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Bayerische Staatsoper: Otello 31. März 2012

April 17, 2012

Otello, lange Jahre mein Verdi-Favorit, stand auf dem Spielplan der Bayerischen Staatsoper. In der Titelrolle sollte Peter Seiffert auftreten, für dessen (ins Wasser gefallene und dann in Wien nachgeholte) Otello-Debüt ich vor ein paar Monaten extra nach Zürich gefahren war.

Ich habe mich erst nach längerer Überlegung dazu entschlossen, über die von mir besuchte Vorstellung in meinem Blog zu berichten, die mich etwas ratlos in die kalte Nacht entliess. Zwar waren die Hauptrollen mit von mir hochgeschätzten Sängern besetzt. Eine rechte Stimmung wollte sich bei mir nicht einstellen.

Wäre Gerhard Polt Rheinländer, hätte er mit seinem dunklen Teint ebensogut als Otello auftreten können wie Peter Seiffert mit seiner schlechten Maske, und das mit dem Singen wäre zumindest am Anfang nicht wesentlich aufgefallen, wenn es sowieso drunter und drüber geht auf der Bühne. Lange Rede kurzer Sinn, optisch und gestisch war Peter Seiffert kein Otello („dramatisch“ schreibe ich bewusst nicht). Und gesanglich, tja, eigentlich auch nicht. Zwar stellte er die Potenz seiner Stimme aus, hohe und tiefe Töne kamen, laut vor allem. Die mangelnde szenische Präsenz wurde durch vokale Rollengestaltung leider nicht kompensiert. Ähnliches íst leider auch von Krassimira Stoyanova, bei der ich keinen Zweifel hatte, daß sie eine ideale Desdemona sein würde. Ich weiß nicht woran es lag, vielleicht war es Tagesform. Natürlich sang sie nicht schlecht; in den ersten Akten war allerdings manch Scharfes zu hören, und die Spielfreudigste ist sie auch nicht gerade. Jedenfalls wirkte alles etwas matronenmäßig unvorteilhaft. Was keine Rolle gespielt hätte, wenn die Stimme die Gestaltung hätte übernehmen können. Das gelang plötzlich im letzten Akt. Sowohl das Lied von der Weide wie das Ave Maria bescherten dann doch noch ein bißchen Rührung.

Claudio Sgura, der für Uusitalo als Jago einsprang, gefiel mir ganz gut. Wenn seine Stimme noch etwas an Volumen zulegt, würde der lange Italiener auch im Nationaltheater sicher noch mehr reüssieren. Reüssiert hat auf jeden Fall Pavol Breslik, der Münchener Publikumsliebling in einer weiteren Rolle als Cassio. Ich habe zwar stimmlich an diesem Abend überhaupt nichts an Pavol Breslik auszusetzen, „höre“ ihn persönlich in Verdi-Rollen eher noch nicht.

Der Abend hinterliess bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck. Daran konnte auch das Orchester unter Asher Fisch nichts ändern. Klar, es war ein Repertoireabend und richtig schlecht war es nicht. Richtig gut allerdings auch nicht.

Besetzung am 31.März 2012
Musikalische Leitung: Asher Fisch. Inszenierung: Francesca Zambello. Choreographie: Alphonse Poulin. Bühne und Kostüme: Alison Chitty. Licht: Mimi Jordan Sherin. Chor: Sören Eckhoff

Peter Seiffert, Pavol Breslik, Francesco Petrozzi, Krassimira Stoyanova, Peter Mazalán, Alessandra Volpe,Claudio Sgura, Diogenes Randes, Goran Jurić, Extrachor der Bayerischen Staatsoper, Kinderchor der Bayerischen Staatsoper;

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

One Comment leave one →
  1. Baerbl Wagner permalink
    April 18, 2012 08:17

    Liebe Rossignol,
    ich war zweimal im Othello – meiner Lieblingsoper von Verdi. Mich hat Peter Seiffert in der Titelrolle stimmlich schon überzeugt, und für seine Verhältnisse war er darstellerisch – vor allem im letzten Akt – sehr beeindruckend. Krassimira Stoyanova als Desdemona hat mir stimmlich auch sehr gut gefallen – und im Lied von der Weide und Ave Maria war ich doch zu Tränen gerührt. Von Pavlo Breslik war ich aber enttäuscht; seine Stimme klang für mich in dieser Partie überanstrengt.
    ‚aber so hat jeder Opernbesucher seine subjektiven Eindrücke und Empfindungen, und das ist auch gut so!

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