Skip to content

Bayerisches Staatsballett: Mein Ravel

November 29, 2010

Daß ich nicht oft in Ballettaufführungen gehe, hat besondere Gründe und nichts damit zu tun, daß ich Ballett nicht mag, ganz im Gegenteil, ich liebe vor allem modernes Ballett. Den Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper eine Ballettpremiere in dirigieren zu erleben, konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Vielleicht dauert es ja wieder 50 Jahre ehe so ein Ereignis eintritt. Nagano folgt Georg Solti und Rudolf Kempe, die in ihrer Funktion als GMD an der Bayerischen Staatsoper Ballettaufführungen dirigiert haben.

Der erste Teil bestand aus einer Collage von 3 Musiken Ravels, beginnend mit „Une barque sur l’océan“ und endend mit „Pavane pour une infante défunte“. Im Zentrum dieses Ballettes steht das „Klavierkonzert für die linke Hand“, das Ravel für den Pianisten Paul Wittgenstein komponiert hat, der im ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hatte. Die ausgeklügelte Lichtregie um die beweglichen rechteckigen Metallelemente erlaubte ein raffiniertes Spiel von Licht und Schatten. Die Tänzer tragen einheitliche, schlichte, beinahe durchsichtige schwarze Trikots. Die Choreographie von Jörg Mannes trägt den Titel „Wohin er auch blickt… „ und erzählt keine Geschichte. Trotz aller Ästethik zieht ein kalter Atem von Krieg, Tod, Verwundung und Vertreibung durch das Stück, das mich sehr angesprochen hat.

Es tanzten neben dem corps de ballet:
Frau 1 Emma Barrowman / Frau 2 Stephanie Hancox / Frau 3 Ekaterina Petina / Man 1 Cyril Pierre / Man 2 Matej Urban

Der Australiers Terence Kohler choreografierte den zweiten Teil des Abends, der Ravels Daphnis et Chloé gehörte. Ihm gelingt eine ästhetische, an klassische Tanzvorbilder angelehnte Interpretation des mythischen Stoffes unter Einbindung moderner Tanzbewegungen und Hebungen. Daphnis und Chloé, die man als Kinder in einem Feld ausgesetzt fand, müssen Prüfungen bestehen, durch die sie ihre Beschützer, der Gott Pan und drei Nymphen, geleiten, ehe sie, zurückgekehrt an den Ort ihrer Fundstelle, einer weiteren Generation ein Leben in Liebe vorleben können.
Die Abendbesetzung von Daphnis und Chloé:
Daphnis Nikita Korotkov
Chloé Giuliana Bottino
Briaxis Matej Urban
Lykanion Roberta Fernandes
Pan Leonhard Engel
Nymphe 1 Emma Barrowman.
Nymphe 2 Ekaterina Petina
Nymphe 3 Ivy Amista.
Myrthale Freya Thomas
Lamon Olivier Vercoutère.
Nape Monika Hejdukova
Dryas Gregory Mislin
Das Bild links zeigt den Tänzer des Pan, der von der Decke in bewunderswerter Haltung abgeseilt und am Ende auch wieder hochgezogen wurde. Die Solisten des Abends, von denen ich keinen herausheben möchte, schon weil ich auch gar nicht mehr bewandert bin in der Ballettszene, waren wunderbare Tänzer, die Mitglieder des corps de ballet fabelhaft präzise.

Ich erlebte eine glänzend gelungene Symbiose von Bewegung und Musik, unterschiedlichen Kunstformen, die sich gegenseitig ergänzen und sich dadurch potenzieren. Zum einen ist da die japanische Pianistin Momo Kodama zu nennen, die das Klavierkonzert im ersten Teil mit Verve genommen und mit Bravour gemeistert hat. Spiritus rector allerdings war Kent Nagano (ich nehme mal an des ganzen Abends), der das Staatsorchester erneut in Höhen führte, in denen es sich sichtlich wohlfühlte. Man spürt (und hört), daß der Maestro sich „auskennt“ mit Ravel, daß diese Musik ihm nahe ist, wahrscheinlich seinem Naturell entgegenkommt. Das bewiesen die wenigen Stücke, die wir bisher in Konzerten hören konnten und nicht ohne Grund gilt seine Einspielung von Daphnis und Chloé mit dem London Symphony Orchestra als Referenzaufnahme.

Als ich die riesige Orchesterbesetzung „für einen Ballettabend“ sah war ich überrascht (2 Harfen, viele Holzbläser, allerhand Schlaginstrumente und eine Windmaschine); es waren zum Glück dann doch in beiden Balletten die erwartet raffinierten Interpretationen. Insbesondere bei Daphnis und Chloé war eine Art mysthische Magie spürbar und die Orchestrierung mit den vielen transparenten Einzelstimmen zauberte buchstäblich Bilder vor das innere Auge. Beigetragen hat dazu auch der unsichtbare Chor der Staatsoper.

Ich halte den Ravel-Abend für einen Glücksfall für das Bayerische Staatsballett so wie ich Kent Nagano für einen Glücksfall für das Bayerische Staatsorchester halte. Dieses Zeichen des GMD rückt das Ballett in den Focus, wenn auch vielleicht nur kurz und unterstreicht seine Bedeutung. Nach innen kann es eigentlich nur inspirierend und initiativ wirken und wird hoffentlich lange anhalten.

Weitere Aufführungen
Freitag, 21. Januar 2011
Samstag, 29. Januar 2011
Freitag, 4. März 2011
Montag, 7. März 2011
Donnerstag, 10. März 2011
Freitag, 29. April 2011

und Münchner Opernfestspiele:
Dienstag, 12. Juli 2011

Die Bilder sind der Homepage der Bayerischen Staatsoper entnommen und dürfen hoffentlich verwendet werden.

Advertisements
One Comment leave one →
  1. Dezember 1, 2010 01:53

    What a beautiful set. You are very lucky that you had the opportunity to hear Nagano conducting the ballet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: