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Mahler III, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Dezember 15, 2010

Ein Teil des überbordenden Applauses am Ende des Konzertes mag ein Ausdruck der Freude des Publikums gewesen sein, über die Rückkehr von Mariss Jansons ans Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks nach einer längeren Krankheit. Mein Applaus könnte gar nicht stärker gewesen sein als er war und er galt der Interpretation von Gustav Mahlers 3. Symphonie.

Am Vorabend des Konzertes am 10, Dezember besuchte ich Alfred Brendels Vortrag in der Musikhochschule, der sich mit dem Humor in der Musik befasste, dem umgekehrt Erhabenen, wie es Jean Paul bezeichnete. In der „Ersten Abteilung“ der Symphonie brachte mich in der Tat manches zum Schmunzeln; fast hatte ich ein schlechtes Gewissen wegen Unbotmäßigkeit, denn Mahler gilt als erste Sache, oder? Aber natürlich kann auch einem Könner bei der Erschaffung eines Kosmos mal etwas daneben gehen, ein Versuch, der sich als untauglich erweist, aber als Karikatur stehenbleibt. Oboen, Klarinetten, Flöten und Fagotte haben ein Talent für musikalische Augenzwinkereien. Im Falle von Mahler III sogar das Posthorn.

Was mir gerade am ersten Teil der Symphonie so besonders gut gefiel (Beethovens Pastorale ist mir die liebste) ist die starke Naturbezogenheit, die Jansons und das BR-Symphonieorchester so ausgeprägt und sensitiv interpretierten.

In der Ausführung gelang instrumental nicht alles perfekt, die „emotionale Ausbeute“ war für mich enorm. Vielleicht tue ich Mahler Unrecht, aber ich halte seine Dritte für ein ideales Winterkonzert oder Adventskonzert, nicht nur wegen er ausführlichen „Heidschibumbeidschi“-Zitate, die voll romantisch aus dem Foyer der Philharmonie ins Gemüt der Konzertbesucher geblasen wurden.

Um ehrlich zu sein, ich bin hauptsächlich wegen Nathalie Stutzmann in dieses Konzert gegangen. Sie ist eine Sängerin, die ich sehr schätze, wegen ihrer eigenwilligen Auftrittsplanung aber bisher erst einmal im Konzert hörte. Ihre echte Altstimme veredelte den in sich ruhenden kurzen Vokalsatz. Gewohnt souverän die Damen des BR-Chores und die Tölzer Knaben.

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2 Kommentare leave one →
  1. bärbl wagner permalink
    Dezember 17, 2010 08:30

    Liebe Rossignol,
    auch ich möchte meiner Begeisterung Ausdruck verleihen.Die Aufführung von Mahlers 3.Sinfonie war in jeder Hinsicht gigantisch!Gott sei Dank stand Mariss Jansons wieder am Pult. Mich hat schon lange ein Konzert nicht mehr so beeindruckt. Vor allem im letzten Satz – ich war zu Tränen gerührt. Man hat ja auch im Publikum die Spannung gespürt! Sonst wird während den einzelnen Sätzen gehustet – aber diesesmal war absolute Stille! – Jeder Konzertbesucher hat förmlich den Atem angehalten, um ja nichts zu überhören! Ein Konzert, das man nicht so schnell vergisst!
    Wir werden uns sicher demnächst in der Oper beim Fidelio sehen?!!!
    Liebe Grüße, Bärbl

    • Dezember 17, 2010 22:31

      Liebe Bärbl,
      mir ging es ebenso. Mir fiel keine passende Umschreibung ein; ich war etwas gehemmt zu schreiben, daß ich schon wieder zu Tränen gerührt war. Nach der gestrigen 4. Mahler zum dritten Mal in einer Woche. Dabei steht der Fidelio noch an! Wir sehen uns dort. Ich freue mich schon sehr auf die Premiere am Dienstag.
      Viele Grüße, r.

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