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Spontanbericht: Medea in Corinto

Juni 7, 2010

Giovanni Simone Mayr war ein deutscher Komponist italienischer Opern im frühen 19. Jahrhunderts, geboren in Oberbayern, ausgebildet in Kloster Weltenburg und Ingolstadt. Ausgewandert nach Italien und sesshaft geworden in Bergamo, gründete er dort ein Konservatorium, dessen bedeutendster Schüler Gaetano Donizetti war. Fast vergessen beziehungsweise weitgehend unbekannt war der Mayr Hansi oder Mayr Simmerl, wie sie hier bei uns sagen, bis sich die Bayerische Staatsoper eines seiner Hauptwerke annahm. Medea in Corinto hatte heute Premiere. Unter der Leitung von Ivor Bolton zeigte sich das Staatsorchester von seiner allerbesten Seite. Die Umsetzung der sehr farbenreichen Instrumentierung, die vielfältigen Stilwechsel der Partitur gelangen ganz vorzüglich. Deshalb gehören meine Kronen des Abends den Damen und Herren im Graben und den beiden Instrumentalsolistinnen auf der Bühne.

Die Inszenierung kann man schnell abhandeln. Vor einem Regierungsgebäude, das durch die aufgesetzte Quadriga-Renovierungskabine stark an das Wiener Parlament erinnert, spielt sich das Drama ab. Ein Mythos wurde versprochen. Ich sah Agenten, Neger (ja), Sklaverei, Folter, Mord an Zivilisten und schwangeren Frauen, Vergewaltigung, geschätzt im Fünf-Minuten-Takt. Ich würde aus meiner Sicht sagen, daß Herr Neuenfels, der mit dieser Arbeit sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper gab, es sich in seinem Alter leisten könnte, seiner Zeit voraus zu sein. Er ist seiner Zeit leider ein paar Dekaden hinterher. Ich weiss, wie es in der Welt zugeht, Herr Neuenfels. Ihre Lehrstunden über solche Ekligkeiten laufen – bei mir zumindest – ins Leere. Und auf Opernbühnen haben wir das auch schon mehrfach durch.

Indes Medeas Verrohung inmitten einer verrohten (zeitlosen) Gesellschaft habe ich sehr wohl bemerkt, wobei ich im Gegensatz zur Absicht des Regisseurs Medea tatsächlich als verroht wahrgenommen habe und keineswegs als Opfer. Den Ansatz finde ich im Grunde gut, die Durchführung allerdings eher degustibus. Statt Grausamkeiten aneinanderzureihen, hätte das Produktionsteam vielleicht ein paar Gedanken für Personenführung und Bühnenbild aufwenden können, denn das Präsentierte würde ich als ausgeklügelte Raumverknappung zum Zwecke perfektionierten Rampensingens bezeichnen wollen. Ob die Rampe jetzt ebenerdig oder im ersten Stock des Parlamentes liegt, spielt für mich keine Rolle. Rampe ist Rampe.

Gesungen wurde ordentlich bis gut. Und am Ende gewinnt, wer am lautesten schreit. So ist das nun mal.

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