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Münchner Opernfestspiele: Der Rosenkavalier

Juli 21, 2011

Wer mein weblog bereits länger verfolgt, hat von meinen Schwierigkeiten mit Richard Strauss sicher gelesen und auch von meinen anhaltenden Versuchen, mich seiner Musik zu nähern. Beim Rosenkavalier, den ich schon unter Carlos Kleiber mit seiner berühmten Besetzung erleben durfte, ging es noch am ehesten, aber seither auch nicht mehr richtig. Spätestens nach der Überreichung der Rose beginne ich mich zu langweilen. Verpasse ich, wie letztens passiert, den ersten Akt, dann geht gar nichts. Nun, zu den Festspielen war ich pünktlich, einige von mir hochgeschätzte Sänger waren angesagt.

Ich habe zwar gestern abend unmittelbar nach der Vorstellung ziemlich enthusiastisch über meine Eindrücke getweeted, muß diese allerdings auch mit dem Abstand eines Tages nicht revidieren. Ich hatte eigentlich vor, nicht unbedingt bis zum Ende zu bleiben (Akt 3 zieht sich!), machte das aber abhängig vom Verlauf. Petrus hat dann allerdings (zum Glück) eingegriffen und in der zweiten Pause ein Unwetter über das Nationaltheater geschickt, daß ein Verlassen des Hauses schlichtweg unmöglich machte.

Dabei dachte ich eigentlich schon nach dem ersten Akt, daß dem dort Gesehen und Gehörten eigentlich nichts nachfolgen sollte. Anja Harteros, die erst kürzlich in der Rolle der Feldmarschallin debütiert hatte, bestätigte wieder einmal ihre Souveränität bei der Wahl ihrer Rollen. Ihre Marschallin besticht neben der bei ihr fast schon selbstverständlichen gesangstechnisch brillianten Umsetzung durch Stilgefühl, durch melancholische Nachdenklichkeit, durch eine Textbehandlung, bei der ich mich beispielsweise fast persönlich angesprochen fühlte. Ich behaupte, Anja Harteros wird die Marschallin unserer Tage werden, wenn sie denn diese Rolle weiter in ihrem Repertoire behält. Sophie Koch braucht als Octavian keinen Vergleich zu scheuen. Auch ihr gibt die Vielfalt der stimmlichen Möglichkeiten Raum für sowohl vokale wie darstellerische Gestaltung. Ich hatte sie 2007 schon mal als Octavian erlebt und registriere jetzt eine deutliche, positive Veränderung. Und sie agierte mit sehr viel Gefühl für Stil, sowohl ihm delikaten Umgang mit der Marschallin wie in der tastenden Entdeckung Sophies. Sophie wurde von Lucy Crowe gesungen, die neben ihrer jugendlichen Anmut durch wahrlich silbrige Töne bezauberte. Etwas weniger elegant ging es bei den Männern zu, zumindest bei den adligen. Der elegante Sänger ist ein Bourgois, nehme ich mal an. Gesungen hat ihn Piotr Beczala, der „Di rigori armato il seno“ mit sichtlichem Vergnügen zum besten gab. Den prolligen Ochs von Lerchenau, eine Rolle, auf die ich immer gerne verzichten könnte, gab der kraftvolle Peter Rose, dessen etwas gestelztes „Wienerisch“ mich weniger störte als beim letzten Mal. Dem opportunistischen Faninal verlieh Martin Gantner Ausdruck.

Die musikalische Leitung hatte Constantin Trinks von Leif Segerstam übernommen, der die Neueinstudierung musikalisch leitete und auch für die beiden Festspielaufführungen vorgesehen war. Ich weiß nun gar nicht, ob das Bayerische Staatsorchester den Rosenkavalier auch ganz ohne Dirigenten so gut spielen könnte wie sie es taten; es könnte sein. Ich glaube allerdings lieber, daß ein Großteil des musikalischen Gesamteindrucks dem energischen, dennoch einfühlsamen Partiturzugriff des einspringenden Darmstädter GMDs zuzuschreiben ist. Weder beobachtete ich Koordinationsproblemchen zwischen Bühne und Graben, noch wurden Sänger unter Strausschen Klangmassen begraben. Trotz des auf mich sehr kontrolliert, auch kontrollierend wirkenden Dirigates entfalteten sich die tänzerischen und wienerliedhaften Elemente mit Charme, aber vor allem voller Melancholie, die nachklingt.

Ein Festspielabend.

PS: Fotos von den Schlussvorhängen gibt es dieses Mal nicht, denn sie zogen nicht mehr auf. Das Bühnenbild 2. Akt wurde übrigens wieder heftig auf offener Szene beklatscht. Bilder zur Inszenierung gibt es auf der HP der Bayerischen Staatsoper oder bei youtube

Besetzung am 19. July 2011

Musikalische Leitung Constantin Trinks
Nach einer Konzeption von Jürgen Rose
Otto Schenk
Chöre Sören Eckhoff

Die Feldmarschallin Anja Harteros
Der Baron Ochs auf Lerchenau Peter Rose
Octavian Sophie Koch
Herr von Faninal Martin Gantner
Sophie Lucy Crowe
Jungfer Marianne Leitmetzerin Ingrid Kaiserfeld
Valzacchi Ulrich Reß
Annina Heike Grötzinger
Ein Polizeikommissar Christoph Stephinger
Der Haushofmeister bei der Feldmarschallin Kenneth Roberson
Der Haushofmeister bei Faninal / Ein Wirt Francesco Petrozzi
Ein Notar Christian Rieger
Ein Sänger Piotr Beczala
Eine Modistin Hanna-Elisabeth Müller
Ein Tierhändler Dean Power
Drei adelige Waise Evgeniya Sotnikova
Martha Hirschmann
Angela Brower

Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

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2 Kommentare leave one →
  1. baerbl wagner permalink
    Juli 24, 2011 06:19

    Liebe Rossignol,
    das war wohl „höhere Gewalt“! Wir haben uns ja in der Pause getroffen.Die Oper hat natürlich „Längen“ und zieht sich! Aber bei der fantastischen Besetzung freut man sich auf den musikalischen Höhepunkt am Ende des 3.Aktes „Ist ein Traum“ – wunderbar gesungen! Dafür lohnt es sich, die Längen vorher in Kauf zu nehmen.Und Beczala als Sänger – auch bei einem kurzen Auftritt wie im Rosenkavalier- ist ein Erlebnis.
    Eine festspielwürdige Aufführung!

    Liebe Grüße, Bärbl

  2. Juli 24, 2011 15:38

    Dear Ladies,
    Lucky you – I wish I was there…!
    Best regards,
    Ewa

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