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La Cenerentola, Stars und Sternchen

Juni 5, 2012

Kaum aus Salzburg zurück, „musste“ ich schon wieder in die Oper. Irgendjemand hat in meine Kartenbestellungsroutine einen gewaltigen Wurm gebracht. La Cenerentola stand auf dem Programm der Bayerischen Staatsoper, kein unbedingtes Muß mehr, da ich die Ponelle Inszenierung schon oft gesehen habe. An einer so vielversprechenden Besetzung, wie sie die Bayerische Staatsoper derzeit aufbietet, kam ich natürlich nicht vorbei; eine spätere Aufführung der Serie hätte es auch getan.

Clorinda, Dandini, Cenerentola, Don Magnifico, Ramiro, Tisbe beim „Chi più sgruppa, più raggruppa“.Szenenfoto von der HP der Bay, Staatsoper


Natürlich ist die schwarzweiße Szenerie inzwischen etwas angestaubt, aber immer noch nett anzusehen und gut bespielbar, vor allem wenn so gut einstudiert wird, wie es an der Bayerischen Staatsoper derzeit erfreulicherweise üblich ist. Sind die hauseigenen Sänger, häufigen Gastsänger und der Chor gut vorbereitet, wie es hier der Fall war, ist das Nest für die eingeflogenen Sängerstars wie Joyce DiDonato oder Lawrence Brownlee bereitet, und die Vorstellung gerät nicht nur zum Stimmenfest. Es funkelte also auf der Bühne des Nationaltheaters.

Hinreissend komisch verkörperten Eri Nakamura und Paola Gardina Cenerentolas schrullige Schwestern Clorinda und Tisbe. Nikolay Borchev hätte ich als Dandini fast nicht erkannt, so sehr hat sich seine Stimme verändert und gefestigt, klingt weniger hektisch und gefiel mir trotz des veränderten Klanges außerordentlich gut. Alessandro Corbelli hatte wohl nicht seinen allerbesten Stimmtag an diesem Dienstag, was allerdings sein komödiantisches Spiel kompensierte. Dafür war der spielfreudige Alex Esposito als Alidoro gut in Form. Joyce DiDonatos Bühnenpräsenz ist raumfüllend. Nie und nimmer nimmt man der selbstbewussten Person neben dem Herdfeuer ein dauerhaftes Dasein als Aschenputtel ab, leicht wird es der Don Ramiro mit ihr nicht haben. Joyce DiDonatos einnehmende Ausstrahlung, die gut geführte, herrlich sichere Koloraturen versprühende Mezzostimme – eine Freude zum Anhören und Zuschauen. Dennoch wage ich die Behauptung, daß die Stimme nach Größerem drängt und es mit der Cenerentola in nicht allzu ferner Zeit vorbei sein wird. Mit Lawrence Brownlee hatte man als Don Ramiro einen Rossini Tenor par excellence engagiert. Er begeisterte mich schon, als ich ihn an der Met in La Fille du Régiment hörte, und der Eindruck bestätigte sich auch in dieser Vorstellung. Kernig, hell, aber mit Volumen, agile Koloraturen, kein Meckertimbre, sichere Höhe, knackige Erscheinung – der ideale Rossini Tenor. Bravo.

Der Dirigent des Abends, Antonello Allemandi, ließ laufen. Die leichten Anfangsschwankungen des ansonsten ordentlichen und gut spielenden Chores hatten keine negativen Folgen.

Resümée: Ein Klasse-Repertoireabend. Warum aber bitte muß diese Inszenierung während der Festspiele gezeigt werden?

Besetzung

Musikalische Leitung Antonello Allemandi
Inszenierung Jean-Pierre Ponnelle
Bühne und Kostüme Jean-Pierre Ponnelle
Chor Stellario Fagone

Don Ramiro Lawrence Brownlee
Dandini Nikolay Borchev
Don Magnifico Alessandro Corbelli
Clorinda Eri Nakamura
Tisbe Paola Gardina
Angelina (Cenerentola) Joyce DiDonato
Alidoro Alexander Esposito

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

One Comment leave one →
  1. Juni 11, 2012 10:59

    Liebe Rossignol,
    es war wirklich ein vergnüglicher Opernabend. Vielleicht sehen wir uns ja bei den Opernfestspielen bei uns in München – es ist ja bald soweit. Liebe Grüße
    Bärbl Wagner

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