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Mozarteum: Pirano e Tisbe, konzertant

Mai 23, 2010

Kennen Sie Johann Adolph Hasse? Ehe ich mich entschloss, zum Salzburger Pfingstfestival zu reisen, war mir der Name des Komponisten gänzlich unbekannt. Obwohl 1699 in Hamburg geboren, wird er der Neapoletanischen Schule zugerechnet, wo er sich längere Zeit aufhielt und als letzter Schüler Scarlattis galt. Dadurch kam sein Werk zur Aufführung der unter dem Motto „Neapel – Metropole der Erinnerung“ stehenden Pfingstfestspiele, die zyklusartig die Entwicklung der Musik Neapels und die Verankerung der Neapolitanischen Schule in der europäischen Musik aufzeigen soll.

Das Motzärtle soll den neapoletanischen Meister um seine Ideen beneidet und ihm nachgeeifert haben. So einigermaßen gelang’s dem Knaben dann ja auch.

Im vollbesetzten Mozarteum spielte das Orchester Europa Galante (die Musiker wohnten zufällig im gleichen Hotel wie ich), ein Ensemble, das sich dem Originalklang verschrieben hat. Der Gründer des Orchesters, Geiger und Dirigent Fabio Biondi, spielt mit den ersten Geigen und dirigiert gleichzeitig, nach meiner Meinung nicht unbedingt ein Vorteil. Das Orchester spielt vorzüglich und engagiert, der Orchesterklang ist homogen; was mir fehlte, lag zum Teil in der Komposition begründet, die immer nur „Tutti“ auch bei den Accompagnato-Rezitativen vorsieht, denen etwas Farbe und Dynamik gut bekommen wäre. Möglicherweise hätte Fabio Biondi mit zwei freien Händen besser gestaltend eingreifen können.

Drei Protagonisten hat die Geschichte, die ein Vorläufer der Capuletti und Montecchi sein könnte, zwei Kinder verfeindeter Familien dürfen nicht zusammenkommen und sterben lieber als voneinander zu lassen. Hier sterben sie dann aber eher durch ein Versehen, weil ein Löwe Tisbe biss und Piramo dachte, sie sei tot. Zurück bleibt der sich mit Sebstvorwürfen plagende Vater des Mädchens.

Vivica Genaux in der Rolle des Piramo war ihre angesagte Erkältung nur zu Beginn etwas anzumerken. Mit ihrem farbenreichen Mezzo bewältigte sie die nicht ganz so exponierte Sopranrolle bravourös. Desirée Rancatores schön timbrierte hohe Töne und die Agilität ihrer Stimme versöhnten mich mit den merkwürdig platten, fast blechernen Vokalen bei den Rezitativen, wodurch ihre Darstellung der Tisbe einen etwas uneinheitlichen Eindruck hinterliess. Allerdings hörte ich da wohl etwas anderes als der Rest des mich umgebenden Publikums, das Rancatore begeistert applaudierte. Absolute Höhepunkte des Abends waren die ausdrucksvollen, auch textlich guten Duette zwischen Piramo und Tisbe und natürlich die finale Todesszene.
Tisbes Vater, eine Rolle mit wenig ergiebigem Charakter, sang Emanuele D’Aguanno mit ausdrucksvollem Tenor.

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