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Salzburg: Iolanta, zum Weinen schön

August 29, 2011

Lange dauerte es bis ich dazu kam, ein paar Anmerkungen zu der von mir besuchten Vorstellung am 15. August zu machen. Dabei handelt es sich um einer der Höhepunkte der diesjährigen Saison in Salzburg.

Eine kurze Zusammenfassung des Inhalts der Oper von Peter Iljitsch Tschaikowski, die im 15. Jahrhundert spielt. Das Libretto schrieb Tschaikowskis Bruder Modest Iljitsch nach dem Schauspiel König Renés Tochter.

König Renés Tochter Iolanta ist blind. Um sie zu schützen hat er sie in einem geheimen Garten unter Menschen aufwachsen lassen, die sie nicht darüber aufklären, daß sie blind ist. Iolanta fragt sich allerdings, ob Augen wohl nur zum Weinen da sind. Ein Arzt sagt dem König, er könne die Blindheit vielleicht heilen, aber dazu müsse Iolanta erfahren, daß sie blind sei. Der König lehnte ab.

Iolanta ist mit dem Herzog von Burgund, Robert, verlobt, der sie noch nie gesehen hat. Robert liebt eine andere Frau und macht sich zusammen mit seinem Freund Vaudémont auf, das Verlöbnis zu lösen. Die beiden Männer dringen unerlaubt in den Garten ein und finden ein schlafendes Mädchen. Vaudémont unterhält sich mit ihr und merkt bald, daß sie keine Farben kennt und auch nicht weiß, was Licht ist. Nun weiß Iolanta, daß sie blind ist, und der Arzt kann seine Behandlung beginnen. König René droht, Vaudémont umbringen zu lassen, falls Iolanta blind bleibt. Iolanta liebt Vaudémont und wird alles tun, um gesund zu werden.

Während Iolantas Abwesenheit gesteht der König, daß er die Drohung nur ausgesprochen habe, um Iolanta zu motivieren, an ihrer Heilung mitzuwirken. Vaudémont bittet den König um Iolantas Hand. Nachdem Robert dem König gestanden hat, daß er eine andere Frau liebt, willigt der König in die Auflösung der Verlobung ein und erlaubt die Heirat mit Vaudémont. Iolanta wird natürlich geheilt und so leben die beiden hoffentlich lange und noch heute.

Die Oper wurde konzertant gegeben. Einzige Requisite war ein Strauß roter und weißer Rosen auf einem Tischchen hinter dem Dirigentenpodest.

Jede Aufführung mit Anna Netrebko gerät, aus welchem Grund auch immer, zum Event, in Salzburg vor allem, wo man an ihr und ihrem Lebengefährten während der Festspiele einfach nicht vorbei kommt. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist ihre natürliche schauspielerische Begabung, wie sie beispielsweise mit wenigen, rührenden Gesten anhand der Farbenverwechslung der Rosen ihre Blindheit zum Ausdruck brachte,ihre wundervoll timbrierte Stimme und die Einfühlsamkeit, mit der sie Iolantas Charakter modellierte. Sorgfalt im Umgang mit Stimme und Repertoire kann man Piotr Beczala wahrhaftig nicht absprechen. Seine Präsentation des Graf Vaudémont war umwerfend, glanzvoll, und das große Duett mit Anna Netrebko von märchenhafter Emotion. Ein Bilderbuch-Tenor. John Relyea fand ich als König René etwas rauh, während Alexey Markov als Herzog Robert die Gunst der Stunde und seiner balsamischen Stimme nutzte und mit seiner großen Arie eine heftig beklatschte Probe seines Könnens ablieferte. Evgeny Nikitin traf ich in der Rolle des Arztes wieder, die ihm sehr lag und Antonio Poli, einer der jungen Sänger, den man ruhig als Salzburger Entdeckung bezeichnen darf, als Renés Waffenträger, mit sehr frischem Tenor. Er trat ebenso wie die ausgezeichneten Sänger der Nebenrollen, Yori Vorobiev (Bertrand), Maria Radmer (Martha, Bertrands Frau) und Julia Lezhneva (Brigitta), bereits im ersten Teil des Abends (Le Rossignol) auf. Hier wie bei Le Rossignol fiel der sehr schöne Mezzo Juli Lezhnevas auf.

Ivor Bolton und das Mozarteumsorchester waren nicht nur „Rahmenprogramm“ für die glanzvollen Stimmen. Die Chorpartie kam aus den bewährten Kehlen der Damen und Herren des Wiener Staatsopernchors.

Die Szene habe ich bei der konzertanten Aufführung nicht vermisst, braucht man auch nicht bei Sängern mit solchen Ausdrucksmöglichkeiten, wie sie an diesem Nachmittag zu erleben waren. Die Geschichte ist an schon romantisch und rührend genug, da kann leicht zu viel getan werden.

Ein letztes Lob für Tschaikowski, den Schöpfer des schönen Werkes mit seiner großen Melodienvielfalt und den Planern, die das Stück auch nach Salzburg brachten.

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