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Bayerische Staatsoper: Saisoneröffnung mit Carmen

Oktober 11, 2011

Alles wie vor den Sommerferien. Weiße Rosen auf Käfers Tischen, das gleiche langweilige Catering Angebot, der atemberaubend schnelle Aufzugsservice an der rechten Seite, während der Aufzug auf der linken Seite noch immer außer Betrieb ist, die selben griesgrämigen Gesichter der Stammkundschaft. Saisonauftakt an der Bayerischen Staatsoper mit Carmen, einer Aufführung „nach einer Inszenierung“ von Lina Wertmüller. Macht fast nichts. Man ist ja schon froh, daß sich überhaupt wieder etwas tut.

Ausreichende Orchesterproben konnte man wegen der gerade abgeschlossenen Japan-Tournee eigentlich nicht voraussetzen. Man schien sich vor der Aufführung aber mindestens getroffen zu haben, denn Dan Ettinger erinnerte den ersten Trompeter bei seinem Gang zum Pult an die pointierte Ausführung der kurzen Noten in der Ouvertüre, zumindest entnahm ich dies den Gesten des Dirigenten, die der Musiker prompt befolgte. Schlecht war der orchestrale Part des Abends keineswegs, teilweise sehr akzentuiert, manchmal etwas zu dröhnend, niemals gewöhnlich – gute Aussichten für die weiteren Aufführungen der Serie.

Nie gewöhnlich fand ich auch das, was sich auf der Bühne abspielte. Mit außerordentlich eleganten Stimmen ausgestattete Sänger gab es zu hören, deren wenig protzige Darstellungen für sich einnahmen. Angefangen bei der Hauptdarstellerin, Vesselina Kasarova, deren Carmen nichts Anzügliches und nicht den Anflug von Vulgärem hatte. Sie versuchte vielmehr, die Figur als selbstbestimmte Frau darzustellen; ein respektabler Ansatz, über dessen Durchführung und Wirkung man geteilter Meinung sein kann. Als Fan von Vesselina Kasarovas wunderschönem Mezzo und ihrer schauspielerischen Begabung darf ich sagen, daß sich für meinen Geschmack Erotik oder das Laszive der Figur dieses Mal durchaus in der Stimme ausdrückt. In der Rolle der Micaela glänzte wieder Aga Mikolaj, deren vokale Entwicklung anhält. Die lyrische Stimme ist noch voller und runder geworden – eine ideale Besetzung. Gespannt war ich auf den neuen Don José, der in große Schuhe schlüpfen musste. Brandon Jovanovich (war das ein Hausdebüt?) passten sie hervorragend. Ein geschmackvoller Don José wie aus dem Bilderbuch, mit Höhe, dramatischem Impetus, Gespür und Können für ein Piano zur richtigen Zeit. Großes Lob ebenfalls für Gerald Finley, der als Escamillo mal nicht als Macho auftrat. Auch er ein höchst eleganter Sänger, der bei den nächsten Aufführungen gerne noch ein Quäntchen Power zulegen darf.

Die Publikumsreaktionen waren freundlich, wenn auch nicht euphorisch über Vesselina Kasarovas Carmen. Die Rolle gehört auch nach meiner Meinung nicht unbedingt zu dem für sie adäquaten Repertoire.
Ich freue mich trotzdem auf weitere Aufführungen.

Besetzung am 9. Oktober 2012:
Zuniga Goran Jurić
Moralès Christoph Pohl
Don José Brandon Jovanovich
Escamillo Gerald Finley
Dancairo Christian Rieger
Remendado Cornel Frey
Frasquita Evgeniya Sotnikova
Mercédès Heike Grötzinger
Carmen Vesselina Kasarova
Micaela Aga Mikolaj

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