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Salzburger Pfingstfestspiele 2012 – Cleopatra Virtuosa

Mai 31, 2012

Die Neugier trieb mich im ersten Jahr der Regentschaft Cecilia Bartolis an die Salzach, aber vor allem die von ihr aufgebotenen Künstler, die alle kamen (zumindest fast alle, aber das wäre ein anderes Thema). Am Ende der drei Tage, die ich in Salzburg verbrachte, nach drei Konzerten und einer Oper kann ich sagen, es war vor allem das schlüssige, klug zusammengestellte Programm, das den Reiz dieser Tage ausmachte, von denen keine Minute vergebens war.

Cleopatra virtuosa – Cecilia Bartoli, Giovanni Antonini, Il Giardino Armonico beim Schlußapplaus

Das Festival stand unter dem Thema „Cleopatra“ mit der Absicht, die unterschiedlichen Facetten des Charakters dieser historischen Frauenfigur im musikalischen Kontext darzustellen. Ich habe die mir am interessantesten erscheinenden Programme ausgesucht und begann am Pfingstsamstag mit „Cleopatra Virtuosa“, einem Konzertabend mit Cecilia Bartoli und dem Originalklangorchester Il Giardino Armonico im Großen Saal des Mozarteums. Daß die Bartoli in stimmliches Feuerwerk entzünden kann, war mir hinlänglich bekannt und genau das – die überschäumenden Kapriolen gepaart mit aggressiver Plattenwerbung – machte mich relativ frühzeitig in ihrer Karriere zu einem Antifan, das gebe ich zu. Ich habe ihre Entwicklung auch nicht sonderlich verfolgt in den letzten Jahren. Selbst schuld, wenn man das Vorurteil sich festigen lässt, könnte man sagen.



Das Programm umfasste Arien aus Cleopatra-Opern von fünf Komponisten der Barockzeit, eingerahmt von Sinfonien aus eben diesen Opern.

Der Programmablauf nur der Gesangsnummern

Antonio Sartorio (1630-1680)
Giulio Cesare in Egitto (Venedig 1676)
Arien der Kleopatra „Quando voglio“ und „Ho un’alma che brilla“

Daniele da Castrovillari (um 1660)
La Cleopatra (Venedig 1662)
Lamento der Kleopatra „A Dio regni, a Dio scettri“

Georg Friedrich Händel
Giulio Cesare in Egitto (London 1724)
Arien der Kleopatra „Venere bella“, „Che sento? Oh Dio – Se pietà de me non senti“, „V’adoro, pupille“, „Da tempeste illegno infranto“

Johann Adolf Hasse (1699-1783)
Marc’Antonio e Cleopatra (Neapel 1725)
Arien der Kleopatra „Morte col fiero aspetto“, „Un sol tuo sospiro“, „Signor, la tua speranza – A Dio trono, impero a Dio“

Carl Heinrich Graun (1703/02 – 1779)
Cesare e Cleopatra (Berlin 1742)
Arien der Kleopatra „S’avvien che si posi“, „Certo è il mio fato – Ah, dirti non poss’io“, „tra le procelle assorto“
Dem Aufsatz im Programmheft entnahm ich, daß mit Grauns Cesare e Cleopatra das Opernhaus Unter den Linden in Berlin am 7. Dezember 1742 eingeweiht wurde. Ob es sich um ein Auftragswerk Friedrichs II handelte, dessen Hofkapellmeister Graun war, ist nicht überliefert.

Mit den Zugaben (drei insgesamt, darunter „Lacia la spina“ aus Il Trionfo und „Agitato il cor mi sento“ aus Amadigi) sang Frau Bartoli sage und schreibe knapp 20 unterschiedlichste Stücke an dem Abend. Die musikalische Übereinstimmung der Solistin mit dem Orchester und dessen ausgezeichneten Leiter Giovanni Antonini war spürbar. Ein unglaubliches, abwechslungsreiches Programm, in dem die Orchestereinlagen einmal nicht dazu dienten, der Solistin eine Atempause zu verschaffen, sondern die einen programmatischen Sinn erfüllten, mündete in ein ganz dichtes Konzerterlebnis, das so nicht zu erwarten war. Am Ende hatte Frau Bartoli mindestens eine Ungläubige bekehrt, wobei mir weniger ihre Stimmakrobatik imponierte, sondern die unerwartete Empfindsamkeit und Einfühlung, mit der sie die leiseren Stücke anging, bei denen die Welt anzuhalten schien. Etwas Schöneres als „Vi adoro, pupille“ beispielsweise glaubte ich lange nicht gehört zu haben (und dann hörte ich es einen Tag später in der szenischen Aufführung gleich nochmal). Und es gab einige solcher Momente an diesem Abend.

Sie merken schon, Pfingsten in Salzburg war nicht schlecht, und weil es an diese Stelle am besten passt, auch gleich mein Resümée: Cecilia Bartoli reüssierte in ihrem ersten Intendantenjahr mit einem klug und kundig zusammengestellten Programm, abseits von Mainstream, und erstklassigen Künstlern. Ich bin auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder dabei, auch wenn mich das Programm für 2013 auf den ersten Blick nicht zwingend anspricht, aber warum soll ich nicht auch nächstes Jahr durch Erfahrung klug werden. Brava, Cecilia Bartoli.

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