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Salzburger Festspiele: Orfeo ed Euridice

August 25, 2010

Bild mit freundlicher Genehmigung der http://www.Salzburgerfestspiele.at


Sie kennen die Geschichte. Euridice stirbt jung und unerwartet. Orfeo weint, Amore erbarmt sich seiner und lässt ihn den Fluss Lethe überqueren. Gelänge es Orfeo, die wilden Furien durch seinen Gesang zu betören, dürfe er Euridice mit zurücknehmen. Bedingung: Er darf Euridice dabei nicht ansehen. Was natürlich nicht klappte bei Euridices Gejammere. Und so starb sie zum zweiten Mal. Als Orfeo sich vor Kummer umbringen will, erbarmt sich Amore erneut und lässt Euridice aus dem Totenreich zu Orfeo zurückkehren.

Ich hätte es vorher nicht lesen brauchen: Das Bühnenbild war original Jürgen Rose. Schachtelartig verkleinerter, minimalistischer Raum, hell, zum Glück nicht so gleisend hell wie schon gehabt. Und es drehte sich. Viel zu inszenieren gibt es nicht bei Orpheus und Euridike, zumindest nicht für einen Ästheten wie Dieter Dorn, der dann auch lediglich während der Ballettmusik in die Regiekiste griff, um dem staunenden Liebespaar das pralle Leben als Paar vor Augen zu führen. Wenn ich mich an die Münchener Inszenierung erinnere, sassen Orfeo und Euridice während der Ballettmusik als alte Leutchen im Sessel und blickten zurück auf ihr Leben. Bei Dieter Dorn dagegen richtet sich der Blick des Paares in die Zukunft mit allen möglichen Beziehungsvarianten, die keineswegs nur Friede, Freude, Eierkuchen erwarten lassen.

Ich schätze an Riccardo Muti vieles und kann auch seinen Programmvorlieben sehr viel abgewinnen. Ob allerdings die grossformatige Interpretation (Bühne wie Graben) Glucks Oper gerecht wird, bezweifle ich. Zwar musizierten die Wiener Philharmoniker gestern durchaus transparent, was mir vor allem bei den Streicherstimmen auffiel, auch gab es wirklich delikate Orchestermomente. Wunderbar erklang das Echo hinter der Bühne und die Harfe war sensationell. Trotzdem klang für mich der Apparat insgesamt etwas zu episch für das szenische Kammerspiel.

Auch die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor scheint Gluck nicht schwerpunktmässig in ihrem Programm zu haben. Zwar fügten sich die Damen und Herren perfekt in Dieter Dorns tableauartige Bilder, mein vokaler Eindruck war etwas uneinheitlich. Weder war das Klangbild stets geschlossen noch waren alle Einsätze präzise. Folgen des strapaziösen Festspielsommers vermutlich.

Wie fast immer in Salzburg gab es exquisite Solisten. Elisabeth Kulman, Sängerin des Orfeo und mir bis dahin unbekannt, machte Orfeos reiche Gefühlswelt für den Zuhörer erlebbar. Ihr Mezzo ist bruchlos, sehr direkt geführt und mit einem warmen Timbre ausgestattet. Genia Kühmeier in der Rolle als Euridice erfreute einmal mehr mit reiner Intonation und innigem Ausdruck. Eine veritable Entdeckung scheint Christiane Karg zu sein, die den Amore mit jugendlichem Temperament und kapriziösen Sopran zum besten gab.

Ein kurzer, netter Abend in Salzburg, der früh genug zu Ende ging, um noch die Rückfahrt nach Hause leicht zu bewältigen. Auf der Hinreise durch den gewittrigen Chiemgau hätten einige durch umgefallene Bäume blockierte Strassen die rechtzeitige Ankunft im Festspielhaus beinahe verhindert.

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