Skip to content

Bay. Staatsoper – Le Nozze di Figaro

Mai 13, 2012

Ich habe meine Besuche von Le Nozze di Figaro in der Bayerischen Staatsoper nicht gezählt. Gräfinnen unterschiedlichster Temperamente und Stimmqualitäten trugen das lachsfarbene Negligée aus Basetti-Stoff, eine Vielzahl Baritone schlupften in die farbenfrohe Basetti-Homewear und die Figaro-Kollektion war ansehnlich. Große Namen waren dabei. Dieter Dorns minimalistisch weiße Inszenierung mit vielen blauen Stühlen und Türen eignet sich perfekt zum Durchschleusen reisender Sängerprominenz. In meiner liebsten Mozart- Oper nehme ich allerdings nicht alles hin, bin mitunter unleidlich und habe schon des öfteren in der Pause das Terrain geräumt, wegen allzu matronenhafter Gräfinnen beispielsweise, fehlbesetzter Grafen oder übertrieben machomäßiger Figaros. Mit Margaret Price‘ Gräfin (in der alten Rennert-Inszenierung) als Benchmark im Hörgedächtnis haben es nachfolgende Sängerinnen zugegebenermaßen schwer, und ich bemühe mich in diesem Bewusstsein immer, keine Vergleiche anzustellen. Jede Aufführung ist jetzt und hier, und gestern ist eben vorbei. Allerdings liegt meine Latte hoch. Aber verdient nicht Mozarts Oper mit den schönsten Melodien an einem großen deutschen Opernhaus die bestmögliche Besetzung?

Dan Ettinger hat die Partitur im Kopf und dirigierte zumindest die Ouvertüre auswendig. Später habe ich dann nicht mehr darauf geachtet. Er war mit dem Orchester durchweg zügig unterwegs. Im letzten Akt ging ihm dann allerdings vollends der Gaul durch. Das vorgelegte Tempo schien das Bühnenpersonal zu überraschen und brachte rechte Konfusion in die Ensembles. Vielleicht sollte der Hoffnungsträger doch mal ab und zu einen Blick ins Notenbücherl werfen.

Auf der Bühne ereignete sich überwiegend Erfreuliches. Anja Harteros war kurzfristig eingesprungen als Contessa, und sie erfüllte alle Erwartungen. Sie ist als Contessa ja keine Unbekannte in der Dorn-Inszenierung, hat die Rolle aber mehrere Jahre nicht mehr in München gesungen. Was diese Sängerin anpackt macht sie einfach gut, oft richtungsweisend, so wie hier. Nicht nur charakterisiert sie in den beiden Arien anrührend die Stimmungslage der Contessa, auch in den Spielszenen ist alles schlüssig, elegant, wie ihre Erscheinung. Wie sie beispielsweise in „Dove sono i bei momenti“ und dem vorangestellten Rezitativ mit wenigen Nuancen Rosina aufleben lässt, zeigt ihre Identifikation mit der Figur auf der Bühne und deren Durchdringung. Ihre mit den schwereren Rollen volumiöser gewordene Stimme erlaubt Anja Harteros nach wie vor betörende Piani und weich blühende Spitzentöne – ein Genuß und ich fühlte mich wie beschenkt. Kultivierter Gesangstil zeichnet auch Simon Keenlyside aus, der den Grafen Almaviva sang. Und da mir elegante Sänger (nicht nur hinsichtlich ihrer Erscheinung) sehr liegen, konnte Luca Pisaroni als Figaro bei mir stark punkten. Seine Stimme ist nicht allzu mächtig, gut geführt, seine Bühnenpräsenz ausgezeichnet. Angela Brower machte sich erfreulich gut als Cherubino. Ich bemerke immer häufiger unter den jungen Sänger(innen) des Ensembles auffällig gute Schauspieler. So Laura Tatulescu, auch sie kurzfristig als Susanna eingesprungen. Ich kann mich nicht erinnern, sie in der Rolle schon mal gesehen zu haben, sie ist darin aber bereits aufgetreten. Was ich bisher von ihr sah, hatte mich nicht so ganz überzeugt (z.B. Marzelline), für ihre Susanna gilt das nicht. Wunderschön das Briefduett mit Anja Harteros mit einer herrlichen Harmonie der beiden Stimmen und ihrer Phrasierung. Gratulation.

Bemerkenswerte weitere Ensemblemitglieder: Kevin Conners als Don Curzio, der unverwüstliche Alfred Kuhn als Antonio und Evgeniya Sotnikova als Barbarina mit einer bezaubernden Arie. Die Auftritte der übrigen Herrschaften des Ensembles empfand ich als unterirdisch.

Besetzung am 6.5.2012

Musikalische Leitung Dan Ettinger
Inszenierung Dieter Dorn
Bühne und Kostüme Jürgen Rose
Licht Max Keller
Dramaturgie Hans-Joachim Rückhäberle
Chor Stellario Fagone

Il Conte di Almaviva Simon Keenlyside
La Contessa di Almaviva Anja Harteros
Cherubino Angela Brower
Figaro Luca Pisaroni
Susanna Laura Tatulescu
Bartolo Christoph Stephinger
Marcellina Heike Grötzinger
Basilio Ulrich Reß
Don Curzio Kevin Conners
Antonio Alfred Kuhn
Barbarina Evgeniya Sotnikova

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: