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Münchener Opernfestspiele: Tosca am 15. Juli 2010

Juli 18, 2010

Nun doch auch ein paar Worte zum dritten Besuch der Neuinszenierung, dieses Mal unter einem anderen Dirigenten, Marco Armiliato. Einen Unterschied zu Fabio Luisis Dirigat konnte ich allenfalls in der etwas zurückgenommenen Lautstärke mancher Passagen ausmachen, was vor allem Juha Uusitalo entgegenkam, der das ihm Bestmögliche aus der Rolle des rocksaumküssenden Scarpia-Duce machte, wie ich finde. Er singt Scarpia, wie er ihn singen kann und singen möchte; wenn Teile des Publikums anderes vom Sänger des Scarpia erwarten, muss die Interpretation nicht deswegen schlecht sein.

Karita Mattila, die als grossartige Darstellerin gilt, macht als Tosca keinerlei Eindruck auf mich. Ich habe es ausprobiert, mit geschlossenen Augen entsteht ein vollkommen anderes Bild. Die Stimme ist voluminös und wohlklingend, hat Ausdruck, wenn auch leichte Ermüdungserscheinungen vor allem gegen Ende der Oper. Die puppenhafte Maske und Frisur allerdings sowie eine Kostümierung, die dem Selbstzweck zu dienen scheint, sind vollkommen daneben und verkehren Karita Mattilas Vorzüge und Stärke ins Gegenteil. Tragische Momente in der Szene mit Scarpia erregen da auch gerne mal Heiterkeit im Publikum. Danke, Bondy, it would have done without your direction.

Da kann Cavaradossi um sein Leben singen, solange er will, es kommt kein Leben in die Engelsburg. Auch Jonas Kaufmanns gerät als Cavaradossi in des Regisseurs Mühle der Beliebigkeit, die Tosca zur Nummernoper degradiert. Kaufmanns Gesang entschädigt allerdings für vieles, ist geradezu atemberaubend in Timbre und Ausdruckskraft; die Höhe scheint ihm zuzufliegen. Nur wegen seines Auftritts habe ich die Oper mehrfach besucht.

Mit „O dolci mani“ oder „Vittoria, vittoria“, aber auch mit Toscas Gebet werden nur die belohnt, die ausharren bis zum Ende. Was dieserTosca-Produktion aus dem Met-Winterschlussverkauf fehlt, ist der Knopf für den schnellen Vorlauf. Mir scheint sie die längste Tosca der Welt.

Ehe ich’s vergesse: Am Ende gelang dieses Mal der Sprung von der Burg. Darauf zu warten lohnt sich allerdings nicht wirklich.

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