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Bayerische Staatsoper featuring Der Rosenkavalier

Juni 3, 2011

Das wird keine Vorstellungskritik, sondern gehört in die Rubrik „Schussels Abend-teuer“.

Ich, beruflich immer während der ersten Tagen eines Monates unter beträchtlichem Stress, hielt selbigen Anfang Juni für beherrschbar und kaufte mir am Tag vor der als Premiere/Neueinstudierung/Rollendebüt propagierten ersten Vorstellung des knapp vierzigjährigen Rosenkavaliers eine Karte für sage und schreibe 143 Euro 50. Zum Selbstausdruck (noch nicht mal die Portokosten von 1,50 Euro werden erlassen – erste Glanztat der BSO in diesem Zusammenhang). Das Rollendebüt von Frau Harteros war mir die 143,50 Euro wert und vermutlich war es sogar noch mehr wert, allerdings nicht für mich.

Vom Schreibtisch in die Oper, dachte ich mir am Auffahrtstag (wie ihn die Schweizer nennen), vorher noch ein Häppchen essen und dann die Marschallin bedauern. Es kam mir schon seltsam vor, daß ich so reibungslos durch die Maximilianstrasse gelangte. Arges schwante mir, als ich die Portale des Nationaltheaters bis auf eines für das rauchende Personal geschlossen sah. Der Rosenkavalier hatte bereits um sechs begonnen, wie es auf meinem selbstausgedruckten ungelesenen Ticket Direkt stand. ich kann zwar lesen, spare mir aber gerne Überflüssiges. Das sollte ich gelegentlich auch mal näher definieren.

Da München nun mal nicht Salzburg ist, gibt es keine Chance, bei einem Atemholen des Orchesters in den Saal gelassen zu werden, was ich allerdings prinzipiell für richtig halte, wenn auch manchmal etwas starr gehandhabt (nicht in diesem Fall allerdings).

Ausgerechnet der erste Akt weg, wegen dem ich eigentlich hier war! Ein paar interessante künstlerische Installationen hat man eingerichtet in den Räumen der BSO, wenn’s schon keinen neuen Rosenkavalier leidt. Die beste steht im ersten Rang: Ein Schminktisch mit blinkenden Lichtern um den Spiegel. Ein Strangulierseil baumelt von der Decke. Der Stuhl darunter ist umgefallen. Auf dem Tisch vor dem Spiegel steht eine Vase mit einer Rose. Aha, dachte ich mir, hat sie sich erhängt, die Marschallin.Konnte ich nachfühlen. Mir war auch fast danach. Von oben schaute übrigens eine Zofe zu, goldene Beine, weisses Schürzerl.

Eine freundliche Dame vom Einlasspersonal zeigte mir die neueste Errungenschaft der BSO, ein Beamer in der Lounge hinter der Abendkasse. Keine schlechte Idee an sich (der Beamer), der für die Platzwahl (Glanztat des Abend Nr. 2) Verantwortliche gehört allerdings umgehend entlassen. Der Ort ist eine Zumutung für die Zuspätkommer, von denen nur die ersten 6 überhaupt etwas sehen können (Beeilen Sie sich also bitte, wenn Sie in der Bayerischen Staatsoper beabsichtigen zu spät zu kommen), vor allen Dingen aber für die Mitarbeiter des Restaurationsbetriebes, die in ihrer Arbeit zum einen von den Zuspätkommern behindert werden und zum anderen diese empfindlich durch ihr Geklapper stören. Warum installiert man das teuere Gerät nicht einfach im Capricciosaal, der ohnehin frei ist, wenn die Vorstellung beginnt!

Einen netten Nachbarn traf ich nach der Pause auf meinem teueren Platz im ersten Rang. Das vorangegangene Gespräch liess mich fast den nordischen Kobold übersehen, der am Pult Platz nahm. Niedlich. Aber ein Kulturschock. Nach allem, was diese Inszenierung schon mitmachen durfte.

Die Übergabe der Rose (mein Einstieg in den gestrigen Rosenkavalier) war vielversprechend und musikalisch wie vokal sehr gelungen. Eigentlich war ich froh darüber, daß man den Schenk/Rose/(Kleiber) Rosenkavalier neu einstudierte und keine Neuinszenierung auflegt. Dieser zweite Akt zeigte allerdings, daß die Inszenierung trotz des(akklamierten) Bühnenbildes nicht mehr zeitgemäß ist. Die Gags haben lange Beine und die Längen des Stückes treten überdeutlich zu Tage.

Die paar schönen Momente des letzten Aktes reissen dann auch nichts mehr. Hier traten dann auch deutliche Schwächen bei Sophie (forciert und höhenscharf) und bei Octavian (kraftlos) zutage: Die noble Marschallin überschrie Sophie (natürlich) nicht.

Mein französischer Sitznachbar bestätigte übrigens nach der Vorstellung die Qualität des Staatsorchesters, die so einen Rosenkavalier wohl genauso gut auch ohne Dirigenten spielen könnten. Der Meinung kann ich mich zwar nicht anschließen, aber sie spielten dennoch gut, vor allem die Holzbläser mal wieder.

Jedenfalls weiß ich nun für alle Zeiten, wann Der Rosenkavalier beginnt und werde auch jeden Fall zur Festspielvorstellung pünktlich sein. Über die Verweildauer mache ich mir einstweilen noch keine Gedanken.

One Comment leave one →
  1. baerbl wagner permalink
    Juni 5, 2011 02:41

    Liebe Rossignol,
    wir haben uns ja in der zweiten Pause getroffen! Leider haben Sie den wirklich musikalisch wunderbaren 1.Akt versäumt! Anja Harteros war als Marschallin ganz fantastisch – stimmlich und darstellerisch. Leider hat das Orchester dann im Laufe des Abends zu sehr „aufgedreht“ und die Sänger teilweise zugedeckt.Die Inszenierung finde ich allerdings nach wie vor sehr stimmig.

    Heute fahre ich nach Dresden, zu Anna Bolena mit Edita Gruberova!
    Und am Freitag dann nach Zürich zur Boheme mit Jonas Kaufmann!
    Musik ist doch das Schönste im Leben!
    Wir sehen uns dann „pünktlich“ zu den Festspielen in München!!
    Liebe Grüße,
    Bärbl

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