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Metropolitan Opera: Rigoletto

Mai 1, 2011

Met Restaurant - with reservation only

Der Blick ins Programmheft war nicht nötig. Diese Bühne konnte nur von Otto Schenk stammen. Eine Ausstattung, die an betulichem Naturalismus der kürzlich an der Wiener Staatsoper gesehenen nicht nachsteht. Aber wegen ihr war ich gar nicht hier, sondern wegen Diana Damrau als Gilda und Željko Lucic in der Titelrolle. Giuseppe Filianoti fand ich ebensowenig uninteressant wie Fabio Luisi, frisch ernannter Met principal guest conductor, am Pult. Und da ich schon mal in New York war, lag nichts näher als Rigoletto.

Fabio Luisi begann zackig, zu zackig für meinen Geschmack; kein Wunder, daß der arme Filianoti das Tempo nicht mithalten konnte. Ehrlich gesagt, hat ihm Luisi „Questa ò quella“ ruiniert. Davon erholte der Bursche sich nicht mehr. Die gepressten Höhen liessen mich eher leiden als sie mich erfreuten. Trotz größtem Wohlwollen handelt es sich nach meinem Eindruck auch bei Guiseppe Filianoti um einen Sänger, der sich zu schnell an tückischen Rollen wie dem Duca verhebt. Schade um die schöne Stimme und schade vor allem um die Reputation. Es ist eben nicht alles Nemorino.

Mit den willkürlichen Tempi des Maestro hatten auch die anderen Sänger zu kämpfen. Željko Lucic gewann dank seiner Routine. Der Rigoletto liegt ihm sozusagen in der Kehle. Seine farbenreiche, warme Baritonstimme passt fantastisch zu dem väterlichen Narren, der ihm auch darstellerisch gelingt.

Diana Damrau ist eine Ausnahme-Sängerin, gleich in welcher Rolle sie auftritt. Ich erlebte sie schon mal als silbrige Gilda in München’s Affen-Rigoletto, wo sie die Premieren-Serie sang. Heute ist sie ein paar Jahre älter, Mutter inzwischen, aber noch immer eine mädchenhaft anrührende Gilda mit einer noch schöneren Stimme als früher. Den weissgoldenen Koloraturen kann sie nun gelbgoldene Melodiebögen hinzufügen. Mein netter Sitznachbar im Balcony erzählte mir, wie sehr das Met Publikum Diana Damrau liebt und daß man in München durchaus mit Touristen aus Amerika rechnen kann, wenn sie sich anschickt, die drei Sopranrollen in der Hoffmann-Neuinszenierung zu singen.

Großen Anteil an der Qualität der Vorstellung hatte der vorzügliche Chor der Met, der sehr spielfreudig und stimmlich äusserst homogen auftrat, bemerkenswert für einen lt. dem NYT Kritiker angeblich nicht geprobten Repertoireabend.

Tosender Schlussapplaus. Die Bravi für Luisi aus dem Family Circle kann ich allerdings nicht so recht nachvollziehen. Das Dirigat war sehr uneinheitlich hinsichtlich Tempi, Dynamik und Lautstärke, mit plakativen Gesten, die aber offenbar ihre Wirkung auf das Publikum nicht verfehlten.

Mein Bericht bezieht sich auf die Aufführung am 27. April 2011.

3 Kommentare leave one →
  1. Robert Zylian permalink
    Mai 1, 2011 19:31

    Anscheinend ist Rossignol ein Luisi-Hasser. Die Vorstellung war ausgezeichnet, und das Dank Damrau, Lucic und – Luisi. Dass Filianoti nocht der grösste ist, haben wir gewusst, ausserdem hat Rossignol nicht bemerkt, daß Luisi Filianoti bremste, der mit „Questa o quella“ davon lief – und sang.
    Also das Tempo war des Tenors und nicht des Dirigenten – zu schnell.
    Und das Vorspiel war gar nicht zackig, sondern intensiv und klangschön und dramatisch.
    Aber so sind eben Blogs, wenn einer kommt und glaubt, alles besser zu wissen – ohne eine Qualifikation mitzubringen…
    Robert

  2. Mai 1, 2011 19:56

    Sehr geehrter Robert Zylian,

    ein Luisi Hasser bin ich mitnichten, habe allerdings Ohren und Augen. Wenn Sie etwas anderes gesehen und gehört haben als ich, dann bleibt Ihnen das unbenommen. Ihnen wegen Ihrer anderen Meinung zu unterstellen, Sie hätten keine Ahnung, würde mir nicht einfallen.

    Viele Grüße
    rossignol

  3. robert zylian permalink
    Mai 2, 2011 02:28

    Lieber Rossignol,
    ich habe nicht geschrieben, daß Sie keine Ahnung haben, aber Ihr Urteil (und Vorurteil) zeigt, daß Sie einen musikalischen Vorgang falsch interpretiert haben, und dafuer einem Unschuldigen (dem Dirigenten) die Schuld gegeben. Das ist nicht Meinung, was Sie veroeffentlichen, sondern falsche Tatsachen. Wie mir music staff members der Met bestätigt haben, neigt Filianoti zu zu schnellen Tempi, die er stimmlich nicht kontrollieren kann, so war es in „Questa o quella“ in der Vorstellung. Ich bin in der dritten Reihe gesessen, konnte daher den Versuch des Dirigenten beobachten, den Tenor zu bremsen.
    Sie moegen Luisi nicht, das ist in Ordnung, das ist eben Ihre Meinung. Er ist bei uns (ich sage uns, obwohl ich aus Hamburg bin, lebe aber schon 30 Jahre in NYC) aber sehr beliebt, nicht nur beim Publikum, sondern vor allem intern in der Met – das Orchester liebt ihn sehr, als einen der ganz wenigen – und er hat fuer die Met sehr viel getan, gerade in diesen Jahren in welchen Levine große gesundheitliche Probleme hat. Ihre Meinung ueber uneinheitliche Tempi kann ich, wie viele andere Zuschauer auch, nicht teilen. Sein Verdi hat bei uns Referenzcharakter. Plakativ? Da kann ich wirklich nicht mitkommen.
    Beste Gruesse
    Robert

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