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BSO: Aida 12. Mai 2010

Mai 13, 2010

Regelmässige Besucher meines weblogs vermissen Berichte über Vorstellungsbesuche der Bayerischen Staatsoper. Seit Beginn diesen Jahres gibt es nichts zu berichten. Die Bayerische Staatsoper hat zwar nicht ganz geschlossen, aber ein Programm, das für mich als relativ häufigen Opernbesucher nicht attraktiv ist.

Zwar gab es zu Anfang des Jahres einen vorzüglich besetzten Don Carlo (Salminen, Lee, Keenlyside, Burchudladze, Harteros, Krasteva) und ebenfalls im Januar einen immerhin interessanten Tannhäuser unter Kent Nagano, mit allerdings uneinheitlichen Gesangsleistungen (Treleaven als Tannhäuser). Zwischen fad besetzten Repertoirevorstellungen von Salome über Macbeth zu Don Giovanni und einer grotesk besetzten Nozze konnte man sich wenigstens im Februar und März mit den Akademiekonzerten über die Runden bringen, in gespannter Erwartung auf Peter Eötvös Welturaufführung Die Tragödie des Teufels, die sich dann auch als weniger tragisch als erwartet herausstellte. Den in München erstmals gezeigten Dialogues des Carmélites kann ich einen Achtungserfolg einräumen. Randrepertoire. Und dann kamen mit Ostern Palestrina und Wozzeck, abwechselnd mit dem immer noch faden Don Giovanni. Nichts gegen diesen brillanten Wozzeck, aber dauernd Wozzeck? Danach die Ballettwochen. Und natürlich Schließtage. War sonst noch was? Roberto Devereux war mal, damit man nicht sagen kann, es sei gar nichts geboten worden. Aber daß Edita Gruberova für zwei, drei Serien im Jahr für volles Haus sorgt, ist eigentlich auch schon wieder langweilig.

Münchener Opernfreunde habe ich in den letzten Monaten in den unterschiedlichsten Opernhäusern angetroffen. Ich bin also keineswegs ein Einzelfall. Und ein Blick auf das Mai-Programm lässt Urlaub angeraten erscheinen.

In solchen Zeiten reist man, soweit man es sich erlauben kann oder geht aus Neugierde in die nach wochenlanger Funkpause neu aufgelegte Aida-Serie. Vielleicht stecken in der interesselos inszenierten Nel-Produktion ja doch verborgene Qualitäten, die neue, hoffentlich bessere, Sänger zutage fördern könnten.

Daniele Callegari arbeitete sich am Pult ab und dieses fast auf, brachte aber ausser Lärm und Getöse nicht viel zustande. Zu Beginn des dritten Aktes schien mir sogar eine gewisse Unruhe im Graben zu herrschen, deren Ursache ich nicht feststellen konnte. Es war also laut, den Sängern gegenüber rücksichtlos, da diesen nur die Flucht ins Gebrüll blieb.

Hätte ich auch nicht gedacht, daß ich einmal Salvatore Licitra als den kultiviertesten Sänger eines Abends bezeichnen würde, der sich wenigstens etwas um den dynamischen Einsatz der Stimme bemühte, was allerdings im ihn umgebenden Geblöke schon wieder maniriert wirkte. Enttäuschend Hui He als Aida, die ihren reduzierten Körperkrafteinsatz nicht zur vokalen Rollengestaltung nutzen konnte und mich vollkommen kalt liess. Die schöne Stimme Lado Atanelis als Amonasro war zwar zu hören, allerdings erschien er mir etwas unsicher. Ildiko Komlosi war als Amneris passabel, ebenso wie Steven Humes als Priester. Christian Von Horn deklamierte mehr als er sang auf den Plateauschuhen des Königs. Choreinsätze gab es auch, ungefähre wenigstens.

Ein Abend, an dem ich mir eine weitere Pause nach dem Nilakt wünschte. Zum Abseilen. Lauwarmer und sehr kurzer Applaus.

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