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Salzburger Festspiele: Macbeth, Aufführungsbericht

August 20, 2011

Nach den vielen Bildern nun eine Zusammenfassung meiner Eindrücke.

Macbeth gehörte zu den am schnellsten ausverkauften Vorstellungen der diesjährigen Salzburger Festspiele. Kein Wunder, wurde Verdis Oper vor mehr als 25 Jahren zum letzten Mal bei den Festspielen aufgeführt, und außerdem stand Riccardo Muti am Pult, was zunächst musikalischen Glanz versprach, und nun zum denkwürdigen Ereignis wurde. Riccardo Muti hat erklärt, in Zukunft keine Operninszenierungen mehr in Salzburg zu dirigieren. Mit Peter Steins Macbeth Inszenierung kann sein Entschluß nichts zu tun haben. Der beschränkte sich auf’s brave Bebildern der Gruselgeschichte, was ich nicht reizlos fand. Um einem Neuling das Medium Oper nahe zu bringen, wäre so ein Abend perfekt. Keinen schlechten Einfall fand ich die Hexen als Waldsträucher auftreten zu lassen; die Lichtregie und das aparte Umfeld der Felsenreitschule erzeugten eine gespenstische Atmosphäre.

Peter Stein's drei Chef-Hexen

Die drei „Master“-Hexen sahen dagegen eher aus wie Mitglieder des Ku-Klux-Klan und benahmen sich auch so, was ich nicht ganz unkomisch fand. Wenn Macbeth den Dolch verlangt, dann kriegt er einen Dolch und wenn das Finale einen Kampf verlangt, dann gibt es einen Kampf mit echten Schwertern. Daß der Wald von Birnam aus Fichten besteht, die sich bewegen, versteht sich von selbst. Macduffs Tragödie wird sehr plastisch gezeigt. In meiner direkten Sitznachbarschaft war die Rührung hörbar. Ich will darüber gar nicht lästern, denn die Szene, von Filianoti sehr anrührend interpretiert, bewegte auch mich.

Giuseppe Filianoti als Macduff

Peter Stein läßt nicht nur die Bühne der Felsenreitschule bespielen, sondern auch die Aufgänge links und rechts und den Gang zwischen der ersten Zuschauerreihe und dem Orchestergraben. Der Aufzug des Gefolges von König Duncan samt Bühnenmusik erfolgte dort und der Auszug der fliehenden Schotten vor Macbeths Schreckensherrschaft. Die Ausstattung der Bühne war karg, lediglich der Bühnenboden war hügelartig nivelliert. Aus einem Krater fuhren die drei Hexen samt Hexenkessel empor. Ein langer Tisch für das Festmahl wurde ebenfalls aus dem Boden hochgefahren und nach Gebrauch wieder versenkt. Desgleichen das Portal, durch das Macbeth schritt, um König Duncan die Gurgel durchzuschneiden.

Nun könnte man darüber spekulieren, wessen bühnenästhetische Geschmacksvorstellungen sich bei der Inszenierung durchgesetzt haben. Ich meine, auch ein solcher Bilderbogen hat seinen Platz bei den Festspielen, zumal in diesem Jahr die inszenatorische Vielfalt das Publikum schon herausforderte. Meinem persönlichen Geschmack entspricht die harmlose szenische Umsetzung nicht ganz, dafür konnte ich mich für die musikalische Realisation begeistern.

Tatiana Serjan als Lady Macbeth

Die erste Überraschung des Abend hielt Tatiana Serjan für mich bereit. Ich hatte in der Liveübertragung der Premiere irgendwann im 2. Akt eingeschaltet und fühlte mich in dem wenig positiven Urteil bestätigt, das ich von ihr anläßlich der Münchener Tosca gewonnen hatte. An diesem Abend belehrte sie mich eines Besseren. Mit Ausnahme des etwas schwächeren „Le luce langue“ (genau die Stelle, an der ich die Radioübertragung angeschaltet hatte) charakterisierte sie die Lady treffend, weniger exzentrisch als die in München zu sehende Interpretation, dafür stimmlich souverän und die Entwicklung der Lady nachzeichnend, um im Jargon zu bleiben. Die Schlafwandelszene, zu der sie sich durch den oberen Arkadengang zur Bühne begibt, gelang ihr grandios.

Wie schon angedeutet, war Giuseppe Filianoti ein ausgezeichneter Macduff. Er zeigte wieder, daß er auch als Schauspieler nicht ganz unbegabt ist. Was ich von ihm hörte, hat mir sehr gefallen; etwas mühen musste er sich mit den zwei ganz hohen Tönen am Ende seiner Arie, was meinen Gesamteindruck aber nicht schmälert.

Zeljko Lucic als Macbeth in der Finalszene

In der Titelrolle war Zeljko Lucic zu erleben. Der Facettenreichtum seiner Stimme, der ihn gerade Macbeths Eigenschaften, seine skrupellose Herrschsucht, aber auch seine Feigheit und Abhängigkeit von der Lady, überragend gestalten lässt, macht seine darstellerischen Mängel mehr als wett. Seiner sauber geführten Stimme mit der immer klaren Diktion und ihrem Farbenreichtum könnte ich stundenlang zuhören.

Und wieder sang Lucic in „Pietà, rispetto, amore“ („amore“ steht im Programmheft der Salzburger Festspiele) „Pietà, rispetto, onore“ („onore“ erschien auf den Übertiteln). Vielleicht bringe ich irgendwann ja doch mal in Erfahrung, was es damit auf sich hat.

Dmitry Belosselskiy, der die undankbar kurze Rolle des Banquo respektabel sang, muss wenigstens erwähnt werden. Von den durchweg guten Nebendarstellern sei wieder Antonio Poli hervorgehoben, ein bemerkenswerter junger Tenor, der Malcolm verkörperte und ein hinreissendes Duett mit Filianoti sang, bei dem ich mich nicht festlegen möchte, wer mir besser gefiel.

Riccardo Muti liess nichts aus bei seinem Macbeth. Selbst die gewöhnlich gestrichene Ballettmusik wurde aufgeführt, als Ouvertüre vor Akt 3. Um keine der 12 Minuten war es schade, auch wenn diese Ballettmusik nicht ganz so dramatisch wie Verdis Oper ist, und schon ein bißchen den dramatischen Ablauf hemmt. Ansonsten war es eine Freude, den Maestro einmal nahe bei der Arbeit sehen zu können (ich saß weit vorne) und zu beobachten, wie er mit den Sängern umgeht, mit ihnen atmet und sie führt. Nun wurde mir auch klar, warum der Chor (Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor) bei der Radioübertragung sich rhythmisch nicht ganz balanciert anhörte. Das ist auf die Breite der Bühne zurückzuführen und die Verteilung der sich ständig (als Hexenbüsche) bewegenden Sänger über die gesamte Bühne. Eine große Herausforderung für Sänger und Dirigent. Die Wiener Philharmoniker spielten wie seit Wochen auf bewundernswertem Niveau. Wem Mutis Klangvorstellung bei diesem Macbeth zu glatt, zu schön und zu rund ist, der mag in gewisser Weise recht haben. Ich habe eine bessere Macbeth Aufführung bisher nicht erlebt.

Ich besuchte die Aufführung am 19. August 2011. Und die Bilder in diesem Post stammen von der Homepage der Salzburger Festspiele mit freundlicher Genehmigung, copyright Silvia Lelli.

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