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MPhil: Gustav Mahler, 8. Symphonie

Oktober 17, 2010

Ich wusste nicht viel über Mahler’s Symphonie Nr. 8, die auch Symphonie der Tausend genannt wird, und ich hatte auch keine Eintrittskarte für das Konzert der Münchner Philharmoniker unter Christian Thielemann, das schnell ausverkauft war. Da ich die Symphonie noch nie im Konzertsaal gehört hatte, nahm ich mir vor: Diesmal muss es sein. Ein Schildchen „Suche Karte“ war schnell gemalt und nach kurzem Warten in der Kälte vor dem Gasteig wurde die Mühe belohnt und ich war im Besitz einer Karte. Ich habe eine tiefe Abneigung gegen den Konzertsaal der Philharmonie am Gasteig, der mir schon manches Solistenkonzert ob seiner miserablen Akustik verleidet hat. Dieses Mal sollte alles gut werden mit einer Karte für 60 Euro (dachte ich).

Ich wusste nicht nur wenig vom Inhalt der Symphonie Nr. 8, ich wusste auch nicht, daß die Uraufführung am 12. September 1910 in München durch das gleiche Münchner Orchester gespielt wurde. Auch der Wiener Singverein wirkte bei der Uraufführung mit, weshalb er auch dieses Gedenkkonzert mitgestalten durfte, in dem neben dem Philharmonischen Chor der Tölzer Knabenchor auftrat. Eindrucksvoll der Auftritt der vielen Chorsänger; die Männer in einem großen Block direkt hinter dem Orchester zusammen mit den Tölzern; die Chordamen auf den beiden seitlichen Rängen, die üblicherweise Besucherplätze enthalten. Auf einem Balkon waren 7 oder 8 zusätzliche externe Bläser postiert. Imposant war die Aufstellung des aufgestockten philharmonischen Orchesters: Neben den vielen Streichern sah ich 10 Bässe (auch Streicher, nur so als Dimension) , 4 Harfen, Orgel, Harmonium, Celesta, 6 Flöten, 4 normale Fagotte, mehrere Oboen und Englischhörner, ca. 5 Klarinetten, viele Blechbläser, diverse Schlagwerke. Solisten das Abends waren Riccarda Merbeth, Manuela Uhl (eingesprungen für Adrianne Pieczonka), Birgit Remmert, Lioba Braun und Sibylla Rubens , Burkhard Fritz, Albert Dohmen, Roman Trekel.

Es könnte keinen größeren Gegensatz geben zwischen den beiden Teilen dieses Werkes, dessen Aufbau abweicht vom üblichen Aufbau einer Symphonie, aber natürlich trotzdem einen inneren Zusammenhang hat. Der erste Teil, der lateinische Pfingsthymnus „Veni, creator spiritus wird fast durchgängig von den Chören und vom Orchester getragen. Der Eindruck war monumental. Daneben waren auch die sieben sich auf der Bühne befindlichen Solisten beteiligt, was ich den Bewegungen ihrer Unterkiefer entnahm, hören konnte ich im ersten Teil keinen von ihnen, was nicht etwa an einem verschwommenen Dirigat, breiiger Interpretation oder überlautem Orchester lag, sondern einzig allein an der verdammten Akustik dieses Gebäudes, die auf einem Platz Im Block F zu einem Preis von 60 Euro keinen Solisten mehr vernehmen lässt.

Daran änderte sich auch im zweiten Teil der Symphonie nichts – die Solisten blieben wie aus der Ferne vernehmbar. Der zweite Teil allerdings war von einer solch überirdischen, ganzheitlichen Schönheit, daß dieses Manko nicht ins Gewicht fiel. Schon der erste Choreinsatz nach der Orchestereinleitung, das Echo über den Bergschluchten, bleibt mir unvergesslich und die Begeisterung setzte sich fort bis zum mystischen Schlusschor mit seinem durchaus rätselhaften Text. Das Erlebnis war nicht etwa ein Hüpfen von einem musikalischen Höhepunkt, keine Aneinanderreihung von Preziosen, sondern ein verwobenes musikalisches Netz, das mich einwickelte und am Ende nicht mehr loslassen wollte. Christian Thielemanns dirigierte mit unspektakulärer, uneitler Gestik, die Spannung aller Beteiligten war spürbar, das Ergebnis der gemeinsamen Aktion phänomenal.

Lange Sekunden der Stille am Ende, auch provoziert durch Thielemanns Innehalten, danach starker Beifall.

Ich besuchte das Konzert am 15. Oktober 2010.

Der Bayerische Rundfunk überträgt die Aufführung am 29. Oktober 2010 in seinem Programm br-klassik um 19 Uhr. Nicht verpassen!

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One Comment leave one →
  1. baerbl wagner permalink
    Oktober 17, 2010 20:04

    Liebe Rossignol,
    die Akustik war in Block Q – was die Sänger betriftt – auch nicht besser!!!Das ist das leidie Thema und Problem dieser „Scheune“!
    Allerdings hat sich hier der Orchesterklang wunderbar vermischt!
    Aber unabhängig von diesen Gegebenheiten war ich auch ganz gefangen und gefesselt von diesem überwältigendem Werk; und dem feinen, reduzierten Dirigat von Christian Thielemann.
    Es wurde übrigens schon lange nicht mehr so wenig gehustet wie bei diesem Konzert!!!!!!!!
    Eine nachhaltig beeindruckende Aufführung!

    Gruß, Bärbl

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