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Münchener Opernfestspiele: Don Giovanni

Juli 4, 2010

Weder der wunderbare Mariusz Kwiecien und der nicht mehr nur hoffnungsvolle, hinreissende Tenor Pavol Breslik, noch Alex Esposito als fabelhafter Leporello und schon gar nicht Maija Kovalevska als Elvira könnten mich dazu bewegen, die szenisch überladene und musikalisch blutleere Inszenierung von Don Giovanni freiwillig aufzusuchen. Anja Harteros erster Auftritt auf der Europaletten-Fußangeln-Rampe des Container-Verschiebe-Max-Joseph-Platzes als Donna Anna machte mich neugierig. Und sie ist sang die beste Donna Anna, die ich in dieser missratenen Szenerie erlebt habe. Trotz einer Darstellung voller Leidenschaft und Expressivität vergaß sie nicht auf die in der Rolle auch verankerten „schönen“ Töne, was ich sehr genossen habe. Man hatte ihr ein neues Kostüm geschneidert, das zwar auch nicht nach haute couture aussah, aber wenigstens nicht wie aus dem Kleidersack wie anscheinend das ihrer Vorgängerinnen.

Der Oper vorangegangen war ein spektakulärer Auftrittsapplaus für Kent Nagano, mit vielen Bravos, den ich in dieser Form vor einer Opernaufführung noch nicht erlebt habe. Hintergrund dafür war wohl die Berichterstattung einiger Zeitungen über lancierte Vorgänge im zuständigen Ministerium und der Opernintendanz mit dem Ziel, Naganos Vertrag als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper über das Jahr 2013 hinaus nicht zu verlängern. Das Publikum hat Nagano auch beim Schlussapplaus, obwohl er diesen Don Giovanni nicht anders als die vorangegangenen Vorstellungen dirigierte, überschwänglich gefeiert und damit seinen Unmut über die Vorgänge im Haus deutlich manifestiert. Für die Inszenierung, die der Intendant zu verantworten hat, gab es dagegen nach dem ersten Akt nicht nur vereinzelte empörte Buhrufe. Daß diese Publikumsmanifestation sich nun gerade beim Don Giovanni äusserte, ist wie eine Ironie des Schicksals, gilt doch das DG-Dirigat als Naganos bisher blasseste Arbeit in München.

Hintergrundinformationen:
Duett vor dem Finale aus der Süddeutschen Zeitung, wonach nach dem Willen des FDP-Ministers Wolfgang Heubisch Kent Nagano das Münchner Nationaltheater 2013 verlassen muss.

Über Störgeräusche aus der Oper berichtet die Abendzeitung und wirft die Frage nach Anstand in Politik und Theater auf.

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