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Salzburger Festspiele 2011: Le Rossignol

September 5, 2011

Schauen Sie sich diese vielen jungen Sänger beim Schlussapplaus zu Le Rossignol von Igor Strawinsky am 15. August 2011 an. Nur schade wegen des schlechten Bildes; leider sind alle auch noch schwarz gekleidet. Nicht nur hat die Direktion der Salzburger Festspiele Mitgliedern des Young Singer Projects die Möglichkeit gegeben, ihre Kunst am lebenden Objekt auszuprobieren – fast alle anderen jungen Sänger waren Mitglieder von früheren Young Singer Projects oder hatten in Salzburg in der letzten Zeit debütiert – manche, wie der junge Italiener Antonio Poli oder die russische Sopranistin Julia Lezhneva, wurden sogar in mehreren Produktionen eingesetzt und gerade diese beiden haben auf mich einen nachhaltigen Eindruck gemacht. Julia Novikova, die Sängerin der Hauptrolle, hat Julia Lezhneva zwar etwas Erfahrung voraus, auch einen etwas anderen Stimmtyp, an dem Aufführungstag von Le Rossignol war ihr die jüngere Kollegin nach meinem Eindruck überlegen. Ähnlich ging es mir übrigens später in Macbeth mit Filianoti und Poli, der sich gegen den erfahreneren Star nicht zu verstecken brauchte.

Die klug überlegte Initiative der Salzburger Festspiele des Einsatzes junger Sänger unterstreicht den positiven Gesamteindruck, den man als Besucher nach diesem Festspielsommer mit nach Hause nehmen durfte. Man fühlte sich mitgenommen zu höchst interessanten Begegnungen mit Musik und Schauspiel, gegen deren Qualität der in Salzburg unverzichtbare Glamour in den Hintergrund trat und man fühlte sich willkommen, nicht nur als Umsatzträger. Ich erlebte vorbildliches, sachverständiges Publikum in den Festspielhäusern und Spielstätten und Bürger einer Stadt, die wissen worauf es ankommt. Zumindest für Musikliebhaber.

Die Besetzung bei Le Rossignol:

Julia Novikova, Die Nachtigall
Julia Lezhneva, Die Köchin
Antonio Poli, Der Fischer
Andrei Bondarenko, Der Kaiser von China
Andrè Schuen, Der Kammerherr
Yuri Vorobiev, Der Bonze
Maria Radner, Der Tod
Claudia Galli, Sopran solo *
Theresa Holzhauser, Alt solo*
Andrew Owens*, Derek Welton*, Elliot Madore*, Drei Japanische Gesandte
Adrian Kelly, Klavier
Rachel Andrist, Celesta
Oliver Strömsdörfer, Mandoline

*Mitglieder des Young Singers Project

Wie bei Iolanta spielte das Mozarteumorchester Salzburg
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Jörn H. Andresen, Choreinstudierung
Ivor Bolton, Musikalische Leitung

Ein paar Worte noch zu Strawinskys erster Oper Le Rossignol (Quelle: Programmbuch der Salzburger Festspiele).Komponiert zwischen 1909 und 1914 repräsentiert sie den Druckbruch der rossischen Moderne und die rastlose Suche nach neuen Formen. Die Zweiteiligkeit der Nachtigall, die in zwei Phasen entstand, in deren Verlauf das modernistische Credo des Komponisten zur Entfaltung gelangte, kann als Übergang von den Anfängen der Moderne hin zu ihren Zenit betrachtet werden. Nimmt man die zarten Ornamente der ekstatischen Iolanta Tschaikowskis hinzu, so wird in der Kombination der beiden Werke der Weg der Moderne vollends deutlich.

Strawinskis lyrisches Märchen handelt vom Kraft der Natur gegenüber die Technik. Fischer schenken ihrem Kaiser eine Nachtigall, deren Gesang ihm gefällt und die er reich beschenken will. Der Nachtigall sind seine Tränen jedoch genug. Als ihm eine künstliche Nachtigall gebracht wird, zieht er diese dem Vogel vor, so daß dieser davon fliegt. Als der Kaiser im Sterben liegt, kehrt der Vogel zurück, singt ihm von der Schönheit der Natur und entreisst ihn dem Tod. Der Kaiser will die Nachtigall wiederum reich beschenken. Ihr aber sind seine Tränen genug.

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