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Wo war Tosca?

Mai 5, 2011

„Eine Weltklasse-Besetzung“, schwärmten zwei junge Männer im Foyer des dritten Ranges vor Beginn der Vorstellung erwartungsfroh.

„Meine Damen und Herren, wir haben keine Tosca“, sagte jemand (Dirigentin oder Souffleuse) zum Auditorium in die irritierende Stille vor „Mario, Mario“. Vielleicht war Frau Tatiana auf Toilette. Frau Dirigent kann nicht schuld gewesen sein, denn die war sehr gemächlich unterwegs. Tosca erschien dann doch – man wird doch mal zu spät kommen dürfen – und rief auch nach kurzem Zögern „Mario, Mario“. Trotz wogenden Vibratos machte sie ihr Ding bis zur Pause allerdings dann doch ganz ordentlich. Mit uneleganter Kraftmeierstimme präsentierte sich Marcello Giordani als Cavaradossi im ersten Teil. Scarpia Juha Uusitalo liess sich zu Beginn mit einer Erkältung ansagen, keine guten Aussichten für die ohnehin leichte Stimme. Das Risiko für größeres Ärgernis nach der Pause war mir dann doch zu groß, und ich zog Leine, ehe sie mir den Tag vollends verdarben.

Besetzung 5. Mai 2011

Musikalische Leitung Keri-Lynn Wilson
Inszenierung Luc Bondy
Bühne Richard Peduzzi
Kostüme Milena Canonero
Licht Michael Bauer
Chöre Sören Eckhoff

Floria Tosca Tatiana Serjan
Mario Cavaradossi Marcello Giordani
Baron Scarpia Juha Uusitalo
Cesare Angelotti Christian Van Horn
Der Mesner Christoph Stephinger
Spoletta Kevin Conners
Sciarrone Rüdiger Trebes
Ein Gefängniswärter Christian Rieger
Stimme eines Hirten Tölzer Knabenchor

6 Kommentare leave one →
  1. rafael permalink
    Mai 6, 2011 18:46

    ui jui jui und ich werde am Sonntag die Serjan als Tosca hören;-( Danke für diese Kritik, deine Meinung scheint im ganzen durchgegooglten Internet der einzige Hinweis zu sein…

    • Mai 7, 2011 10:15

      Jede Vorstellung ist anders, rafael. Und am Sonntag wird alles ganz prima. Viel Vergnügen.
      rossignol

      • Rafael permalink
        Mai 9, 2011 20:46

        Ich grüße Sie und möchte mich für mein zu schnell gewähltes „Du“ in meiner ersten Nachricht an Sie entschuldigen!🙂
        Ich erwartete hinter Ihrem Nicknamen eher einen jungen Mann… *augenzwinker*

        Die Hoffnung, dass jede Vorstellung anders und die von mir besuchte doch ganz prima werde, verstrich schon nach dem ersten Akt und wurde auch durch einen hervorragenden Scarpia (J. Uusitalo) nicht weggesungen. Große Gesten und die hohe Selbsteinschätzung von Keri-Lynn Wilson ließen das renommierte Bayerische Staatsorchester teils zu laute – man konnte Tatiana Serjan nur noch den Text von den Lippen ablesen! – teils zu schnelle bzw. langsame Tempi befehlen…

        Im dritten Akt war man geneigt, das Kopfkissen aufzuschütteln und sich zu Bett zu begeben.

        Einige Zuhörer verließen wie Sie den Saal. Bravo-Rufe oder großer Applaus fielen bis auf das Füßetrampeln einer Schulklasse aus.

        Für mich war der Abend eine bittere Enttäuschung!

        Mit lieben Grüßen
        Ihr
        Ralf Rafael Maus aus Freiburg im Breisgau

  2. Mai 10, 2011 16:50

    Lieber Rafael (ich bleibe mal dabei😉 ),
    danke, daß Sie Ihre Eindrücke mit uns teilen. Es tut mir sehr leid, daß Sie von weit her anreisen, um dann mit einer zweitklassigen Aufführung abgespeist zu werden. Selbst eine Repertoireaufführung sollte handwerklich zumindest ordentlich gemacht sein.

    Bei mir überwiegen bisher die angenehmen Erfahrungen mit der Münchner Oper. Manchmal habe ich Skrupel, negative Erlebnisse so deutlich zu beschreiben, wie ich sie eigentlich empfand, weil ich Besuchern der nachfolgenden Aufführungen, die mein Zeug möglicherweise lesen, die Vorfreude nicht nehmen möchte. Es ist tatsächlich nicht alles Gold, was glänzt, aber die Sternstunden – es gibt sie wirklich und nicht selten in Repertoirevorstellungen. Das ist es, was mich zum Beispiel immer wieder ins Theater zieht. Das Liveerlebnis, auch wenn es nicht ganz perfekt ist, ziehe ich der Konserve bei weitem vor.

    Ich hoffe, die Tosca-Enttäuschung hält Sie nicht von weiteren Besuchen in der Münchener Staatsoper ab. Die Chance, etwas Schönes zu erleben ist größer als das Gegenteil (und das hatten Sie ja schon).

    Viele Grüße nach Freiburg
    rossignol

  3. Anke permalink
    Mai 13, 2011 10:39

    Liebe Rossignol,

    vielen Dank für die tollen New York Fotos. Ihre Opern-Kritiken lese ich regelmäßig. Sie schreiben immer sehr treffend und da ich sehr oft und regelmäßig die Bayerische Staatsoper aufsuche, finde ich meine eigenen Eindrücke hier oft von Ihnen formuliert wieder.
    Vielen Dank dafür und alles Gute für Sie! Ich freue mich auf alles Weitere und bleibe Ihre treue Leserin.

    Beste Grüße
    Anke

    • Mai 13, 2011 16:23

      Liebe Anke,
      vielen Dank für Ihr feedback. Wer freute sich nicht über ein Lob!

      Viele schöne Opernabend wünscht Ihnen
      rossignol

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