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RIP Margaret Price

Februar 1, 2011

Margaret Price als Contessa / Bild der Bay.Staatsoper

Ich erlebte Margaret Price seit den siebziger Jahren in allen Rollen, die sie an der Bayerischen Staatsoper sang, in vielen Liederabenden und Konzerten, die sie in München gab, wo sie jahrelang lebte, bis sie sich vom Sängerleben zurückzog, um sich der Hundezucht in ihrer Heimat Wales zu widmen. Den mir früh erscheinenden Rückzug habe ich sehr bedauert, und wenn ich mich recht erinnere, kam er auch unerwartet, passt aber zu dem ihr eigenen selbstkritischen künstlerischen Anspruch.

Keine Sängerin hat meinen musikalischen Geschmack was Stimmen betrifft mehr beeinflusst als Margaret Price. Instrumentale Tongebung, kaum Vibrato, ruhende Bögen, klare Diktion, geradezu in den Himmel fliegende Spitzentöne – ich habe Vergleichbares seither nicht mehr gehört. Das gilt für die stimmliche Eleganz und die tiefe Emotionalität ihrer Desdemona und noch mehr für die Gräfin aus der Nozze und es gilt ebenso für Donna Anna. Unvergesslich auch ihre legendären Auftritte als Adriana Lecouvreur in München. Margaret Price war eine schöne Frau und hatte ein natürliches Bewegungstalent auf der Bühne. Persönlich kennengelernt habe ich sie leider nie; nach ihrem öffentlichen Auftreten muß sie ein angenehmer Mensch gewesen sein.

Ich erinnere mich an eine der letzten Vorstellungen in München als Gräfin, als ihr das Kleid, in dem sie die Bayerische Staatsoper abbildet, trug, das ihr kaum noch passte. Sie war erkältet an diesem Tag und kratzte wohl alle Energie zusammen, um das „Dove sono i bei momenti“ nach der Pause in gewohnter Qualität zu singen. Selbst die Kritiker hatten das damals zur Kenntnis genommen und die Vorstellung nicht zerrissen.

Ich erinnere mich auch an ein Brahms-Requiem mit den Philharmonikern im Kongressaal, das sie wie ein Engel sang und an eine 9. Beethoven eben dort, in der ich und mein Begleiter uns den Sternen nah fühlten.

Heute kann ich mich sehr an ihrer Isolde erfreuen, die zwar „nur“ als Retorte besteht, wo Margaret Price aber dem Charakter der Isolde so wie ich ihn verstehe näherkommt, als manche stimmgewaltige hochdramatische Sängerin. Freuen kann ich mich auch an deutschen Liedern, die auf CD erhalten sind und die ich in letzter Zeit öfter höre.

Frau Price war Bayerische Kammersängerin und Dame des Britischen Empire. In meiner Erinnerung wird sie „meine“ Contessa Almaviva bleiben. Sie starb in Wales am 28. Januar 2011 im Alter von nur 69 Jahren.

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