Skip to content

Münchener Opernfestspiele: Tannhäuser 29. Juli

Juli 29, 2010

Bayreuth hat den Mythos, wir aber haben die Wagner-Sänger. Könnte man in der Bayerischen Staatsoper sagen, wenn Kaufmann in Bayreuth nicht den Lohengrin machte. Gestern jedenfalls hatten „wir“ alles, was man für eine wunderbare Tannhäuser-Aufführung braucht (Wiederholung am 31. Juli zum Festpielabschluss): Einen Tannhäuser (Peter Seiffert), der die Rolle singen kann. Nicht nur Peter Seifferts Gesang war eine Wohltat, auch seine durchdrungene Darstellung war packend. Kraftvoll und facettenreich geht er die Rolle an, die für ihn geschaffen scheint. Die nicht immer mühelosen erreichten Höhentöne unterstreichen eher die Klasse seiner Darstellung als sie zu beeinträchtigen. Als Elisabeth agierte Petra Maria Schnitzer, die im Vergleich zu ihren Januar-Probelauf noch einiges an Intensität gewinnen konnte und mich besonders durch die Innigkeit beim Gebet der Elisabeth im dritten Aufzug berührte. Hans Peter König, ein Bass mit strömendem angenehmem Timbre sang Landgraf Hermann. Von den Minnesängern ist besonders Christian Van Horn hervorzuheben, der mir als Biterolf von all seinen bisher in München gesungenen Rollen am besten gefallen hat. Mit Petra Langs Venus konnte ich mich auf Anhieb nicht anfreunden. Die Stimme schien mir zu eindimensional und hatte keinen Sex-Appeal.

Ein Erlebnis der besonderen Art war wieder Christian Gerhaher, den ich zum ersten Mal in einer Oper erlebte. Unnötig zu sagen, daß er wie die übrigen Mitwirkenden in der aufwendigen, beeindruckenden Alden-Inszenierung eine Rolle spielte und sich in der Darstellung des Wolfram dem Regiekonzept anpasste. Und doch eröffnet Gerhahers Gesang eine weitere Dimension. Gerhahers Soli formen ihren eigenen Kosmos, der seine eigene Zeit hat, die endlos scheint. Dabei hat man als Zuhörer den Eindruck, man sei der Einzige, der zuhören darf. Seine Gestaltungsmöglichkeiten und Textinterpretation – Tugenden des Liedgesanges -, die brillante Gesangstechnik und die Wärme, Kraft und Schönheit der Stimme sind in diesem Stimmfach heutzutage unübertroffen, glaube ich.

Kent Nagano dirigierte, wobei mir mehrere aussergewöhnlich starke, auch sehr emotionale Orchesterstellen im Gedächtnis blieben, für weniger spannungsreichen Passagen vor allem im Venusberg wurde ich durch die brillante Inszenierung und die durchweg großartigen Gesangskünstler reichlich entlohnt. Ein weiterer toller Opernabend, der vermutlich in der Erinnerung bleiben wird.

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. Bärbl Wagner permalink
    Juli 30, 2010 10:28

    Liebe Rossignol,wir kennen uns ja schon von einigen Pausengesprächen in
    der Oper – das letzte war beim Tannhäuser – ich kann Ihrer Besprechung nur voll und ganz zustimmen. Christian Gerhaher als Wolfram war wirklich grandios. So beeindruckend habe ich diese Rolle noch nie erlebt. Seiffert und Schnitzer haben mich auch beeindruckt.
    Eine wirklich festspielwürdige Aufführung!!
    Lieben Gruss

    • Juli 30, 2010 14:49

      Liebe Frau Wagner, da sage noch einer, das Netz sei anonym! Die letzten Festspieltage sind tatsächlich wie Weihnachten. Schauen wir mal, was der heutige Abend in sich hat. Ich freue mich schon.
      Viele Grüße
      rossignol

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: