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Münchener Opernfestspiele: I Capuleti e i Montecchi

Juli 30, 2011

Vesselina Kasarova (Romeo), Ekaterina Siurina (Giulietta) / Bild Bay. Staatsoper © Wilfried Hösl

Lange hat es gedauert, bis Vesselina Kasarova, vorgesehen als Roméo in der Premierenserie von Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“, dann wegen Krankheit kurzfristig spektakulär ersetzt durch Tara Erraught, ihren Auftritt in München nachhholen konnte. Nicht nur, weil ich Frau Kasarova sehr schätze, die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Rollen angeht, sie emotional durchdringt und vokal interpretiert, wollte ich das wunderschöne Szenenfoto gerne in voller Größe meiner Schilderung voranstellen. Nun muß man es anklicken, um es in voller Schönheit zu sehen. Und natürlich würde ich lieber in vollem Überschwang von einer glanzvollen Aufführung berichten, wenn nicht die Tagesform auch bei einer meiner liebsten Sängerinnen zugeschlagen hätte. Schon bei der Auftrittsarie war aus Vesselina Kasarovas Körperhaltung zu erkennen, daß die hohen Töne heute nicht so einfach zu erreichen sein würden, der Registerübergang schien qualvoll für sie zu sein. Auch wenn sie das Problem im Lauf des Abends in den Griff bekam, war die Homogenität ihres Auftrittes etwas beeinträchtigt, nicht aber die Intensität der Darstellung. Ihre Mittellagentöne hingegen waren von betörender Schönheit; sie kam vor allem bei den Duetten mit Ekatarina Siurina zur Geltung, mit deren silbrigem Sopran Vesselinas samtene Stimme harmonierte. Ekatarina Siurina, die ich zum ersten Mal erlebte, hatte einen großen Abend, präsentierte ihre Stimme in subtiler lyrischer Tongebung und Koloraturen ohne Schärfe. Mit sensiblem Spiel bewältigte sie ihre Soloszene, die sie auf einem Waschbecken stehend, zu absolvieren hatte. Gemeinsam kreierten die beiden Sängerinnen eine poetische Stimmung, der man sich nicht entziehen konnte und die das beschriebene kleine Manko bei weitem überwogen. Nie wurden Geschmacksgrenzen überschritten, was ich vor allem Vesselina Kasarovas Stilgefühl für Hosenrollen zuschreibe, die sie bitte noch lange nicht aufgeben möge. Aus dem Orchestergraben erklangen ebenfalls gefühlvolle Belcantotöne. Ganz abgesehen von den hervorragenden Solisten an Klarinette, Flöte und Cello zeigte das Bayerische Staatsorchester unter Yves Abel seine Qualitäten auch im italienischen Repertoire.

Leider gibt zur Inszenierung nicht viel zu sagen. Sie zeichnet sich durch einfallslose Oberflächlichkeit aus und lebt ausschliesslich von der Ausdrucksfähigkeit der beiden Hauptdarstellerinnen. Der Rest ist Staffage. Wer Näheres wissen will, findet auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper mehr.

Besetzung am 29. Juli 2011

Musikalische Leitung Yves Abel
Inszenierung Vincent Boussard
Bühne Vincent Lemaire
Kostüme Christian Lacroix
Licht Guido Levi
Chöre Sören Eckhoff

Romeo Vesselina Kasarova
Giulietta Ekaterina Siurina
Tebaldo Dimitri Pittas
Capellio Ante Jerkunica
Lorenzo Carlo Cigni

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

One Comment leave one →
  1. August 1, 2011 23:49

    I bought tickets but couldn’t come. Glad to hear VK’s intensity is what makes it enjoyable for you (and me too). I wonder if the high note problem is only short term… Did you also see her on the 29th performance? She said in an interview that she’s going to do Der Rosenkavalier at the MET within the next 2 years and that role also has very high notes…

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