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Salzburger Pfingstfestspiele 2012 – Cleopatra Sensuale

Juni 3, 2012

Konzertante Aufführung von Cléopâtre, Oper von Jules Massenet am 27. Mai 2012

Cléopâtre – Sophie Koch, Ludovic Tézier, Sandrine Piau, Benjamin Bernheim, Mariangela Sicilia, Omar Montanari, Jean-Luc Ballestra, Biagio Pizzuti, Vladimir Fedoseyev (Dirigent)

Cléopâtre, entstanden 1911/1912, ist Jules Massenets letzte Oper. Sie wurde erst nach seinem Tod uraufgeführt (1914 in Monte Carlo). Das Libretto wurde verfasst von Louis Payen. Bis heute wird das Werk so gut wie nie szenisch aufgeführt und so war es für mich die allererste Begegnung mit dieser Oper, und da ich mangels tieferer Kenntnis keine vernünftige Aussage machen kann, würde ich gerne den letzten Absatz aus dem Programmheft der Salzburger Aufführung zitieren und hoffe, das ist gestattet. Der Aufsatz stammt von Prof.Dr. Jürgen Maehder.

Die von Louis Payen imaginierten Szenenbilder, von dem Moment der ersten Begegnung zwischen Cléopâtre und Marc-Antoine am Ufer des Kydnos (erster Akt) über die Hochzeitsszene zwischen Octavie und Marc-Antoine in Rom (zweiter Akt, erstes Build), die Taverne des Amnhès in einer Vorstadt von Alexandria (zweiter Akt, zweites Bild) und die Gärten der Cléopâtre (dritter Akt) bis zur Sterbeszene vor dem Eingang von Cléopâtres Grabmal (vierter Akt), ließen weiten Raum für die wirkungsvolle musikalische Evokation exotischer Schauplätze. Während sich Massenet bei der Gestaltung des römischen Lokalkolorits weise Zurückhaltung auferlegte und besonders die politischen Aspekte des römischen Imperiums eher summarisch mit Musik bedachte, entzündete sich seine phantasie an den Schauplätzen ägyptischer Dekadenz, besonders wenn diese mit einer für die psychologische Charakteristik von Cléopâtre offenbar konstitutiven Grausamkeit gekoppelt waren. Nach der Gefangennahme des Spakos auf Cléopâtres Befehl und nach ihrem Versuch, sich an dem Schauspiel der Vergiftung eines Sklaven zu weiden, der nur das Eingreifen Marc-Antoines verhindert wird (dritter Akt), zelebriert die dekadente Atmospäre des Librettos einen Höhepunkt in der prolongierten Sterbeszene des vierten Aktesm der gleichsam als Abschiedsmonolog Cléopâtres angelegt ist. Während bereits zu Beginn des Aktes die Leichen von zwei Sklaven das Bühnenbild bereichern, folgt mit der Tötung des Spakos von der Hand Cléopâtres, mit dem Selbstmord Marc-Antoines und mit dem auf der Bühne dargestellten Verlöschen der Cléopâtre unter der Wirkung des Schlangengiftes eine wahre Gewaltorgie, deren musiklaische Ausgestaltung zu den beeindruckendsten Momenten der Partitur zählt. Ganz im gegensatz zu der vielhundertjährigen Tradition der Kleopatra-Darstellung in Teichoskopie stellte Massenets Oper die Sterbeszene in den Vordergrund seiner Operndramaturgie – gleichsam als nähme nicht Cléopâtre Abschied von der Welt, sondern als feiere auch die traditionelle Handlungsdarstellung in der Großen Oper ihr letztes Siechtum mit einer würdigen Abschiedsszene.

Mich beeindruckte die Aufführung, angefangen von der Instrumentenausstattung mit exotischen Schlaginstrumenten, den gewaltigen, herausfordernden Chorszenen, die der Bachchor bravourös meisterte über das glänzend präparierte und von Vladimir Fedoseyev umsichtig und temoeramentvoll geleitete Mozarteumsorchester bis hin zu den Solisten. Sophie Koch formte die schillernde Hauptfigur mit ihrer einfühlsamen, raffinierten Interpretation, Sandrine Piau war mit ihrem glockenreinen Sopran als Octavie die Gegenspielerin um die Gunst Marc-Antoines. Ludovic Tézier hörte ich zum ersten Mal auf der Bühne und mir hat sein kräftiger Bariton, der über eine schöne Palette verfügt zugesagt. Auffallend gut sang Bejamin Bernheim den Spakos, offenbar ein weiterer Tenorsprößling aus der Zürcher Schmiede.

Dieser höchst erfreuliche Pfingstsonntag-Vormittag in der Felsenreitschule brachte die Bekanntschaft mit einem Werk, das ich sonst wohl nie gehört hätte, vor allem nicht in einer derart hochklassigen Besetzung:

Cléopâtre – Sophie Koch
Marc-Antoine – Ludovic Tézier
Spakos – Benjamin Bernheim
Octavie – Sandrine Piau
Cahrmion – Mariangela Sicilia
Ennius – Omar Montanari
Amnhès – Jean-Luc Ballestra
L’esclave – Biagio Pizzuti

Mozarteumorchester Salzburg
Salzburger Bachchor
Musikalische Leitung – Vladimir Fedoseyev

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