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Salzburg: Messa da Requiem

August 17, 2011

„Einer der Höhepunkte“ des Programmes des diesjährigen Salzburger Festspiele muss man das Verdi Requiem nennen, das Riccardo Muti mit den Wiener Philharmonikern im Grossen Festspielhaus aufführte. Ich besuchte die Aufführung am 15. August 2011.

Das Requiem ist zwar auch eine Totenmesse, aber eben eine italienische und noch dazu eine säkularisierte; traurig macht es (zumindest mich) nicht. Verdis revolutionärer Umgang mit Tönen und mit Gott ist frappierend, hinreissend, macht nachdenklich und rührt auch.

Im „Dies irae“ , opernhaftes Herzstück des Requiem, bestimmt vom Dialog zwischen Chor, Solisten und Instrumenten, zeigte sich die hohe Qualität des Solistenquartettes der beiden Konzerte, Krassimira Stoyanova, Olga Borodina, Saimur Pirgu und Ildar Abdrazakov.

Zwar klingelte in die Generalpause nach den „Fanfaren von Jericho“ im Tuba mirum ein Mobiltelefon, was das darauffolgende Mors nicht weniger beklemmend machte. Die Bläser zum Tuba mirum waren an den beiden seitlichen Ausgängen am Proszenium postiert, spielten diszipliniert und weicht; der Raumklang erzeugte eine erste Gänsehaut bei mir. Ingemisco hörte ich zwar schon kraftvoller, aber selten lyrischer und inniger als von Saimur Pirgus. Krassimira Stoyanovas und Olga Borodinas Stimmen beim Agnus Dei erinnerten mich auf geheimnisvolle Weise an koptische Gesänge. Für Ildar Abdrazakovs variablen, profunden Bass bietet das Requiem eine Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten (Confutatis!). Krassimira Stoyanovas Stimme schließlich entfaltete sich in einem grandiosen, lyrischen, dennoch eindringlichen Libera me.

Im Offertorio verflochten sich die Stimmen der Solisten wunderbar. Die Auswahl von Sängern mir durchweg lyrischen Stimmgattungen passte zu Riccardo Mutis Lesart des Requiems (er arbeitete mit Partitur!), bei dem vordergründig Schönklang vorherrschte.

Während ich über die vier Solisten und auch die Wiener Philharmoniker restlos begeistert bin, nicht ohne Grund kamen Olga Borodina und Ildar Abdrazakov schon häufig unter Muti zum Einsatz, konnte ich dem Chor (Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor) nicht so viel abgewinnen. Es ist sicherlich kein schlechter Chor, dem Anlaß gemäß jedoch entweder nicht motiviert genug oder mäßig vorbereitet. Laut singen reicht eben nicht und ungenau leise eben auch nicht. Schade, denn der Gesamteindruck des Requiems wird durch den Chor doch wesentlich geprägt.

Großer Jubel des Festspielpublikums. Begeisterung schlussendlich auch bei mir mit einem kleinen Wehmutstropfen.

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