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Pfingstfestspiele Salzburg – I due Figaro

Juni 13, 2011

Zuerst einmal ein paar Fotos vom Schlussapplaus am 12. Juni 2011 der diesjährigen Operninszenierung von Saverio Mercadante (1795–1870) • I due Figaro • Melodramma buffo in zwei Akten (1826) • Text von Felice Romani (1788–1865) nach Honoré-Antoine Richaud Martelly (1751–1817)

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Musikalische Leitung: Riccardo Muti • Regie: Emilio Sagi • Bühnenbild: Daniel Bianco • Kostüme: Jesús Ruiz • Choreinstudierung: Walter Zeh

Antonio Poli (Il Conte d’Almaviva), Asude Karayavuz (La Contessa),
Rosa Feola (Inez, ihre Tochter), Annalisa Stroppa (Cherubino, unter dem
Namen Figaro), Mario Cassi (Figaro), Eleonora Buratto (Susanna), Anicio Zorzi
Giustiniani (Torribio), Omar Montanari (Plagio, junger Komödiendichter)

Orchestra Giovanile Luigi Cherubini • Philharmonia Chor Wien

Koproduktion mit dem Ravenna Festival und mit dem Teatro Real, Madrid

(Angaben von der HP der Salzburger Festspiele)

Und nun (15.6.11) zum Aufführungsbericht:

Man tut sich leicht mit der verworrenen Geschichte um I due Figaro, handelt es sich doch um die Fortsetzung des altbekannten Barbiere di Siviglia (Graf Almaviva freit mit Hilfe Figaros Rosina) und der Beziehungskiste um Le Nozze die Figaro (Der verheiratete Graf stellt der Zofe Susanna nach, was dem Figaro nicht passt). Die Almavivas haben nun eine erwachsene Tochter, Inez, die unter die Haube soll, aber den Mann nicht will, der ihr vom Grafen bestimmt wurde. Figaro hat Alvaro durch eine List vorgeschlagen und will sich dafür die Hälfte der Mitgift sichern. Inez dagegen hat ihren eigenen Kopf und einen Liebhaber. Ihre Mutter, deren Ehe mit Almaviva in Eintönigkeit zu versinken scheint, und Susanna sind verzweifelt über die geplante Vernunftehe. Cherubino, der Racker, der einst Rosina anschmachtete, hat es zum Offizier gebracht und will Inez heiraten. Er ist nicht weniger schlau als der intrigante Figaro, der erst durch gefälschte Briefe die Heirat eingefädelt hatte, denn er fertigt sich kurzerhand selbst ein Empfehlungsschreiben und stellt sich dem Grafen vor, der Gefallen an ihm findet und ihn einstellt. Dem Ur-Figaro gefällt das natürlich nicht. Zufällig belauscht er ein Schäferständchen zwischen Inez und Cherubino und schwärzt die beiden bei dem Grafen an. Als dieser das Pärchen zur Rede stellt, spielen sie ihm eine Kömödie vor. Der Graf will Figaro entlassen, Cherubino aber bittet für Figaro um Nachsicht. Figaro sinnt auf Rache. Er hat Cherubino in Verdacht, der Liebhaber Inez zu sein. Als er mit dem Grafen Cherubino zusammen mit Susanna und Inez im Garten erwischt, gibt dieser sich als Susannas Verehrer aus. Susanna spielt mit (ihre Ehe hielt auch nicht, was sie versprach), und Figaro ist ausser sich.

Im zweiten Akt der Oper wird das Versteckspiel und die Intrigen auf die Spitze getrieben. Der Graf verstößt nun auch Susanna, nimmt dafür Figaro wieder in Amt und Würden. Susanna jedoch weiß, wie sie den Grafen zu nehmen hat und spielt ihm vor, wie sehr sie darunter leidet, den Dienstherren verlassen zu müssen. Als die Hochzeit mit dem ungeliebten Alvaro stattfinden soll, erkennt Cherubino in ihm seinen ehemaligen Diener. Das abgekartete Spiel mit Figaro I fliegt auf, Figaro II gibt sich als Cherubino zu erkennen. Figaro I wird mal wieder davongejagt und Cherubino darf Inez heiraten.

Kompliziert wird die Geschichte durch eine weitere Figur, Plagio, der ein Theaterstück schreibt und dem Figaro die geplante Eheanbahnung als Sujet für sein Stück empfiehlt. Durch den immer wieder auftauchenden Plagio entsteht manchmal der Eindruck, daß dieses Stück bereits gespielt wird. Ein rechtes Durcheinander eben. Aber vergnüglich.

Ich bin kein großer Freund von musikalischen Komödien, aber da das Stück nie in Klamauk abrutscht und die Komposition außergewöhnlich variantenreich ist und wunderschöne Melodien enthält, fühlte ich mich angeregt unterhalten.

Von der szenischen Realisierung einer unter der musikalischen Leitung von Riccardo Muti stehenden Oper weiß man in der Regel, was zu erwarten ist. Das Bühnenbild ist naturalistisch gefällig, die Kostüme historisierend und geschmackvoll. Das tut niemand weh und lenkt nicht ab von der Musik.

Auffallend war die sehr junge Besetzung. Alle Sänger stehen am Anfang ihrer Karriere, liessen gut ausgebildete, unverbrauchte Stimmen hören. Manche waren beim Young Singers Project der Salzburger Festspiele schon vertreten. Der Sänger des Grafen, Antonio Poli, begeisterte mich, aber auch Annalisa Stroppa als besonders spielfreudiger Cherubino. Eleonora Buratto hat als Susanna nach meiner Meinung die schönsten Melodien und schnellsten Koloraturen, die sie mit Bravour darbot.

Obwohl der Komponist mit Sicherheit die Vorgängerwerke kannte, handelt es sich bei seinem Werk um eine eigenständige Komposition, deren musikalischen Konzeption eher in die Zukunft weist als den alten Meistern nachzueifern. Die immer wieder eingebundenen spanischen Tanzelemente befeuern das Bühnengeschehen und bringen eine gewisse Leichtigkeit.

Ein Gefühl nonchalanter Leichtigkeit vermittelte auch das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini unter der Leitung seines Gründers und realisierte Riccardo Mutis Klangvorstellungen perfekt. Sein stringentes rhythmisches Konzept beflügelte Orchester und Sänger gleichermaßen. Unsicherheiten der Abstimmung zwischen Bühne und Orchester gab es nicht.

Es gab viel Beifall für einen sehr gelungenen Abend, der eine fast vergessene Oper ins verdiente Blickfeld rückte und den glanzvollen Schlußpunkt setzte unter die szenischen Aufführungen Riccardo Mutis fünfjähriger Ägide bei den Salzburger Pfingstfestspielen.

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