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Bayreuther Festspiele 2010: Parsifal

August 19, 2010

Gestern sah ich mir Hersheims Parsifal Inszenierung, die mich letztes Jahr mit ihrer Bilder- und Metaphernflut fast erschlagen hätte, nochmals an. Ich kann nun wirklich nicht stehen lassen, nach einem ersten Aufzug Parsifal in die Pause zu gehen, ohne zu wissen, wer auf der Bühne denn nun gerade welche Rolle eingenommen und gesungen hat.

Eigentlich mag ich es gar nicht besonders, wenn zu einem großen Vorspiel wie das des Parsifals, das an sich schon bildhafte Vorstellungen in Gang setzt, bereits große Aktionen auf der Bühne stattfinden. Ich mag es auch bei Parsifal nicht, allerdings wird in der Herheim Inszenierung während des Vorspiels eine Art Vorgeschichte erzählt, Grundstock für die weitere Inszenierung, auf die in einer Deutungsebene Parsifal[?] wie auf eine Traumgeschichte zurückblickt.

Welche An- bzw. Einsicht ich durch den erneuten Besuch gewonnen habe, werde ich nach meiner Heimkehr zu formulieren versuchen. Heute vormittag habe ich jedenfalls kontrolliert, ob das Parsifal-Bühnenbild mit dem Original übereinstimmt und habe die Villa Wahnfried, Richard Wagners Grab und den Hofgarten besucht.

Musikalisch würde ich die gestrige Aufführung auf meiner persönlichen Werteskala als „voll zufriedenstellend“ einordnen.
Überzeugend vor allem der stimmgewaltige und wortgewandte Gurnemanz Kwangchul Youns und Christopher Ventris in der Titelrolle in glänzender Verfassung und leuchtenden Höhentönen. Ein bisschen mangelt es Ventris an Ausstrahlung, obwohl er Parsifals Unbedarfheit gut spielt; was ich vermisste kann ich nicht beschreiben; vielleicht braucht ein Parsifal Charisma. Detlef Roths Amfortas gelang bewegend, Thomas Jesatzkos Klingsor definierte sich hauptsächlich über die präzise darstellerische Aktion. Trotz meines Platzes in der Mitte der sechsten Reihe konnte ich nicht verstehen, wovon Kundry sang. Susan Maclean als neue Kundry war darstellerisch wie ihre Kollegen grandios, stimmlich kann sie noch in die Rolle wachsen.

Viel Applaus erhielt Daniele Gatti für sein Dirigat, das für meinen Geschmack vor allem im zweiten Aufzug etwas spannungsreicher (schneller) sein dürfte. Unvergleichlich war der Klang des Orchesters aus dem verdeckten Graben und bestechend die Leistung des famosen Festspielchores.

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