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Parsifal

April 16, 2012

Parsifal ereignet sich in München keineswegs jedes Jahr. Verpassen möchte ich davon keine Serie. Aus Zeitgründen musste ich mich dieses Jahr mit der Ostersonntag-Vorstellung begnügen. Große Erwartungen -an Nagano, der wieder dirigierte, Vorfreude auf Waltraud Meiers Kundry und Michael Volles Amfortas, Neugier schließlich, wie sich Stephen Milling, zuletzt in Stuttgart als Gurnemanz gehört, im größeren Nationaltheater anhören würde. Eine Vorfreude der anderen Art richtete sich auf Christopher Ventris und wie die Kiste mit dem Lianenschwung vom Baum gelöst werden würde. Sie wurde. Mittels Stuntman.

Religiöse Bezüge vermied Peter Konwitschny in seiner Inszenierung trotz des mantramäßig replizierten „Erlösung dem Erlöser“ auf dem Zwischenvorhang. Verächtlichmachung religiöser Werte (wie ín Stuttgart gesehen) findet ebensowenig statt wie weihevolle Beweihräucherung. Und dennoch, neben all den Menschlichkeiten wie Liebe in ihren Ausdeutungen, Mitleid, Nächstenliebe, Tod, sendet die Inszenierung, wohl auch wegen der musikalischen Deutung, ganz spirituelle Zeichen aus (zumindest an mich). Erlösung? Kaum.

Wie man all dem entnehmen kann, empfand ich den Abend als beglückendes Erlebnis. Das Orchester war, gerade beim Parsifal unter Kent Nagano, einmal mehr in blendender Verfassung. Da steckt Konzeption dahinter, aber auch ein sich aus dem Moment entwickeln lassen, wegtragen lassen (kommt zumindest so bei mir an). Großartig.

Michael Volles Interpretation der Leiden des Amfortas muss ich hervorheben; sie zu beschreiben sprengt den Rahmen dieses Blogs. Kann es sein, daß Kundrys Erscheinung als Muttergottes bei der Gralsöffnung seiner Halluzination entspringt? Christopher Ventris zog sich die Rolle des optisch ungewöhnlichen Parsifal an. Das passte. Auch stimmlich hatte er keine Mühe mit dem reinen Toren. Stephen Milling klang erstaunlich kräftig im großen Nationaltheater, auch hier wieder wunderbar textverständlich. An die großen Gurnemanz Vorgänger reicht er noch nicht heran, aber sicher ist er einer der Zukunft. Gerd Grochowskis Klingsor war eine solide Leistung, nicht weniger. Leider nicht nennenswert die Leistung der Blumenmädchen, beeindruckend dafür die Homogenität der Chöre.

Neben Michael Volles exemplarischen Amfortas gehört Waltraud Meier die Krone des Abends. Was für eine Rollengestalterin ist díese Frau; zieht Register von blanker Verführung über mütterliche Freundin zu aufopfernder Demut in Einklang von Darstellung und Stimme.

Ein langer Abend (Nagano nahm sich ausserordentlich viel Zeit), der gerne auch noch hätte andauern dürfen.

Die Besetzung am 8.4.2012

Musikalische Leitung Kent Nagano
Inszenierung Peter Konwitschny
Bühne und Kostüme Johannes Leiacker
Licht Peter Halbsgut
Produktionsdramaturgie Werner Hintze
Chor Sören Eckhoff

Amfortas Michael Volle
Titurel Diogenes Randes
Gurnemanz Stephen Milling
Parsifal Christopher Ventris
Klingsor Gerd Grochowski
Kundry / Stimme aus der Höhe Waltraud Meier
Erster Gralsritter Kevin Conners
Zweiter Gralsritter Levente Molnár
Erster Knappe / Zweiter Knappe Tölzer Knabenchor
Dritter Knappe Ulrich Reß
Vierter Knappe Kenneth Roberson
Klingsors Zaubermädchen Anna Virovlansky
Laura Tatulescu
Tara Erraught
Eri Nakamura
Angela Brower
Okka von der Damerau

Bayerisches Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

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One Comment leave one →
  1. Baerbl Wagner permalink
    April 16, 2012 09:08

    Liebe Rossignols,

    Danke für Ihre ausführliche und sehr treffende Beschreibung dieser Aufführung. Ein wirklich sehr beeindruckendes „Ostererlebnis“!!

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