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Salzburger Pfingstfestspiele 2012 – Cleopatra Tragica

Juni 3, 2012

Ein weiteres Konzertprogramm ereignete sich am Pfingstmontag. Unter dem Titel Cleopatra tragica erklang

  • La Mort de Cléopâtre von Hector Berlioz, Scéne lyrique für Sopran und Orchester
  • Rinaldo von Johannes Brahms, Kantate für Tenor, Männerchor und Orchester
  • An den Start gingen ausschließlich von mir sehr geschätzte Interpreten, was auch ausschlaggebend war für meine Entscheidung für Salzburg in diesem Jahr.

    Eine geeignetere Interpretin als Vesselina Kasarova hätte man für La Mort de Cléopâtre aus meiner Sicht nicht finden können. Die Verve, sich einer Rolle auszuliefern, ihr Einfühlsvermögen in einen Charakter – das ist es, was Vesselina Kasarova auszeichnet und was zu überwältigenden Ergebnissen führt, wenn ihre Stimme sitzt wie sie es derzeit ohne Zweifel tut. Ihre Stimme hat ein unvergleichliches Farbenspektrum, mit dem sie eine Szene alleine mit ihrem Gesang visualisieren kann. Atemberaubend, wie Cléopâtre am Ende ihr Leben aushaucht. Wenn es denn schon Abschied vom Belcanto sein muß, dann bitte noch mehr Französisches Repertoire, das Vesselina Kasarova ideal zu liegen scheint. Das Publikum feierte die Künstlerin mit Ovationen nach diesem wirklich spektakulären Konzert.

    Das 7-teilige Werk des jungen Hector Berlioz, das 1928 als Beitrag zu einem Wettbewerb entstand,dessen Inhalt vorgegeben war, behandelt Kleopatras Entschluss zum Freitod nach dem Verlust ihrer Königinnenwürde. Es hat eine sich heute fast konventionell anhörende Instrumentierung mit wunderbar gestalteten Elementen, wie der Einleitung zu „Meditation. Largo misterioso“, die ein Pizzicato der tiefen Streicher enthält, unterlegt von tieftraurigen Tönen der Bläser, an dem ich mich nicht satthören konnte und das ich seither mehrmals nachhörte (dank dem ORF und 7 Tage Ö1). Fast unnötig zu erwähnen, daß das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der musikalichen Leitung von John Eliot Gardiner ein genialer Partner der Interpretin war.

    Männerchor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Sir John Eliot Gardiner

    Das zweite Werk der Matinée steht etwas ausserhalb der Kleopatra-Thematik, immerhin erliegt auch Rinaldo der Verführung, jener der Zauberin Armida. Und auch diese Konstellation ist eine exotische, eine Aussenseiter-Verbindung zwischen dem Kreuzritter Rinaldo und der Heidin Armida. Allerdings kriegt Rinaldo durch nachdrücklichen Zuspruch seiner Mitreisenden am Ende die Kurve und kehrt in den Kreis der Kreuzritter zurück. So stellte man sich im beschaulichen Weimar des J.W. von Goethe, von dem der Kantatentext stammt, exotische Inseln und Seeabenteuer vor. Natürlich sind meine Ohren Brahms mehr gewohnt als Berlioz und so klingen vor allem die Chorteile vertraut, sie haben teilweise etwas volksliedhaftes. Der von Michael Gläser einstudierte große Männerchor des Bayerischen Rundfunks – ich denke, es waren etwa 60 Sänger auf der Bühne – bestachen vor allem durch Musikalität, Rhythmik und Textverständlichkeit und hinterliessen einen glänzenden Eindruck wie immer.

    Piotr Beczala ist nicht nur inzwischen ein „Startenor“ sondern ein ausgesprochen versierter Konzertsänger. Seine Konzerte mit deutschem Programm wie Strauss Orchesterlieder, das Lied von der Erde (Salzburger Festspiele 2011) oder eben auch diese Brahms Kantate kann man nicht hoch genug bewerten. Herr Beczala hat wunderbar gesungen, mit sehr nuanciertem Ausdruck, prächtiger Übereinstimmung mit Chor und Orchester und wunderbarer Phrasierung. Goethes Text allerdings ist schwer, mit vielen Umlauten und manchmal schnell umzusetzen. Das war ein bißchen zu spüren, ist allerdings Jammern auf hohem Niveau. Großer Applaus auch für Piotr Beczala.

    Piotr Beczala, Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks beim Schlußapplaus

    Eingeleitet wurde das Konzert durch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Robert Schumanns 2Ouvertüre zu Shakespeares Julius Cäsar f-Moll. Die Bayern scheinen in Salzburg eine ganz besondere Wertschätzung zu geniessen. Selten habe ich ein Orchester oder Chor schon beim Einzug mit so anhaltendem Applaus bedacht erlebt.

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