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Salzburger Festspiele: Roméo et Juliette

August 31, 2010

Foto © Hermann, Clärchen & Matthias Baus mit freundlicher Genehmigung der Salzburger Festpiele

Roméo et Juliette von Gounod sollte den (möglichst glanzvollen) Schlusspunkt setzen unter meine diesjährigen Festspielbesuche.

Ich wusste schon, daß inszenierungsmässig nichts Aufregendes zu erwarten sein würde. Daß fast nichts kam, überraschte mich dann doch. Regie (Bartlett Sher) fand nicht statt, wenn man die paar Breitwand-Degen- oder Fechtszenen sowie eine angedeutete Vergewaltigung im Hause Capulet während der Ouvertüre – ein Gedanke, der nicht weiter verfolgt wird – absieht. Dafür gab es prachtvolle Historienkostüme (Catherine Zuber) auf Tuchfühlung zu bewundern, da der Zuschauerraum der Felsenreitschule als Teilspielfläche für Auf- und Abtritte benutzt wurde. Ein unnützes Spektakel, wenn Sie mich fragen. Die Felsenreitschule mit ihren Arkadengängen war Bühnenbild (Michael Yeargan) genug. Den Rest taten ein Podium, ein bisschen Obst und ein paar Sarkophage.

Das Beste am Abend war nach meinem Dafürhalten Yannick Nézet-Séguin, dessen faszinierende Körpersprache das Mozarteumorchester Salzburg zu einer mehr als ansprechenden Leistung trieb. Der Genuß, diesen Dirigenten bei der Arbeit zu erleben, wog das öde Treiben auf der Bühne mehr als auf. Wenn das Ergebnis Gounod war, Hut ab, dann habe ich diese Musik so stark noch nie gehört. Mir kam das Ergebnis fast verdianisch vor. Unverbesserlich sentimental wie ich nun mal bin, finde ich Gounods Musik streckenweise so schön, daß ich wünschte, sie möge nicht enden.

Einer der Gründe für den Besuch dieser Vorstellung war der Hauptdarsteller, Piotr Beczala, der sich nicht nur in den Kampfszenen mehr als achtbar schlug. Auch stimmlich erfüllte er meine Erwartungen, wobei der offene Raum der Felsenreitschule vermutlich Anforderungen an den Interpreten stellt, die zu Lasten des feingestalteten Ausdrucks gehen. So hörte ich kraftvolle, leuchtende Höhen, vermisste aber etwas den lyrischeren Moment. Möglicherweise lag dieser Einschränkung aber auch an der Partnerin des Abends, Nino Machaidze, der Darstellerin der Juliette. Hier handelt es sich um eine glatte Fehlbesetzung, wann man von ihrer äusseren Erscheinung absieht. Eine Sängerin mit derart schrillen Höhen und ältlichem Stimmtimbre kann man keine 14jährige Julia singen lassen. Dazu kommt, daß sie in ihrer Arie „Je veux vivre“ weder eine durchgängige Phrase noch einen sauberen Spitzenton zusammenbrachte. Wenn ich da an die vor Jahren in München gehörte Angela Maria Blasi denke, kommen mir noch heute die Tränen. Natürlich ist es nicht einfach, alternierend mit einer Anna Netrebko eine Rolle zu singen. Ein bißchen Wärme und Emotion möchte aber bei einer Julia schon sein, auch wenn es kurz vor Festspiel-Feierabend ist.

Wie schon dieser Tage bemerkt, schien die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor trotz der prächtigen Kostüme unter Festspielmüdigkeit zu leiden, die sich in den ersten Bildern als wacklige Einsätze und ein sehr uneinheitliches Klangbild äusserte. Nach der Pause wurde es besser, ich hatte mich daran gewöhnt oder war vollends im Bann des energiegeladenen jungen Dirigenten.

Die beiden Hauptdarsteller nahmen übrigens den Applaus nur gemeinsam entgegen, was ich sehr kollegial von Herrn Beczala fand, und der dann auch sehr freundlich ausfiel.

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