Kostümwechsel während des Vorspieles lassen die Marty Rollen leicht erkennen; Tosca, Violetta, Turandot, etc. In einem Turandot Bühnenbild spielen auch Teile des letzten Aktes. Ansonsten besteht die Szenerie aus der Sicht auf eine Bühne hinter dem Vorhang, für die Szenen in der Anwaltskanzlei werden Aktenregale aus den Kulissen gefahren, die letzte Szene spielt wiederum hinter dem geschlossenen Theatervorhang im Hintergrund und einem Schminktisch. Die Ausstattung, Kostüme und Bühne, unterstreicht geschmackvoll die komplizierte Geschichte, ohne davon
abzulenken.

Janáceks Oper ist ein Konversationsstück und lebt von Zusammenspiel von Sprache und Musik. Sie wurde präzise einstudiert und von den Sängern sehr engagiert umgesetzt. Überragend war Mardi Byers in der Rolle der E.M., stimmlich überwältigend und mit einer grandiosen Bühnenpräsenz. Die übrigen Darsteller standen ihr nur wenig nach, die ich einzeln aber zu wenig kenne, um ihre Leistungen angemessen zu würdigen. Auf jeden Fall erlebte ich ein Klasse-Ensemble. Wiederholungstat trotz der Anreise aus München nicht ausgeschlossen.

Einen großen Anteil an der Umsetzung und den Erfolg des Abends kommt dem jungen Dirigenten Philipp Pointner zu, der die Staatsphilharmonie zu einer Klangfarbenpracht regelrecht verführte, immer transparent blieb und das Zusammenspiel von Sprache und Musik verwirklichte. Eine beeindruckende Leistung von Orchester und Dirigent.

Die Oper Nürnberg kann stolz sein, Leoš Janáceks „Vec Makropulos“ in dieser Inszenierung und dieser Qualität zustandegebracht zu haben und diesen Stolz spürt man auch ein bißchen im Gespräch.

Unbedingt erwähnen möchte ich die angenehme Atmosphäre in Nürnbergs Opernhaus, angefangen beim Einlaßpersonal und endend beim gastronomischen Angebot, das seinesgleichen unter Opernhäusern suchen lässt. Auffallend auch das kommunikationsfreudige Nürnberger Publikum; ich habe selten so viele interessante Opernbesucher an einem Abend getroffen. Leider war die Vorstellung am 2. Juni wohl auch wegen der Pfingstferien bei weitem nicht ausverkauft. Das Stück verdient ein volles Haus.

Staatstheater Nürnberg
Weitere Vorstellungen: Sonntag, 10.06.2012 15:30 Uhr • Sonntag, 17.06.2012 19:00 Uhr • Dienstag, 19.06.2012 20:00 Uhr • Sonntag, 08.07.2012 19:00 Uhr • Montag, 16.07.2012 20:00 Uhr • Dienstag, 23.10.2012 20:00 Uhr

Besetzung:
Mardi Byers (Emilia Marty), Michael Putsch (Albert Gregor), Martin Nyvall (Vítek – Sollizitator in der Kanzlei), Judita Nagyová (Krista), Kurt Schober (Jaroslav Prus), Martin Platz (Janek), Gustáv Belácek (Dr. Kolenatý – Advokat), Taehyun Jun (Ein Theatermachinist), Joanna Limanska-Pajak (Eine Aufräumefrau/Kammerzofe Emilias), Richard Kindley (Hauk-Šendorf),

Schlußvorhang


Mardi Byers


Großer Applaus für das Orchester

2 Kommentare leave one →
  1. Evi permalink
    November 17, 2012 13:05

    Den Kommentar zum Haus fand ich soeben im aktuellen Nürnberger Impuls-Heft wieder – die scheinen sich über das Lob hier sehr gefreut zu haben!

  2. November 17, 2012 17:46

    Das freut mich nun wiederum sehr. Vielen Dank für die Information und liebe Grüße.
    rossignol

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