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Bayerische Staatsoper: Premiere Das Rheingold

Februar 6, 2012

Viele Leute schauen hier vorbei, um meinen Senf zur Rheingold Premiere zu lesen. Ja, ich war da. Wer meine Tweets verfolgt, weiß schon, daß ich mir beim Kartenkauf selbst ein Bein gestellt hatte. Mein Parkettplatz in Reihe 15 am Rand des Schalldeckels, noch nicht mal voll darunter, für den ich immerhin stolze 143 Euros locker machte, bereitete mir akustische Qualen in einem Ausmaß, daß ich überlegte, den Ort des Grauens vorzeitig zu verlassen. Zuerst dachte ich, die Harfen seien Nagano ausgebrochen, denn ich hörte nur Harfen und zwar halb links von mir, dabei sollten sie doch vor mir im Graben sitzen, dann aber schienen auch die Hörner wild geworden zu sein, auch sie halb links von meinem Platz, aber sie bliesen aus den Deckenleuchten. Gruselig. Über weite Strecken habe ich kein Orchester gehört. Wie auch. Heute las ich in den Zeitungen, sie waren kammermusikalisch unterwegs. Erst bei den Schlusstakten, bei denen Nagano richtig aufdrehen liess, war ich mir sicher, in einer Vorstellung zu sitzen und nicht einer schlecht ausgesteuerten Radioübertragung an einem billigen Lautsprecher zu folgen. Eine Schande, solche Plätze ohne Warnung für teueres Geld zu verkaufen. Ich fühle mich verarscht.

Unter diesem grotesken Orchestereindruck wirkte Kriegenburgs spielerische, naiv anmutende Inszenierung fast ebenso grotesk auf mich. Da es aber selbst ohne adäquate Musik einige ganz starke Momente gab, die alle mit dem Einsatz eines Bewegungschores zu tun hatten, glaube und hoffe ich, daß Kriegenburgs Konzept des Erzählenlassens durch eine der Götterdämmerung nachkommende oder übriggebliebene Gesellschaft schon durch den Ring tragen könnte. Ich freue mich also jetzt schon auf Die Walküre, für die ich bessere Plätze habe. Inzwischen versuche ich, eine Karte für eine der beiden verbleibenden Abende zu kriegen, gegebenenfalls auch im Tausch gegen eines meiner Walküre-Tickets, damit ich den schalen Geschmack wieder wegbekomme.

Zu den Sängern kann ich sagen, daß sie (vielleicht wegen des fehlenden Orchesters) sehr gut hörbar waren und sämtlich eine auffällig klare Diktion hatten. Ausfälle waren nicht zu verzeichnen, aber auch keine überragenden Aha-Erlebnisse. Sehr speziell in Tongebung und Akzentuierung fand ich den Loge von Stefan Margita, nach kurzer Gewöhnung sogar richtig gut. Die auffallend helle, beinahe schneidende Tongebung fiel mir übrigens auch bei seinem Einsatz in Jenufa auf, wo er den Laca sang.

Ein paar Fotos vom Schlussapplaus habe ich dann doch noch gemacht. Es gab großen Applaus, vor allem für den Sänger des Loge und für Kent Nagano. Auch dem Leading Team um Andreas Kriegenburg wurde heftig applaudiert. Ein (1!) obligatorisches Buh von der Galerie fällt nicht ins Gewicht.

Ich hoffe, daß ich eine weitere Vorstellung besuchen kann und werde nach einem „richtigen“ Eindruck diesen in meinem blog auch wiedergeben.

Premieren Besetzung „Das Rheingold“

Musikalische Leitung Kent Nagano
Inszenierung Andreas Kriegenburg
Bühne Harald B. Thor
Kostüme Andrea Schraad
Licht Stefan Bolliger
Choreographie Zenta Haerter
Produktionsdramaturgie Marion Tiedtke
Miron Hakenbeck

Wotan Johan Reuter
Donner Levente Molnár
Froh Thomas Blondelle
Loge Stefan Margita
Alberich Johannes Martin Kränzle
Mime Ulrich Reß
Fasolt Thorsten Grümbel
Fafner Phillip Ens
Fricka Sophie Koch
Freia Aga Mikolaj
Erda Catherine Wyn-Rogers
Woglinde Eri Nakamura
Wellgunde Angela Brower
Floßhilde Okka von der Damerau

Bayerisches Staatsorchester

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