Skip to content

BSO 2. Januar 2010 Luisa Miller

Januar 13, 2011

Zu den wenigen im Repertoire der Bayerischen Staatsoper verbliebenen „ansehbaren“ Verdi-Inszenierungen gehört die von Claus Guth. Wer hätte das gedacht. Ich habe diese Luisa Miller oft gesehen, mehrmals darüber berichtet und so soll es auch jetzt sein, wenn auch ein paar Tage zu spät; schließlich habe ich schon für schlechtere Aufführungen freundliche Worte gefunden.

Bertrand de Billy dirigierte. Zu schreiben, daß das Resultat seiner Arbeit mir in der Luisa besser gefiel als am Abend zuvor in der Fledermaus, hieße Äpfel mit Birnen vergleichen. Und trotzdem war es so, was vermutlich großteils an mir lag und den unterschiedlichen Antennen, die man als Opernbesucher am Abend ausfahren kann. Egal, der Dirigent entwickelte ein ausbalanciertes Zusammenspiel zwischen Orchester und Bühne. Das Orchester präsentierte sich in grandioser Verfassung, stilsicher und mit edlem Klang.

Krassimira Stoyanova singt die Titelrolle seit der Premiere vor knapp drei Jahren. Alleine sie lohnt der Besuch. Sie führt ihren lyrischen Sopran überaus kultiviert, ohne Schärfe, mit sicherem Gefühl für Expression und dynamische Ausgestaltung. Darüber hinaus hat sie die Rolle aus darstellerischer Perspektive so verinnerlicht, daß sie für die weiteren Künstler (überwiegend erstmals in dieser nicht ganz einfachen Inszenierung auftretend) eine Art Angel- oder Fixpunkt darstellte. Ich konnte Frau Stoyanova zwar auch schon im Konzert erleben und auch als Rusalka in der Zürcher Inszenierung, möchte sie aber gerne auch in weiteren Rollen an der BSO sehen.

Den Vater Miller sang Zeljko Lucic, auch er ein feiner Stilist mit wunderbar warmem Bariton. Orlin Anastassov als Conte di Walter war sein adäquater (böser) Gegenpart.

Keinerlei Problem hatte Massimiliano Pisapia mit der Bewältigung der Rolle des Rodolfo. Ich würde mich vor Begeisterung überschlagen, wenn er die Rolle, aus welchen Gründen auch immer nicht so eindimensional singen würde. Den Tick, den er , noch nicht einmal mit Kraftaufwand, zu laut singt, vermisste ich beim Ausdruck. Vielleicht ist der Rodolfo nicht (mehr) ganz die richtige Rolle für ihn.

Nino Surguladze gab ihr Hausdebüt in der Rolle der Federica. Ich glaube fast, daß man sich darin nicht wirklich als Mezzo profilieren kann. Jedenfalls hat sie auch live eine schöne Stimme, fiel aber weiter nicht sonderlich auf. Im Gegensatz zu Stephen Humes, der als Wurm eine prächtige Figur machte und nebenbei auch noch fabelhaft sang. Selbst die beiden Opernstudiomitglieder Martha Hirschmann und Dean Power begannen das neue Jahr mit einer guten Vorstellung und wussten ebenso zu gefallen wie es der Chor tat.

Die Luisa Miller ist eine nach wie vor sehenswerte Inszenierung, die dank Frau Stoyanova den Ansatz der ursprünglichen Regiearbeit bewahren konnte.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: