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Metropolitan Opera: Il Trovatore

Mai 1, 2011

Ganz unspektakulär fand ich Fabio Armiliatos Trovatore-Dirigat tags darauf. Er liess scheinbar die Musik einfach fließen, und es funktionierte. Enrico Caruso soll mal gesagt haben, für Trovatore brauche man einfach nur die vier besten Sänger. Ob die besten Sänger and diesem Tag an der Met zu hören waren, kann ich nicht beurteilen. Große Stimmen hatte man für die Aufführung jedenfalls aufgeboten.

Die Rolle des Conte di Luna steht Dmitri Hvorostovsky besser als letztens in Wien der Rigoletto. So schön, mächtig und profund seine Stimme auch klingen mag, mir fehlt der große musikalische Bogen, der zu oft durch seine Atemtechnik unterbrochen wird. Marcelo Álvarez als Manrico begann etwas verhalten, war offenbar vor dieser Vorstellung krank gewesen, steigerte sich dann aber kontinuierlich. Vielleicht schluchzte er einen Tick zu viel, blieb aber damit im erträglichen Rahmen. Und möglicherweise schonte er sich auch etwas für die bevorstehende Live-Radioübertragung. Stefan Kocán, tags zuvor als Sparafucile beachtlich unterwegs, sang mit leichtem Bass einen sehr guten Ferrando.

Beide Haupt-Solistinnen erlebte ich zum ersten Mal auf der Bühne. Sondra Radvanovskys großer Sopran erfüllt den Riesensaal der Met mühelos. Hat mir ausgezeichnet gefallen. Eine leise Ahnung beschlich mich allerdings schon, als nach „Tacea la notte“ meine Sitznachbarin in der ersten Balcony Reihe schier ausrastete, schrie, lachte und vor Begeisterung auf die Balustrade trommelte. Sie, die bis dahin mucksmäuschenstill verharrte und bei keinem anderen Sänger (auch später nicht) eine Hand regte. Der Szenenbeifall für Radvanovsky nach jedem Solo war jedenfalls bemerkenswert.

Den stärksten Eindruck freilich hinterließ mir Dolora Zajick als Azucena. Sie dominierte in darstellerischer Hinsicht und auch vokal. Nie verliert sie die Kontrolle über ihren großvolumigen Mezzosopran, mit dem sie farbenreich gestaltet. Der Charakterisierung der Facetten der Zigeunerin ist treffend und schlägt den Zuhörer in Bann.

Wie schon beim Rigoletto am Tag zuvor sang und agierte der Chor der Metropolitan Opera in beeindruckender Form.

David McVicars Inszenierung folgt dem Libretto mit ein paar „anzüglichen“ Verbesserungen, nichts Aufregendes, stört die im Grunde spannende Handlung auch nicht. Für die naturalistische, historisierende Bebilderung der Szene wird eine Drehbühne benutzt. Inspiriert wurde die Inszenierung durch Bilder Francisco Goyas zum Spanischen Unabhängigkeitskrieg 1808-1814. Goyas „Die Wallfahrt des San Isidro“ bildet den Bühnenvorhang.

Auch diese Vorstellung erwies sich als durchaus lohnender Besuch, wäre allerdings keine Extrareise wert im Gegensatz zur Walküre.

Mein Bericht bezieht sich auf die Vorstellung am 28. April 2011.

2 Kommentare leave one →
  1. Robert Zylian permalink
    Mai 3, 2011 21:36

    Der Dirigent dieser Auffuehrung war Marco Armiliato.
    Fabio Armiliato ist sein Bruder und ist Tenor – als Information: verheiratet mit Daniela Dessi‘.
    Beste Gruesse
    Robert

    • Mai 3, 2011 23:05

      Ich weiss, verwechsele die beiden Namen trotzdem immer wieder. Danke für den Hinweis. Getaggt habe ich den „Richtigen“.
      Und Grüße nach NYC.
      rossignol

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