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Salzburg: Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia

August 9, 2011

Lauter Premieren. Erstmalig traf ich nicht nur auf Chor und Orchester, sondern auch auf alle Solisten als Konzertsänger.

Joseph Haydns Londoner Symphonie bildete den ersten Teil des Programmes, mit dem sich Antonio Pappano und das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia, dessen Chefdirigent Pappano neben seiner Tätigkeit am Royal Opera House auch ist, erstmals bei den Salzburger Festspielen vorstellten. Ausgefeilt und akzentuiert war die orchestrale Wiedergabe, mit einer Übergewichtung der präzisen Streicher. Holzbläser waren zwar auf dem Podium anwesend, vernommen habe ich sie allerdings kaum. Mir hätte eine weniger kontrollierte Interpretation, etwas mehr Dynamik, besser gefallen.

Das Hauptwerk des Abends, Gioachino Rossinis „Stabat Mater“ für Soli, Chor und Orchester, entsprach nach meinem Empfinden den Qualitäten Orchester deutlich besser . Auch hier fielen die Streicher durch Präzision und Flexibilität auf, die Holzbläser in doppelter Besetzung gegenüber der Haydn Symphonie präsentierten sich deutlich emphatischer ; dem Orchester war das Stück sicht- und hörbar näher aus der Haydn. Ergänzt wurde das Orchester vom Coro dell’Accademia Nazionale di Sante Cecilia, ein großartiges Ensemble mit einer herausragenden Männerabteilung, einstudiert von Ciro Visco. Ungewohnt und unerwartet opernhaft erscheint mir dieses „Stabat Mater“, so daß ich mich mehrmals im Programmbuch vergewissern musste, ob ich die Verse richtig erinnere, so überschwänglich klingt bei Rossini größtes Leid und Mitleid. Trotzdem ist jedes der 10 einzelnen Stücke ist eine Kostbarkeit und eben Ausdruck von Frömmigkeit zur Zeit ihres Entstehungszeitpunktes.

Ein Auftritt von Anna Netrebko hat gewollt oder ungewollt immer Event-Charakter. Angenehm, wie kollegial (und dem Programm angemessen) sie sich in das sich durch Homogenität auszeichnende Solistenquartett einfügte. Wie schon gesagt, hatte es mir die Präzision und Ausdrucksfähigkeit des Herrenchores angetan und so beeindruckte mich das „Zwiegespräch“ mit Ildebrando D’Arcangelo im „Eja mater“ (Nr. 5) ganz besonders. Schon im „Pro peccatis“ (Nr.4) präsentierte sich D’Arcangelo souverän. In einem Stück, das nur 10 Nummern, aber vier Solisten hat, muss man auf den Punkt da sein; schwer für den Tenor, der gleich zu Anfang nach dem Höchsten streben muss. Matthew Polenzani , den ich bewusst in München noch nicht hörte, entledigte sich der Sache gut (Cujus animam, Nr. 2). Marianna Pizzolatos Stimme, die ich kürzlich mal in der Pergolesi Stabat mater im TV hörte und in nicht ganz so guter Erinnerung hatte, zeigte im Konzert ein beachtliches Volumen und schlug mich völlig in Bann durch die betörende Innigkeit und Wärme, mit der die Sängerin ihre Cavatina (Nr. 7) vortrug. In den beiden Quartetten verbanden sich die Stimmen mit großer Homogenität, zeigten im Wechsel der Stimmlagen ähnlich hohe Qualität. Sehr dramatisch, werkdienlich, gestaltete Anna Netrebko ihre Sopranarie „Inflammatus“. Ihre Stimme, wunderbar dunkel timbriert, gefällt mir heute besser als früher. Nun weiß ich nicht, ob es nur mich irritierte, daß sie zwar ein Notenpult vor sich hatte, allerdings offenbar ohne Noten, denn sie sang das „Inflammatus“ aus Marianna Pizzolatos Partitur und schien mir dabei ebenfalls leicht irritiert, was die Dramatik des Ausdruckes eher noch verstärkte, wie ich meine.

Großer, berechtigter Applaus des begeisterten Publikums.

Und ein paar Bilder vom heutigen Schlussapplaus

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PROGRAMM

JOSEPH HAYDN • Symphonie D-Dur Hob. I:104 – 7. Londoner Symphonie

GIOACHINO ROSSINI • Stabat mater für vier Soli, Chor und Orchester

INTERPRETEN
Anna Netrebko, Sopran
Marianna Pizzolato, Mezzosopran
Matthew Polenzani, Tenor
Ildebrando D’Arcangelo, Bass
Coro dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia
Ciro Visco, Einstudierung
Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia
Antonio Pappano, Dirigent

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