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Metropolitan Opera – La Fille du Régiment

Dezember 25, 2011

Mein zweiter Opernabend an der Met in diesem Dezember erwies sich als besonderer Spass, was ich von vorneherein nicht unbedingt vermutete, gehören doch „komische“ Opern nicht unbedingt zu dem von mir bevorzugten Repertoire. Gaetano Donizettis „La Fille du Régiment“ war mir mit Ausnahme der Prunkarie für Tenöre bisher unbekannt.

Soldaten des 21. französischen Regimentes unter ihrem Kommandaten Sergeat Sulpice ziehen durch die Tiroler Alpen. Mit ihnen reist Marie, die „Tochter“ des Regimentes, von den Soldaten als Kind gefunden und seither aufgezogen. Marie ist allerdings mehr Maskottchen und Wirtschafterin des Regimentes. Marie hat sich in einen Tiroler Burschen verliebt, Tonio, der ihr das Leben gerettet hat. Heiraten darf sie den Feind allerdings nicht, sondern nur ein Mitglied des Regimentes, weswegen Tonio in das Regiment eintritt. Die Marquise von Berkenfield stößt auf dem Weg nach Österreich zu dem Regiment und lernt Marie kennen. Dabei stellt sich heraus, daß sie Maries Tante und Marie die auf einem Schlachtfeld verlorene Tochter ihrer Schwester ist. Die Marquise ist über Maries Manieren entsetzt und nimmt sie mit sich auf ihr Schloss, um ihr eine angemessene Erziehung zu verpassen.

Die Marquise von Berkenfield will Marie an den Neffen der Duchesse von Krackentorp verkuppeln. Beim Absingen artiger Lieder während ihre Gesangsunterrichtes verfällt Marie immer wieder in den Jargon und die Hymne ihrer Soldatenväter. Die lassen Marie nicht kampflos verkuppeln und rücken mit Tonio im Schloss ein. Dabei kommt heraus, daß die Marquise nicht Maries Tante sondern ihre Mutter ist, die ihr uneheliches Kind aus Angst vor Schande ausgesetzt hatte. Marie will den ungeliebten Neffen der Duchesse dennoch heiraten, was die Soldaten des Regimentes aber nicht zulassen. Voller Dankbarkeit beschreibt Marie ihre Kindheit bei den „Vätern“ des Regimentes. Die Hochzeitsgesellschaft ist mehr als pikiert über die Vergangenheit der Braut, die Marquise jedoch stimmt Maries Heirat mit Tonio zu. Mit “Salut à la France” endet das Drama.

Laurent Pellys Produktion hat ja nun wirklich schon die Welt gesehen, ehe ich endlich dran kam; London, Wien, San Francisco und auf DVD ist sie auch zu haben. Sie verlangt den Sängern während des Singens präzisestes Spiel und geradezu akrobatische Arbeit ab. Wie alles, was ich bisher an der Met sah, war auch diese Produktion perfekt geprobt. Sehenswert das genial einfache Bühnenbild, das durch eine Gebirgslandschaft aus Landkarten gebildet wird.

Diese Oper beinhaltet Rollen für zwei schrullige adlige Damen, die man genial besetzt hatte. Ann Murray gab die scheinheilige Marquise von Berkenfield. Ihre Stimme ist in bemerkenswert guter Verfassung;ihre äußere Erscheinung und ihr komisches Talent sind ideal für die Darstellung der Marquise. Ann Murray war übrigens in den achtziger Jahren (des vorigen Jahrhunderts) mein allererster Cherubino in München, wohin sie als Giulio Cesare, Xerxes und Ariodante zurückkehrte. Als Duchesse von Krackentorp agierte Kiri Te Kanawa, die ich nie vorher auf der Bühne erleben konnte, umwerfend komisch, vor allem im Zusammenspiel mit der Melodie der 2. Violine zu Anfang des zweiten Aktes.


Lawrence Brownlee entledigte sich mit Bravour der Herausforderung des „Ah mes amis …Pour mon âme“, beschränkte sich allerdings keineswegs auf das Herausschmettern der hohen Cs. Seine Stimme ist kräftig, sehr schön timbriert, eher dunkel als metallisch hell, mit sich durchaus mühelos anhörenden Höhen. Seine Diktion fand ich gut und spielfreudig ist er auch. Ich freue mich auf weitere Begegnungen. Noch schöner als den Tenorschlager im ersten Akt fand ich „Pour me rapprocher“, innig gesungen und mit einem D gekrönt. Ohr, was willst du mehr?!

Nino Machaidze gefiel mir als Marie am besten von den Rollen, in denen ich sie bisher erlebte (Adina und Giullietta). Ihre darstellerischen Qualitäten sind unbestritten. In der Rolle der Marie verlieren sich die gelegentlichen Höhenschärfen in der Rasanz des Ablaufes. Was sie hier ablieferte, war absolut erfreulich, auch für meine gelegentlich überkritischen Ohren.

Gewohnt spielfreudig war Maurizio Muraro als Sulpice, eine Idealbesetzung für derartige Donizetti Rollen, für die seine Stimme unvergleichlich gut passt. Präzise, witzig und gut aufgelegt sang der Chor der Metropolitan Opera.

Yves Abel ließ dem fabelhaften Orchester mehr Freilauf als daß er es zügelte. Was herauskam, war hörenswert und trug maßgeblich zu dem beschwingten Gefühl bei, mit dem ich den kurzen Fußweg zu meinem Hotel antrat.

Die Besetzung am 12. Dezember 2012
Conductor: Yves Abel
Marie: Nino Machaidze
Marquise of Berkenfield: Ann Murray
Duchess of Krakenthorp: Kiri Te Kanawa
Tonio: Lawrence Brownlee
Sulpice: Maurizio Muraro

Leading Team
Production: Laurent Pelly
Set Designer: Chantal Thomas
Costume Designer: Laurent Pelly
Lighting Designer: Joël Adam
Choreographer: Laura Scozzi

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