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Bayerische Staatsoper: Mozartwoche

September 29, 2010

Sie machen’s alle, warum also nicht auch Mozartwochen an der Bayerischen Staatsoper, die auch mit kleinem orchestralem Aufwand durchzuführen sind, wenn das Hauptorchester auf Tournee ist. Aber natürlich gibt es nur die eine, die richtige, wahre Mozartwoche, und die findet jeden Januar in Salzburg statt. Besser gesagt, wir haben hier gerade eine Mozart-Opern-Woche.

Die zweite Cosi fan tutte sah ich mir nach Zauberflöte und der ersten Nozze di Figaro auch an, hielt aber nur bis zur Pause durch. Ich war ganz einfach zu müde, mit der Qualität der Vorstellung hat das nichts zu tun. Julia Jones, die letzte Saison als Dirigentin eines Akademiekonzertes zu Gast war, hatte die musikalische Leitung und dirigierte recht umsichtig, soweit ich das beurteilen konnte (wo ist nur das Dirigentenpult hingekommen?). Nach wie vor klassisch schön finde ich Dieter Dorns Inszenierung in der Ausstattung von Jürgen Rose, sehr ästhetisch, witzig ohne klamaukig zu wirken, immer mit einem ironischen Augenzwinkern, das vielleicht auch Mozart im Sinn hatte bei der Schaffung der Oper mit seinen schönsten Melodien.

Die vorzügliche Besetzung am 27. September 2010:

Fiordiligi – Miah Persson
Dorabella – Gabriela Scherer
Guglielmo – Levente Molnár
Ferrando – Rainer Trost
Despina – Laura Tatulescu
Don Alfonso – Michael Volle

Am Tag darauf besuchte ich den zweiten Durchgang der Nozze di Figaro. Erwartunggemäß hatte die Aufführung von Anfang an ein hohes sängerisches Niveau. Die Haus-Debütanten hatten die erste Scheu abgelegt, und Christian Gerhaher sang zu Anfang zwar ebenso schön wie am Sonntag, hielt sich aber nicht ganz so zurück wie am ersten Abend; in der Rachearie schleuderte er dann vokale Blitze mit einer Intensivität oder besser Explosivität, die mich instinktiv und rein vorsorglich den Kopf einziehen liess. Für mich war jedoch das sanfte „Contessa perdona“ trotzdem die schönste Stelle der Oper.

Ich möchte nicht näher eingehen auf die guten Leistungen der Sänger und die wunderbar spielenden Holzbläser in der Nozze, sondern von Beobachtungen oder Begegnungen erzählen, die ich herzerwärmend fand. Ich stand vor Beginn der Vorstellung vor meinem Sitz im dritten Rang und schaute ins Parkett als eine junge Frau auf dem Platz neben mich ansprach und mich fragte, ob ich es denn hier auch so schön fände, ich würde so froh aussehen. Offenbar verklärt alleine die Anwesenheit im Theater schon meinen Gesichtsausdruck (joke!). Die beiden neben mir sitzenden jungen Frauen erzählten mir anschliessend, sie seien nicht sehr oft in der Oper, aber Figaros Hochzeit und Cosi würden sie sich ansehen. Die beiden tauschten sich (leise) während der Vorstellung aus, was mich normalerweise stören würde, aber nicht in diesem Fall. Immer wieder schaute ich die beiden von der Seite an, die mit sichtbarer Freude und gespannt bei der Sache waren. Als die Gräfin (Erin Wall) ihr „Dove sono i bei momenti“ sang, rollten bei meiner Nachbarin Tränen der Rührung, was mich ein bisschen beschämte, denn im Grunde meines Herzens hätte ich mir eine etwas innigere Gräfin Almaviva gewünscht. So aber rührten mich die Tränen meiner Nachbarin so sehr, daß ich es ihr fast gleichtat. Aber nur beinahe.

Ein weiteres kleines Erlebnis hatte ich in der Pause, als zwei Paare „vom Land“ wie sie selbst sagten, neben mir Platz nahmen, auch keine häufigen Operngänger. Sie hatten sich kurzfristig zum Besuch entschlossen und waren überrascht, daß es ihnen so viel besser gefiel als der Rezensent der Landshuter Nachrichten in seiner Kritik nach der ersten Aufführung verhiessen hatte, und in die ich einen Blick werfen durfte, weil die Herrschaften sie mit hatten. Die Freude war groß, daß der als langweilig angekündigte Abend sich als kurzweilige Unterhaltung mit zwar modernem, aber stimmigem Bühnenbild, schönen Farben und wunderbarer Musik herausstellte. Die Vier waren so begeistert über diese Nozze, daß sie bald wieder einen Besuch im Nationaltheater planten und gleich den Barbier von Sevilla ins Auge fassten.

Ein weiteres Schlaglicht gibt die Ansicht von zwei weiteren Besuchern, mit denen ich im Aufzug fuhr. Sie fanden den Abend ganz bezaubernd, wenn auch die erste Hälfte unterhaltsamer gewesen sei. Wie gut, daß unsere Wahrnehmungen so verschieden sind und unterschiedliche Werte aus demselben Stück gezogen werden können.

Ich möchte damit sagen, daß nach meiner Meinung ein solches reines Mozart-Programm und die Zusammenstellung (Nozze, Cosi, Zauberflöte in den gelungenen Inszenierungen) durchaus seine Berechtigung und auch einen Sinn hat. Welcher Komponist kann schon unmittelbar solch tiefgehenden Gefühle erzeugen und auch ungeübte Besucher in Bann ziehen wie Mozart! Vielleicht täte ich manchmal besser daran, mehr der Komposition und weniger der Qualität der Ausführung nachzuspüren. Der „Nutzen“ könnte überraschend hoch sein.

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