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Best of 2011 – Voices

Januar 2, 2012

Das Nonplusultra für einen Opernfan ist eine Jahrhundertinszenierung mit Jahrhundertsängern und dem besten aller Maestri. Geht aber nicht immer und vor allem nicht auf Bestellung. Ich habe schon beschrieben, welche Aufführungen mir in diesem Jahr unter musiktheatralischen Aspekten besonders haften geblieben sind. Was aber wäre Oper ohne Stimmen, ohne Sänger mit unverwechselbaren, kultivierten, farbenreichen, technisch versierten, virtuosen, gesunden Stimmen! Sie können eine mittelmässige Produktion mittels ihrer Fähigkeit, Gefühle und Stimmungen zu transportieren, zu bleibenden Erinnerungen machen.

Ich erzähle aus meiner Erinnerung rückwärts.

Alte Bekannte, in aller Munde

René Pape, personifizierte Versuchung als Méfistophélès (Met), ist ein solcher Sänger. Ich erlebte ihn auch bei den Münchener Opernfestspielen mit einem derzeit vermutlich unerreichbaren König Marke.

Jonas Kaufmanns wehmütiger Faust, eigentlich ein männliches Scheusal, das Marguerite mit einem ledigen Kind sitzen lässt, fand ich ausgezeichnet. Spektakulär war sein Siegmund Debüt an der Met, das ich ebenfalls erleben konnte. Als Don José lieferte er im Februar 2011 wieder eine beispielhafte Interpretation an der Bayerischen Staatsoper. Als berührenden Werther erlebte ich ihn Anfang des Jahres an der Wiener Staatsoper.

Anna Netrebko überraschte mich als Donna Anna in Zürich, nicht nur wegen ihrer wandelbaren, großen, weichtimbrierten Stimme, sondern mit der Seriosität und Kollegialität, mit der sie sich sichtbar in das Ensemble einfügte. Ihre in Salzburg konzertant gegebene Iolanta war ein beeindruckendes Erlebnis. Beide Rollen finde ich Paradebeispiele für typgerechtes Repertoire.

Angela Denoke erlebte ich als Kundry (BSO und Hamburg), als Emilia Marty (Salzburg), als Isolde im Konzert beim Symphonieorchester des BR unter Daniele Gatti – überzeugend und professionel in allem, das sie tut.

Evelyn Herlitzius‘ Darstellung der Färberin in der Salzburger FroSch war nichts weniger als atemberaubend. Unglaublich, welche schauspielerische Explosivität und welches Stimmvolumen in der zierlichen Person steckt, die in dieser Aufführung ihre Stimme, die gerne auch mal überschäumt vor Temperament, grandios kontrollierte.

Rolando Villazón war ein Bilderbuch-Hoffmann in der Richard Jones Neuinszenierung von Les Contes d‘Hoffmann in München, präsent und hochaktiv wie eh und je, vokal zurück ins Leben. Welche Freude.

Christian Gerhaher, grandios und unvergesslich im Salzburger Konzert „Das Lied von der Erde“ für Klavier, Tenor und Bariton, als melancholischer Wolfram im Tannhäuser und als linkischer Papageno (Dez) an der Bayerischen Staatsoper ist eine Sängerklasse für sich nach meiner Einschätzung.

Piotr Beczala
sang zusammen mit Christian Gerhaher im einzigartigen „Das Lied von der Erde“, veredelte die Rusalka der Münchner Opernfestspiele, sein Sänger im wiederbelebten Alt-Rosenkavalier war Luxus pur. Auch in Zürich konnte ich Beczala in großer Form erleben, als Riccardo (Gustav).

Luxus pur ist Anja Harteros Stimme. Ihre Interpretation und Rollendebüt als Marschallin an der Bayerischen Staatsoper dürfte für längere Zeit stilbildend sein. 2011 habe ich Anja Harteros leider nur in dieser Rolle sehen können.

Nina Stemme konnte ich zweimal erleben, in Zürich als Elisabeth in Harry Kupfers Tannhäuser (Ingo Metzmacher) und als Isolde zu den Festspielen in München, exemplarisch gut in beiden Rollen.

Gleiches kann ich von Peter Seiffert sagen, Tannhäuser in jener Zürcher Inszenierung und in der Rolle derzeit vermutlich unübertrefflich. Gut gefiel er mir übrigens auch als Tristan an der Deutschen Oper Berlin neben seiner Frau, Petra Maria Schnitzer, als Isolde. Aber auch über den im Dezember 2011 in München gegebenen Florestan ist nur positives zu vermelden.

"Meine" ganz persönlichen Entdeckungen 2011

Brandon Jovanovich kam, sah und überzeugte als Don José zur Saisoneröffnung der Bayerischen Staatsoper.

Stuart Skeltons überzeugende Parsifal –Interpretation erwähnt ich bereits im Best-of-Opera-Post, er gehört unbedingt auch hierher. Ich fand (nicht nur) ihn so gut, daß ich mir die Inszenierung in Zürich gleich zweimal gönnte. Beide Male 1. Klasse.

Michael Nagy hinterliess als Marcello (eingesprungen im Dez. 11 im Nationaltheater München) einen blendenden Eindruck. Im Herbst erlebte ich ihn schon mit Mahler-Liedern im Konzert beim Symphonieorchester des BR unter Daniele Gatti.

Nach Lawrence Brownlees kraftvoll-charmantem Tonio in La Fille du Régiment an der Met im Dezember 2011 freue ich mich auf seinen für München geplanten Don Ramiro in La Cenerentola im Sommer, eine Rolle die mir genau richtig zu sein scheint.

Angela Brower, Nicklausse/Muse in Le Contes d’Hofmann (BSO) mit frischem, kräftigen Mezzo, verfügt über gute Technik, schöne Phrasierung und warme Tongebung.

Ich hörte noch viel noch mehr gute Stimmen in meinem Opernjahr. Manche meiner bevorzugten Sänger(innen) finden sich noch nicht einmal in dieser meiner Aufstellung, in der ich nur mich entweder gleich wegfegende oder zumindest sehr haften gebliebene Erlebnisse wiedergegeben habe.

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